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Erst Cappuccino, dann Eis: Boris Rhein im Café.

Landtagswahl - Frankfurt VI

Boris Rhein (CDU) - Mann des Glaubens

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Boris Rhein (CDU) legt eine steile Karriere hin - bis zur Niederlage bei der OB-Wahl am 25. März 2012. Der aus einem sozialdemokratischen Elternhaus stammende Politiker nimmt die Rolle des streng Konservativen ein.

Boris Rhein (CDU) legt eine steile Karriere hin - bis zur Niederlage bei der OB-Wahl am 25. März 2012. Der aus einem sozialdemokratischen Elternhaus stammende Politiker nimmt die Rolle des streng Konservativen ein.

Am Anfang verzichtet der Minister auf sein Lieblingseis. Obwohl es ihm schwerfällt. Dieser Becher mit Maronen, etwas Rum und Sahne dazu, hat es Boris Rhein angetan. Doch der CDU-Politiker will, wenn der Wahlkampf erst einmal wieder vorbei ist, „fünf bis sieben Kilo abnehmen“. Die hat er zugelegt, obwohl sein Terminkalender jeden Morgen mit 45 Minuten Jogging beginnt. „Ich esse einfach zu gerne.“ Doch jetzt belässt er es in seinem Stamm-Eiscafé im Norden der Stadt, in Blickweite seines Wohnhauses, bei einem Cappuccino.

Sozialdemokratisches Elternhaus

Wer die Karriere des heute 41-Jährigen über das zurückliegende Vierteljahrhundert verfolgt hat, muss sagen: Er ist sich treu geblieben. Als 15-Jähriger war er in die Junge Union eingetreten: „Die SPD war für mich schon damals definitiv ausgeschlossen – die ist einfach keine zukunftsgestaltende Partei.“ Und das, obwohl er aus einem sozialdemokratischen Elternhaus stammte: Sein Vater Peter, jetzt gerade 80 Jahre alt geworden, arbeitete lange als SPD-Gesundheits- und Sozialdezernent in Frankfurt. Erst später trat auch er in die CDU ein.

Bis heute debattiert der Sohn mit dem Vater, dem älteren Bruder und der älteren Schwester über Politik – und es gibt „geräuschvolle Auseinandersetzungen“. Früh schon entschied sich Boris Rhein für die Rolle des streng Konservativen – und füllte sie konsequent aus: „Ich musste für mich eine Nische finden, um aufzufallen – und die habe ich gefunden.“ Als junger CDU-Mann habe er „Dinge prägnanter formuliert, die ich heute differenzierter ausdrücken würde“.

Rhein lächelt bei solchen Sätzen sein schönstes Politiker-Lächeln, das die Fotografen lieben und das ihm noch immer etwas Lausbubenhaftes gibt. Die Botschaft, die der Minister aussenden möchte, ist klar: „Ein Rechter bin ich nicht.“

Wer dann freilich ins Detail geht, stößt doch auf beinharte Positionen. Der Katholik Rhein tritt für das Zölibat ein, obwohl er weiß, „dass junge Priester immer weniger bereit sind, sich ausschließlich Gott zu verpflichten“. Seine Ehefrau, „die eher der Kirche von unten zuneigt“, sei da ganz anderer Meinung. Der Minister verteidigt auch den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst, dem seine Kritiker Verschwendung und undemokratisches Verhalten vorwerfen. „Der Bischof wird in vielen Punkten ungerecht behandelt – er ist ein kluger und engagierter Christ.“ Von wegen maßlose Bauwerke: „Auch die Kirche muss repräsentieren.“

Der Katholik zögert bei der Frage, was seinen Glauben ausmacht, und sagt dann: „Ich glaube an jemanden, der unsere Welt zusammenhält.“ Der Politiker gibt zu, dass er in der Auseinandersetzung mit seinen Gegnern manchmal überzieht: „Ich würde mich dann am liebsten entschuldigen – ich bereue das so, wie ich einen Streit mit meiner Frau und meinen Kindern bereue.“

Bruch in der Karriere

War das jetzt zu viel Weichspüler? Der Minister scheint über sich selbst irritiert. Rasch schiebt er einige kernige Sätze nach. So wie: „Innere Sicherheit ist für mich prioritär.“ Eines hat die Selbstgewissheit des CDU-Mannes allerdings nachhaltig erschüttert: seine Niederlage bei der OB-Wahl am 25. März 2012. Es war der erste Bruch in einer vorher schier unaufhaltsamen Karriere. „Daran musste ich knapsen“, sagt er nachdenklich. Und fügt hinzu: „Ich trage die Verantwortung ohne Wenn und Aber.“ Allerdings habe ihn und die CDU damals „das Thema Fluglärm kalt erwischt“. Den Protest gegen die neue Landebahn des Flughafens habe man „in der Dimension unterschätzt“.

Sohn Bruno (10) kommt aus der Schule und ist baff erstaunt, dass sein Vater mittags vor der Eisdiele sitzt. Rhein gönnt sich jetzt doch noch eine Tüte – mit einer Kugel Eis.

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