Legal Highs

Legal, aber gefährlich

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Ein bundesweites Projekt klärt über Kräutermischungen, Badesalze und Co auf

Sie tragen klangvolle Namen. Werden im Internet als Produkte zur Verbesserung der Raumluft verkauft, aber auch ganz offiziell zum Rauchen, um zu entspannen. Harmlos sind die sogenannten Kräutermischungen keineswegs. Sie enthalten eine unberechenbare Art und Menge an synthetischen Cannabinoiden. Nach mehreren Todesfällen in Zusammenhang mit den Produkt Spice, wurde es 2008 verboten. Der Ersatz ließ nicht lange auf sich warten. Die Chemiker in den unkontrollierten Labors sind fantasievoll: Substanzen, die in die Anhänge des Betäubungsmittelgesetzes aufgenommen werden, werden schnell durch andere ersetzt, die noch legal sind. Doch der Markt steht unter Beobachtung. Und der Leiter dieses bundesweiten Projekts sitzt in Frankfurt. 

Synthetische Cannabinoide sind geruchslos und können zu schweren Abhängigkeiten führen. Sie schmecken nicht und riechen nicht. „Man kann sie rauchen, ohne dass das Gegenüber es merkt“, sagt Karsten Tögel-Lins, Leiter des Projektes Legal-High-Inhaltsstoffe. Auch hierbei werden berauschende Substanzen analysiert und die Ergebnisse veröffentlicht. Nur: Diese Pulver, Tabletten, Kräuter oder Kapseln fallen nicht unter das Betäubungsmittelgesetz. 

Legal Highs sind Kräuter- oder Räuchermischungen, aber auch sogenannte Badesalze oder Reiniger. Typische Nebenwirkungen der Cannabinoide sind Bluthochdruck, Bewusstlosigkeit, Brechreiz, Krämpfe. Seltener kommt es zu Angstzuständen, Halluzinationen, Blackouts. Sie können zu schwerwiegenden Komplikationen führen wie Herzanfall, Hirninfarkt oder akutes Nierenversagen. 

Das Projekt Legal-High-Inhaltsstoffe klärt Konsumenten, Eltern und Fachkräfte auf. Experten testen Proben und stellt die Ergebnisse ins Netz. Verantwortlich für die Laboranalysen ist Volker Auwärter vom Universitätsklinikum Freiburg, der auch beim hessischen Modellprojekt zum Drug-Checking mit von der Partie sein soll. So wie Tögel-Lins, der für den Frankfurter Verein Basis arbeitet, der seit vielen Jahren Drogenkonsumenten und deren Angehörige unterstützt – etwa bei der Arbeitssuche. „Wir wollen diese Menschen stärken, indem wir ihre individuellen, sozialen und kulturellen Faktoren verbessern, die ein selbstbestimmtes und verantwortungsvolles Leben ermöglichen“, heißt es in der Selbstdarstellung des Vereins. 

Das Projekt Legal-High-Inhaltsstoffe verfolgt den gleichen Ansatz: Es informiert unter anderem über die wirklichen Bestandteile von Legal Highs, damit Konsumenten das Risiko besser einschätzen können. „Safer use“ ist das Stichwort. Verharmlost wird nichts. „Wer psychoaktive Substanzen konsumiert, geht stets ein Risiko ein“, heißt es auf der Homepage. Und: „Risikofrei ist nur der Verzicht auf die Einnahme solcher Substanzen.“ 

Volker Auwärter von der Rechtsmedizin in Freiburg ist auch beim bundesweit einmaligen „Substanz-Monitoring“ der Stadt Frankfurt involviert. Es soll Aufschluss darüber geben, was tatsächlich in den Drogen drinnen ist, um die Konsumenten bei gefährlichen Beimischungen zu warnen. Seit August 2017 werden dazu einmal im Monat in den drei Frankfurter Konsumräumen Verpackungsmaterialien gesammelt und nach Freiburg geschickt.

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