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Landwirte klagen über Biker

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Wie hier nahe der U-Bahn-Haltestelle Weißkirchen Ost führen viele Radwege über Feldwege, die ursprünglich nur Wirtschaftswege für Landwirte waren. Pieren
Wie hier nahe der U-Bahn-Haltestelle Weißkirchen Ost führen viele Radwege über Feldwege, die ursprünglich nur Wirtschaftswege für Landwirte waren. Pieren © pieren

OBERURSEL Große Bedenken wegen des Radverkehrskonzepts in der Bauernschaft

Das Projekt des Hochtaunuskreises gilt als zukunftsweisend und zeitgemäß. Nach langer und intensiver Vorarbeit hat der Landkreis Anfang des Jahres ein kreisübergreifendes Radverkehrskonzept vorgestellt. Es zeigt die Radwege, die die 13 Städte und Kommunen sowie deren Stadt- und Ortsteile miteinander verbinden, und wurde im Kreistag verabschiedet.

"Es sollen im Hochtaunuskreis fast überall Fahrradwege auf bisher ausschließlich ausgewiesenen landwirtschaftlichen Feldwegen entstehen", schreiben die Oberurseler Ortslandwirte nun in einem Protestbrief an die Oberurseler Stadtpolitik sowie die Entscheider und politischen Gremien im Landkreis. "Auch sogenannte Radschnellwege sollen entstehen." Als direkt betroffene Landwirte haben sich Jörg Steden (Oberursel), Michael Braun (Bommersheim), Johann-Georg Kofler (Oberstedten), Timo Steinbach (Stierstadt) und Richard Bickert (Weißkirchen) die geplanten neuen ausgewiesenen Radwege in besagten Detailkarten im Internet genau angeschaut.

Schnell wurden angesichts der nun vorgesehenen vermehrten Einbindung weiterer Feldwirtschaftswege sich verschärfende Konfliktpotentiale zwischen Radfahrern und Landwirten ausgemacht. "Wir waren mit der Stadt Oberursel im Gespräch", so die fünf Landwirte. "Doch hat man sich seitens der Stadt an die seinerzeit geäußerte Zusicherung, uns Landwirte beim weiteren Vorgehen in den Planungsprozess mit einzubinden, wenig bis gar nicht mehr gehalten."

Durch den stetig wachsenden Fahrrad-Boom erlebten die Landwirte aber täglich mehr Radfahrer aller Art, vor allem schwere und schnelle E-Bikes und Rennradfahrer, "die Feldwege als eine Art Rennstrecke verstehen und sich völlig unangemessen verhalten". Felder seien nun einmal der Arbeitsplatz von Landwirten. Sie kümmerten sich durch die Feldwirtschaft auch um den Erhalt der Kulturlandschaft, weshalb es für sie sehr wichtig sei, die Ländereien vor den Toren der Brunnenstadt nicht nur mit landwirtschaftlichen Maschinen, sondern auch per Auto zu erreichen.

Beschimpfungen

und Drohungen

"Gerade auf befestigten Feldwegen kommt es aber mit Radfahrern zunehmend zu provokanten und verbalen Auseinandersetzungen", stellen die Ortslandwirte mit großer Ernüchterung fest. "Diese werden leider immer aggressiver geführt." Die Fahrt zum Arbeitsplatz Feld mache keine Freude mehr, weil man sich täglich Beschimpfungen und zunehmend auch handfesten Drohungen ausgesetzt sehe. Die Landwirte sind sich des Hauptproblems bewusst: Mit ihren schweren breiten Maschinen können sie nicht einfach Radfahrer oder Passanten überholen. "Natürlich wollen wir niemanden gefährden", so die Landwirte. "Fahrradfahrer betrachten die Feldwege aber längst als ihren Weg, den sie durch provokante Fahrweise meinen, verteidigen zu müssen."

Tatsächlich aber hinderten solche Radfahrer die Landwirte daran, ihren Beruf auszuüben und ihre Arbeit, die Herstellung hochwertiger Nahrungsmittel, zu verrichten. Weiteres Konfliktpotenzial gehe von der "Auffassung besagter Freizeitaktivisten" aus, dass der durch Landwirte entstehende Schmutz auf den Feldwegen zur Gefahr für Velofahrer werde.

Seitens der Behörden sei den Landwirten nach eigenen Angaben offenbar geraten worden, nach den täglichen Fahrten in Feld und Flur eine Kehrmaschine einzusetzen. "Das würde aber einen immens hohen weiteren Arbeits-, Personal- und Maschinenkostenanteil bedeuten. Das bezahlt uns niemand", so die Landwirte. "In der Forstwirtschaft ist so etwas ebenfalls nicht üblich und auch nicht umsetzbar." Der Gegenvorschlag der Ortslandwirte: "Wir lassen Feldwege wieder Feldwege sein und landwirtschaftliche Hauptwege zur Abfuhr und Einsaat von Erntegütern bleiben ausschließlich Feldwege. Radwegetrassen, insbesondere Radschnellwege, müssen neu gebaut werden." Eine Rückwandlung der befestigten Feldwege in Wirtschaftswege mit Unterbau und Naturaufwuchs stelle aus Sicht der Landwirte kein Problem dar.

Die rechtliche Situation in, um und auf Rad(schnell)wegen in der Feldgemarkung solle dringend auch seitens der Bundesregierung geklärt werden. Zudem greifen die fünf Ortslandwirte einen Lösungsvorschlag von ADAC und AvD auf, der eine Kennzeichnungspflicht auch für Fahrräder zur polizeilichen Ermittlung des Halters beziehungsweise Fahrers vorsieht. Selbst für Reitpferde gelte eine Kennzeichnungspflicht.

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