Der Angeklagte wurde von einem Schöffengericht des Amtsgerichts Darmstadt verurteilt.
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Der Angeklagte wurde von einem Schöffengericht des Amtsgerichts Darmstadt verurteilt.

Justiz

Langen: Erst einen Juden am Bahnhof übel beleidigt, dann Zeugen brutal verprügelt

  • Jens Joachim
    vonJens Joachim
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Ein 28-Jähriger wird nach einer Attacke wegen gefährlicher Körperverletzung zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt. Der dunkelhäutige Täter wurde auch selbst rassistisch beleidigt.

Weil er Ende Januar vorigen Jahres am Bahnhof in Langen einen heute 49-Jährigen krankenhausreif geschlagen hat, ist ein 28-Jähriger aus Langen am Montag vom Amtsgericht Darmstadt zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt worden. Laut dem Vorsitzenden Richter Mathias Siebertz hat sich der in Kamerun geborene Deutsche der gefährlichen Körperverletzung schuldig gemacht. Ein bestehender Haftbefehl wurde allerdings außer Vollzug gesetzt, weil der Mann bereits bis Ende Juni 2019 mehr als fünf Monate lang in Untersuchungshaft gesessen hatte.

Die Staatsanwaltschaft hatte den Mann angeklagt, nachdem er am 23. Januar 2019 auf dem Langener Bahnhofsgelände als Pöbler und Schläger aufgefallen war. Zunächst hatte er einen bislang unbekannten Mann, bei dem es sich um einen gläubigen Juden oder auch einen jüdischen Geistlichen gehandelt haben könnte, als „Scheiß Jude“ und „Hurensohn“ beleidigt. Nach Erkenntnissen der Darmstädter Staatsanwaltschaft kamen dem Juden mehrere Zeugen zu Hilfe, woraufhin der Angeklagte von dem Mann abließ und sich entfernte. Vor Gericht sagte der geständige Vater von zwei Kindern aus, ein Gespräch mit dem Rabbi sei „ein bisschen ausgeartet“, nachdem man sich „über Gott und die Welt unterhalten“ habe.

Ein Zeuge, der dem mutmaßlichen Rabbi ebenfalls helfen wollte, verständigte die Polizei, fotografierte den rassistischen Pöbler mit seinem Mobiltelefon und hielt dem dunkelhäutigen Mann vor, er solle „dort hingehen, wo er hergekommen ist“. Daraufhin schlug der Pöbler den Zeugen mit voller Wucht nieder. Zeugen schilderten vor Gericht, der Täter, bei dem später ein Alkoholwert von mehr als 2,8 Promille festgestellt wurde, habe dem Zeugen mehrfach mit der Faust gegen den Kopf geschlagen und diesen auch getreten. Der Mann erlitt durch den Angriff mehrere Knochenbrüche im Gesicht und an der Hand. Zudem zerbrach seine Brille, wodurch er am Auge verletzt wurde.

Langen: Nach übler Pöbelei gegen Juden wird der Täter selbst beleidigt

Richter Siebertz hielt in seiner Urteilsbegründung auch dem Zeugen und Nebenkläger vor, sich „unanständig verhalten“ zu haben, in dem er sich rassistisch geäußert habe. Manfred Döring, der Anwalt des Angeklagten, forderte eine höchstens einjährige Bewährungsstrafe. Staatsanwalt Thomas Betten plädierte für eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten. Und Jürgen Rath, der Anwalt des Nebenklägers, forderte, den Angeklagten zu einer zweieinhalbjährigen Freiheitsstrafe zu verurteilen.

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