Gut Gebrüllt

Lauter!

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Die SPD will wieder nach oben, mit einem Rapper für die Politik. Die Kolumne aus dem Hessischen Landtag.

Die Meinungen über die Rapper Moses Pelham und Sabrina Setlur gehen mindestens so weit auseinander wie die Meinungen über die SPD. Die Sozialdemokraten waren in den vergangenen Monaten und Jahren verdammt tief gefallen im Ansehen, scheinen aber als bundesweite Krisenmanager in der Corona-Krise wieder mehr Menschen zu überzeugen, wenn man den Umfragen glauben darf.

Die Frankfurter Rapper kennen solche Höhen und Tiefen. Derzeit ist Pelham, der sich mal als Anhänger der SPD und des Frankfurter Oberbürgermeisters Peter Feldmann geoutet hat, obenauf mit seinem neuen Album „Emuna“.

Nun holt die Landtags-SPD einen Mann, der mit Pelham und Setlur zusammen gerappt hat, auf die Bühne der Landespolitik. Bastian Fleig steigt als Cheforganisator ins Team von SPD-Fraktionschefin Nancy Faeser ein. Der Posten des Geschäftsführers der SPD-Fraktion war verwaist, seit Fleigs Vorgänger Gert-Uwe Mende im vorigen Juli sein Amt als Oberbürgermeister von Wiesbaden angetreten hat.

Es sollte sich also niemand wundern, wenn es auf den Fluren des Landtags demnächst wummert und Rap-Gesang ertönt: „Mach das Lied hier lauter, wer mit abgeht, fühlt sich auch nicht gestört.“ Das stammt aus Setlurs Lied „Lauta“, von dem es ein Remix mit Rapper Fleig gibt. „Hauptsache laut machen, nebenan soll’s auch krachen“ – mal schauen, ob das auch sein politisches Leitmotiv ist.

Der 38-Jährige passe „hervorragend zu uns“, urteilt Fraktionschefin Faeser und meint damit nicht zwingend den Rap-Hintergrund. Entscheidend sei vielmehr Fleigs Berufserfahrung „im politischen Raum“.

Nicht zuletzt weiß der Neue aus eigener Erfahrung, dass Sozialdemokraten regieren können – eine Erfahrung, an die sich in Hessen nur noch wenige erinnern, da die letzte Regierungsphase der SPD 1999 endete. Fleig arbeitete im Deutschen Bundestag, managte den SPD-Wahlkampf in Baden-Württemberg 2010 und wurde stellvertretender Regierungssprecher in Stuttgart – in der damaligen grün-roten Landesregierung von Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Zur SPD-Fraktion kommt der Schwabe nun von der IG Metall, wo er das Ressort für strategische Kommunikation geleitet hat.

Wenn Stellen besetzt werden, ist das ein Hauch von Alltag in diesen außergewöhnlichen Zeiten. Im Landtag endeten in dieser Woche die meisten Reden mit der Ermunterung: „Bleiben Sie gesund!“ Das gab es noch nie – wie es auch eine solche Sitzung noch nicht gegeben hat: Abgeordnete, die auf die Tribüne gingen, um Abstand zueinander zu halten. Nicht wegen des Krachs von nebenan, sondern aus weit ernsteren Gründen.

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