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Der als "Laserman" bekanntgewordenen John Ausonius (Mitte) wird von zwei Wachtmeistern in einen Verhandlungssaal des Frankfurter Landgerichts geführt.
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Der als "Laserman" bekanntgewordenen John Ausonius (Mitte) wird von zwei Wachtmeistern in einen Verhandlungssaal des Frankfurter Landgerichts geführt.

Prozess gegen "Lasermann"

"Lasermann" gibt sich geläutert

  • Danijel Majic
    VonDanijel Majic
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Zu Beginn des Frankfurter Mordprozesses macht der "Lasermann" John Ausonius keine Angaben zum Tod der Garderobefrau Blanka Zmigrod. Der Schwede trägt nur seinen Lebenslauf vor - auf Deutsch.

Die Kameras der Presse scheut John Ausonius nicht. Im Gegensatz zu vielen Angeklagten, die zu Beginn eines Strafprozesses ihr Gesicht verdecken, lässt Asonius sich ablichten, ohne sich auch nur ansatzweise beeindruckt zu zeigen. Warum auch? Er ist ein verurteilter Mörder, sein Gesicht ist bekannt. Sein Spitzname auch: Lasermann.

Zwischen August 1991 und Januar 1992 hatte Ausonius in Schweden elf Mal auf Männer mit Migrationshintergrund geschossen. Weil er dabei teilweise ein Gewehr mit Laser-Zielvorrichtung verwendete, taufte ihn die schwedische Presse „Lasermann“. Zehn seiner Opfer wurden teils lebensgefährlich verletzt. Eines starb. Der heute 64-Jährige verbüßt in Schweden eine lebenslange Freiheitsstrafe. Seit Montag muss er sich in Frankfurt erneut wegen Mordes verantworten.

Vor dem der Schwurgerichtskammer des Frankfurter Landgerichts soll in insgesamt sechs Prozesstagen erörtert werden, ob der „Lasermann“ auch für den Mord an der 68-jährigen Frankfurterin Blanka Zmigrod im Februar 1992 verantwortlich ist. Die Garderobenfrau war unweit ihrer Wohnung im Frankfurter Westend auf offener Straße erschossen worden. Wenige Tage zuvor soll es zu einem Streit zwischen ihr und dem zu diesem Zeitpunkt flüchtigen und von der schwedischen Polizei gesuchten Ausonius gekommen sein.

Ende 2016 beantragten die deutschen Behörden die Auslieferung von Ausonius. Seit einem halben Jahr sitzt der Schwede in der Justizvollzugsanstalt Frankfurt I. Ausonius selbst hatte die Tat bereits in den 90er gegenüber deutschen Ermittlern bestritten - auch wenn er den Streit mit Zmigrod bestätigte.

Ausonius schweigt zum Mordvorwurf

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass ausreichend Indizien ihre Täter-These stützen. Doch an diesem ersten Prozesstag werden keine Zeugen gehört, keine Beweise präsentiert. Stattdessen erhält der Angeklagte die Gelegenheit, eine umfangreiches Stellungnahme abzugeben.

Zum Mordvorwurf selbst will Ausonius sich nicht äußern. Stattdessen verliest er in flüssigem Deutsch einen „ausführlichen Lebenslauf“, der auch Ausführungen zu seiner „schockierenden Kriminalität“ enthält, wie er selbst betont. Der Angeklagte berichtet von seiner missglückten beruflichen Laufbahn, wie er schließlich zum „Vollzeitspieler“ wurde und seine Spielsucht zunächst durch kleinere kriminelle Aktivitäten zu finanzieren suchte. Schließlich wurde aus ihm der „Fahrrad-Bankräuber“. Insgesamt 18 Banken überfiel Ausonius, um sich Geld zu beschaffen, das er anschließend schnell wieder verspielte.

Um die Polizei von den Banküberfällen abzulenken, habe er schließlich mit den Mordanschlägen begonnen. Dass sich diese gegen Migranten richteten, sei das Resultat seiner damaligen „vorgefertigten Meinungen“ gewesen - insbesondere über nicht-europäische Zuwanderer. Inzwischen, betont Ausonius, habe er sich „in vielerlei Hinsicht“ geändert.

Über das Opfer wird nicht gesprochen

Ausonius „Lebenslauf“ enthält nichts Neues. Es ist die Erklärung eines Mannes, der sich indirekt verteidigt, indem er behauptet, bereits „reinen Tisch“ gemacht zu haben. Alle Straftaten habe er bereits zugegeben, warum solle er also den Mord an Zmigrod verschweigen? Eine Antwort könnte lauten: Weil er sich Hoffnung auf eine baldige Begnadigung macht, die im Falle einer erneuten Verurteilung hinfällig wäre.

Über das Opfer Blanka Zmigrod wird an diesem Montag im Frankfurter Landgericht nicht gesprochen. Allerdings beschäftigt die Ermordete die Medien. Die schwedische Zeitung „Aftonbladet“ etwa hat recherchiert, dass Zmigrod - die Jüdin war - nicht weniger als vier Konzentrationslager überlebt hat. Der Hessische Rundfunk vermeldet derweil, dass eine Zeugin behauptet, Zmigrod habe unter einem Aliasnamen eine Bar mit angeschlossenem illegalen Spielsalon betrieben, den auch Ausonius besuchte.

Derweil beantragt die Verteidigung, das Verfahren gegen den „Lasermann“ einzustellen, weil das Recht ihres Mandanten auf einen Prozess in angemessener Zeit verletzt sei. Bereits seit 1993 werde Ausonius als Beschuldigter geführt, doch sei bis 2016 nie ernsthaft versucht worden, seine Auslieferung oder eine Übernahme des Verfahrens durch die schwedische Justiz zu betreiben. Das Gericht wird bis zum nächsten Prozesstag am kommenden Dienstag darüber zu befinden haben.

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