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Langer Weg zum neuen Bahnhof

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Der Anbau am Bahnhof soll nun doch erhalten bleiben. Über die künftige Dachform muss noch entschieden werden. Schöppner
Der Anbau am Bahnhof soll nun doch erhalten bleiben. Über die künftige Dachform muss noch entschieden werden. Schöppner © Boris Schöppner

Bauherr ist von Politik abhängig und vermisst Planungssicherheit

KRONBERG - Ein Baudenkmal zu erwerben, um es zu sanieren, ist eine Aufgabe, die beinahe wöchentlich neue Herausforderungen mit sich bringt. Das gilt insbesondere bei einem Objekt, bei dem auch die Deutsche Bahn ein gewichtiges Wörtchen mitredet. All das wusste Bauherr Frederik Roth, als er den maroden Kronberger Bahnhof erwarb. Aber obwohl er immer wieder neue Lösungen finden muss, weil sich Masten nicht versetzen lassen oder Stromkabel in seiner Immobilie nicht gekappt werden dürfen, so macht ihm das Mammutprojekt immer noch Spaß.

Weniger Spaß hat er daran, dass noch wichtige Entscheidungen der Kronberger Politik rund um den Bahnhof ausstehen. „Mir fehlt Planungssicherheit“, sagt Roth, der seine Auffassung auf eine Plane gedruckt hat, die er am Bahnhofsgebäude befestigt hat. „Gebt dem Bahnhof eine Chance. Ohne Bike & Ride- und Park & Ride-Plätze geht es nicht!“, ist darauf zu lesen. Nachts wird das Transparent sogar angestrahlt.

Der Bauherr, der das historische Bahnhofsgebäude saniert, möchte eine Aussage zu der Anzahl der Parkplätze, um diese Information auch an interessierte Pächter weitergeben zu können. Auch eine verbindliche Aussage zum Standort der 13 Parkplätze, die die Stellplatzsatzung vorschreibt, hätte er gerne. „Ich bin auf der Zeitlinie viel weiter als die Stadt“, sagt er. „Die Stadt muss auch liefern.“

Nachdem die Dacharbeiten beendet sind, soll es jetzt an den Keller gehen. Zuvor aber müssten die Kanalrohre vor dem Gebäude ausgetauscht werden. Das wäre sinnvollerweise dann erfolgt, wenn die Straße ohnehin aufgerissen wird. Doch bei der Umsetzung der Pläne zur Umfeld- und Platzgestaltung und den Plänen für den Zentralen Busbahnhof sowie die Bike & Ride-Anlage im gegenüberliegenden Hang komme es wegen Störfeuern aus der Politik zu immer neuen Verzögerungen. „Mir fehlt das Big Picture“, beklagt sich Roth.

Viel Zeit und Energie habe es gekostet, um herauszufinden, welche noch ausstehenden Entscheidungen sein Konzept tangieren. Dabei ist Roth sich sicher, dass es in der Bevölkerung ein großes Interesse an dem Projekt gibt. Doch er vermisst die Unterstützung vor allem durch die Fraktion der KfB, die sich einst für sein Konzept und gegen das des Mitbewerbers Konstantin Kovarbasic entschieden habe.

Anbau bleibt nun doch erhalten

Noch in der Bearbeitung ist sein Bauantrag, den er ausgerechnet am 24. Februar 2022 gestellt hatte, dem Tag, an dem der Ukraine-Krieg anfing. Der Grund: Die Abteilung für Sonderbauten bei der Bauaufsicht sei wegen der Unterbringung von Flüchtlingen an ihre Kapazitätsgrenzen gekommen.

Jetzt muss Roth auch noch seine Pläne modifizieren und Abstand von der Idee nehmen, den Anbau, der derzeit von den Busfahrern als Sozialraum genutzt werd, durch einen modernen Anbau zu ersetzen, wie es schon mit dem Denkmalamt besprochen war. Der Grund: Eine Unterkellerung ist wegen der Elektrik darunter nicht möglich. „Da will kein Bauunternehmen ran; die befürchten Schadensansprüche von der Bahn“, erläutert Roth, und räumt ein: „Das Risiko habe ich unterschätzt.“

Nun also wird mit dem bestehenden Anbau geplant. Vor allem die Dachform muss mit dem Denkmalamt abgestimmt werden. Roth sieht in der „Lösung im Bestand“ sogar ein paar Vorteile: Die Nutzung des 1967 errichteten Anbaus passe gut in das Konzept der Zeit-Collagen, und für den Bäcker gibt es mehr Platz.

Ein großes Problem, das seine Arbeiten im Haus behindert hatte, ist mittlerweile gelöst: Der Strom der Bahn für die Fahrgastinformationsanzeige kommt jetzt nicht mehr aus dem Bahnhofsgebäude, so dass Roth jetzt den Strom abklemmen und mit Baustrom arbeiten kann. Derzeit wird in den Wohnungen im ersten Stock der Putz entfernt, um Schimmelbildung zu vermeiden. Anschließend sollen die Leitungen neu verlegt werden. Zwischenzeitlich kommen dann auch die Fenster rein, und danach können die Wände wieder verputzt werden.

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