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Lebenslang für Buckwitz-Mörder

  • Anne Lemhöfer
    VonAnne Lemhöfer
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Einer der bekanntesten Fälle in der Frankfurter Kriminalgeschichte ist aufgeklärt

Es ist eine rote Pappmappe, die aus der Erinnerung von Sybille Buckwitz wohl nie mehr verschwinden wird. Die rote Mappe hält Richter Klaus Drescher in der Hand. Alle im großen Schwurgerichtssaal E II stehen auf - Schöffen, Staatsanwältin, Verteidiger, Nebenklägerin, Zuschauer, Presseleute, der Angeklagte Horst-Josef K.; Sybille Buckwitz muss das Herz bis zum Hals schlagen.

Klaus Drescher senkt den Blick in die Mappe, sagt den Satz: "Es ergeht folgendes Urteil im Namen des Volkes..." Zwei Jahrzehnte hat Sybille Buckwitz, Tochter der im Juni 1989 ermordeten Margarethe Buckwitz, auf diesen Moment gewartet. 20 Jahre hat es gedauert, bis die Staatsanwaltschaft den Busfahrer Horst-Josef K. mittels DNA-Analyse vor Gericht bringen konnte. Den Mörder ihrer Mutter. Das ging nur, weil K. 2007 wegen einer Sexualstraftat verurteilt worden war und im Zuge dessen eine Genprobe abgeben musste.

"Der Angeklagte wird zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt", liest Drescher weiter. Es ist seltsam still. Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass der 57-Jährige aus Schmitten im Taunus die 74-jährige Witwe des früheren Theaterintendanten Harry Buckwitz in ihrer Königsteiner Wohnung ermordet und ausgeraubt hat. Damit ist einer der bekanntesten lang ungelösten Mordfälle der Frankfurter Kriminalgeschichte aufgeklärt. An jedem Todestag hatte Sybille Buckwitz mit einer Zeitungsanzeige an das Gewaltverbrechen erinnert, 20 Jahre lang. Nur fünf Sitzungstage hat das Frankfurter Landgericht verhandelt, ungewöhnlich kurz dafür, dass Horst-Josef K. die Tat rundweg leugnet. Die abenteuerliche Erklärung des Busfahrers, wie es denn dazu kam, dass sich nicht nur seine DNA am Leukoplaststreifen um Buckwitz' Hals, sondern auch der Schmuck der alten Dame in seiner Wohnung gefunden hatte (nämlich deshalb: er habe eine sexuelle Affäre mit der Intendantenwitwe gehabt und mit dem Leukoplast ihren Abfluss im Bad repariert) hatte zu Prozessbeginn alle Beteiligten überrascht.

"Baron Münchhausen und Prinzessin Scheherazade sind im Vergleich mit Ihnen blutige Anfänger im Märchenerzählen." Drescher, das merkt man bei jedem Wort in der Urteilsbegründung, ist beleidigt. Die sich an Details im Ermittlungsprotokoll entlang hangelnde Einlassung hatte K. seinen Anwalt verlesen lassen, der sich für den Mandanten dabei aber keineswegs fremdzuschämen schien. "Ich weiß nicht, was schlimmer ist. Dass Sie so etwas erfinden, oder dass Sie die Intelligenz des Gerichts so gering schätzen, dass Sie annahmen, wir würden den Unsinn glauben", sagt Drescher.

Horst-Josef K., kurz geschnittene hellgraue Haare, hellgrauer Anzug, hört dem Richter interessiert zu. Als ginge ihn das alles nichts an. Ein paarmal blickt er kopfschüttelnd zu seinem Verteidiger, der dann zur Seite schaut. Als alles vorbei ist, steht Sybille Buckwitz im Foyer, umringt von Freundinnen ihrer Mutter. Alles ist vorbei. Buckwitz lächelt nicht. Sie schaut, als könne sie das kaum fassen.

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