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Schüler des KFG machen sich mit den neuen Lernmaterialien vertraut.

Bad Homburg

Leichter Deutsch lernen

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Die Initiative "Bücher sagen Willkommen" richtet an Bad Homburger Schulen Lernecken für Integrationsklassen ein.

Abdullah hat sich sofort das Buch geschnappt, in dem „Das Wunder von Bern“ geschildert wird. Der fußballbegeisterte 17-Jährige besucht seit einem Jahr das Kaiserin-Friedrich-Gymnasium (KFG) in Bad Homburg und spricht schon recht gut Deutsch. Das habe er unter anderem seinen Mannschaftskameraden im Oberstedtener Fußballverein zu verdanken, erzählt der junge Syrer.
In der Schule sei ihm das Lernen hingegen am Anfang nicht leichtgefallen, räumt Abdullah ein. „Deutsch ist eine schwere Sprache.“ Und so habe er oft keine Lust auf Unterricht gehabt. Doch irgendwann habe er sich klargemacht, dass er die Sprache lernen müsse, wenn er in Deutschland zurechtkommen wolle. „Und dann habe ich ein bisschen Gas gegeben“, sagt er und lacht.

Er lese sehr gerne, betont Abdullah. Deswegen freut er sich darauf, bald zu erfahren, wie Deutschland 1954 zum ersten Mal Fußballweltmeister geworden ist. Gut sei, dass das Buch in leichter Sprache verfasst ist, betont Abdullah. Denn trotz seiner Fortschritte beim Deutschlernen sei das für ihn eine große Hilfe.

Das KFG ist eine der ersten Schulen in Hessen, in der die Initiative „Bücher sagen Willkommen“ eine Lern- und Leseecke mit 120 Medien eingerichtet hat. Sie sollen vor allem den Kindern und Jugendlichen in sogenannten Integrationsklassen beim Deutschlernen helfen. Das sind Geflüchtete wie Abdullah, aber auch Schüler, die aus anderen Gründen frisch nach Deutschland gekommen sind, ob aus Italien oder Südkorea.

Bislang hätten diese die Schulbücherei vor allem genutzt, um ihre Hausaufgaben zu machen, berichtet Bibliotheksleitern Carola Düsing. Umso mehr freute sie sich, dass einige der Schüler bereits gestern die ersten der neuen Medien ausgeliehen haben. Da machte es auch nichts, dass die Bücher, Spiele und CD-Roms noch nicht elektronisch erfasst waren. „Wir improvisieren mit Zettel und Stift“, sagte Düsing.

Auch ihr Pendant von der Humboldtschule (HuS), Vera Balestra Willi, freute sich über die neuen Lernmaterialien, die ihre Schule gleichzeitig mit dem KFG erhalten hat. Gerade den älteren Schülern aus den Integrationsklassen habe sie bislang nur wenig bieten können, „was einfach zu lesen, aber auch altersgerecht ist“. Erfreulich sei auch gewesen, dass die Lehrer selbst Vorschläge machen konnten, welche Bücher angeschafft werden sollen. So gibt es an der Humboldtschule nun unter anderem „Tschick“ in leichter Sprache.

An der HuS besuchen 14 Kinder und Jugendliche spezielle Deutschklassen, am KFG sind es zwölf. Allerdings seien weitere acht bereits in Regelklassen gewechselt, erzählte Lehrerin Dorothee Fröhlich. Die meisten von ihnen seien zwar hochmotiviert, doch sie sprachlich auf das Niveau ihrer deutschen Mitschüler zu bringen, sei noch „ein langer Weg“.

Die neuen Lern- und Leseecken sollen dazu ihren Beitrag leisten. Die Schüler könnten dadurch Erfahrungen mit der deutschen Sprache machen, „die nicht entmutigen, sondern Interesse am Lesen wecken“, hofft KFG-Leiterin Heike Zinke.

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