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Nancy Faeser (SPD) soll Innenministerin werden.

Landtagswahl - Main-Taunus I

Nancy Faeser (SPD): Der zweite Anlauf

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Die SPD-Kandidatin Nancy Faeser ist erneut für ein Ministeramt im Landtag vorgesehen. Hessen-SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel möchte, dass sie bei einem Wahlsieg Innenministerin wird.

Die SPD-Kandidatin Nancy Faeser ist erneut für ein Ministeramt im Landtag vorgesehen. Hessen-SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel möchte, dass sie bei einem Wahlsieg Innenministerin wird.

Vor fünf Jahren war es fast schon so weit: Als hessische Justizministerin war Nancy Faeser in Andrea Ypsilantis Zukunftsteam vorgesehen. Und wären nicht die vier Abweichler in der SPD gewesen, die einer Regierungsübernahme mit Hilfe der Linkspartei nicht zustimmen wollten, säße die Sozialdemokratin heute auf dem Sessel, den seit den Landtagswahlen 2009 FDP-Mann Jörg-Uwe Hahn innehat.

Jetzt nimmt Faeser zum zweiten Mal Anlauf, um Mitglied der Regierungsmannschaft zu werden. Als künftige Innenministerin hat Hessen-SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel die Juristin, die in einer Frankfurter Anwaltskanzlei arbeitet, bereits vorgestellt. Faeser freut sich. „Ich will endlich in diesem Land etwas politisch gestalten können“, sagt die 43-Jährige. Sie ist überzeugt: „Wir haben eine Chance, den Regierungswechsel herbeizuführen.“

Die Schwalbacherin, die seit zehn Jahren Landtagsabgeordnete für die SPD ist, seit 20 Jahren im Main-Taunus-Kreisparlament sitzt und in ihrer Heimatstadt, in der ihr Vater Horst Faeser einst Bürgermeister war, die SPD auch im Stadtparlament vertritt, kandidiert im Wahlkreis Main-Taunus I. Dass sie dort das Direktmandat holt, hält Faeser für eher unwahrscheinlich. Auch wenn ihr Kontrahent anders als bei den letzten beiden Wahlgängen nicht mehr Roland Koch heißt, habe die SPD im konservativ geprägten Ostkreis keinen leichten Stand, sagt sie. Mit einem Stimmenanteil von um die 30 Prozent wäre Nancy Faeser schon zufrieden. Auf der Landesliste der SPD steht sie hinter Spitzenkandidat Schäfer-Gümbel an zweiter Stelle. Der Einzug in den Landtag ist ihr also ohnehin sicher.

Wahlkampf macht die Sozialdemokratin trotzdem. Und das nicht zu knapp. Bis zum Urnengang am 22. September bleibt ihr kaum ein freier Tag. Als privaten Termin hatte sie lediglich das Fußballspiel zwischen Eintracht Frankfurt und Borussia Dortmund in ihrem Kalender stehen. Der Spagat zwischen dem Werben um Stimmen im Wahlkreis und im Land sei enorm, sagt Faeser. Zwei Wochen Urlaub gönnte sie sich im Juli und traf auf Mallorca unerwartet Roland Koch. „Ich hätte ihn kaum erkannt mit Baseballkappe und Sonnenbrille“, sagt Faeser und lacht.

„Haben Sie Angst vor dieser Frau?“ fragte die Bild-Zeitung schon zwei Mal führende CDU-Politiker im Land. Nancy Faeser hat die Ausschnitte in ihrem Büro hängen. Innenminister Boris Rhein zählte noch nicht zu den Befragten, auch wenn sich Faeser als innenpolitische Sprecherin der SPD mit ihm schon heftige Wortgefechte geliefert hat. Als potenzielle Nachfolgerin Rheins hat sie bereits Pläne, wie etwa die Arbeitsbedingungen bei der Hessischen Polizei verbessert werden sollen – durch Abschaffung der 42-Stunden-Woche, Aufstockung des Personals und Erhöhung der Erschwerniszulage. Als landespolitische Themen, die ihr besonders am Herzen liegen, nennt sie außerdem die Abschaffung der verkürzten Gymnasialzeit G8. „Wir wollen Ruhe in die Schulen bringen und erst mal nicht weiter an den Strukturen rütteln“, verspricht die Sozialdemokratin.

Mieten brisantes Thema

In ihrem eigenen Wahlkreis sei das Thema hohe Mieten besonders brisant, sagt Nancy Faeser. Für viele mittelständische Familien sei es kaum noch möglich, bezahlbaren Wohnraum im Main-Taunus-Kreis zu finden. „Da ist die Landespolitik gefordert, Lösungen zu entwickeln.“ Einsetzen will sich Faeser auch dafür, dass die Kreiskliniken in kommunaler Trägerschaft erhalten bleiben.

Bleibt noch das Thema Flughafen – brisant im westlichen Main-Taunus-Kreis und weniger in Faesers Wahlkreis im Osten. Die Sozialdemokratin positioniert sich dennoch. Mit den Bürgerinitiativen hat sie unlängst im Terminal über die Lärmbelastung diskutiert. Dass die Landebahn geschlossen werde, wolle sie niemandem versprechen. „Das wäre unredlich, weil juristisch kaum machbar“, sagt Faeser. Lärmobergrenzen müsse es jedoch geben, über das Terminal III müsse neu verhandelt werden, generell ein Dialog zum Flughafenausbau in Gang kommen. Auch, wenn es nichts mehr bringt, betont Nancy Faeser doch immer noch: „Ich war eine von zwei SPD-Abgeordneten, die damals gegen den Bau der Nordwestlandebahn gestimmt haben.“

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