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Auch "Die Partei" macht Werbung im Wahlkreis 44, hier in Dreieich. Einen Direktkandidaten stellen sie aber nicht.

Landtagswahl - Wahlkreis Offenbach Land I (44)

Auch die Kleinen kämpfen

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Die Direktkandidaten von Freien Wählern, Piraten und AfD im Wahlkreis Offenbach Land I sind optimistisch. Neben ihrem Optimismus haben sie gemeinsam, dass sie noch nie vorher bei einer Landtagswahl angetreten sind und dass sie auf kommunaler Ebene kein Mandat haben.

Einen Direktkandidaten für die Landtagswahl am 22. September aufzustellen, ist für die fünf im Hessischen Landtag vertretenen Parteien natürlich selbstverständlich: Doch die kleineren Parteien, die auf dem Wahlzettel weiter unten stehen, schaffen das nicht unbedingt. Im Wahlkreis 44, der den Westen des Kreises Offenbach umfasst, haben aber zumindest die Piratenpartei, die Alternative für Deutschland (AfD) und die Freien Wähler das geschafft.

Alle drei Kandidaten haben – bei allem Trennenden – neben ihrem Optimismus eines gemeinsam: Sie sind noch nie vorher bei einer Landtagswahl angetreten, sie sind alle vergleichsweise kurz dabei, und sie haben auch auf kommunaler Ebene bisher kein Mandat. Hartmut Honka (CDU), Lisa Süß (Grüne) und Natascha Bingenheimer (Linke) hingegen sitzen in der Stadtverordnetenversammlung in Dreieich, Corrado Di Benedetto (SPD) im Mühlheimer Stadtparlament, und Axel Vogt (FDP) ist Gemeindevertreter in Egelsbach.

Kevin Culina (Piraten) wäre mit 21 Jahren der jüngste Landtagsabgeordnete, falls die Partei die Fünf-Prozent-Hürde überspringen würde. Auf der Landesliste steht der Soziologiestudent aus Dreieich auf Platz sieben. Seit 2009 ist er Mitglied der Piraten. „Wir sind zu viel mit Streitereien ums Führungspersonal und zu wenig mit unseren Programmen in der Presse“, sagt er. „Das bekommen wir häufig an den Infoständen zu hören.“

Längst nicht alles dreht sich bei der Partei um Computer und Internet. Abschaffung des Verfassungsschutzes fordert die Partei. Der Kampf gegen Rassismus, Sexismus und Homophobie ist Culina besonders wichtig. Einer seiner Schwerpunkte ist die Asylpolitik, er hat auch am Bundesprogramm der Piraten mitgeschrieben.

Michael Krehling (Freie Wähler) aus Neu-Isenburg ist erst 2011 Mitglied der Freien Wähler geworden – zwei Jahre später ist er nun der Direktkandidat mit Platz 11 auf der Landesliste. „Kommunal sind die Freien Wähler stark in Hessen“, sagt er. „Wir haben 1400 bis 1500 kommunale Mandate. Das ist ein schlafender Riese. Viele Entscheidungen im Land schlagen auf die Kommunen durch. Man muss die Bürger viel früher einbeziehen.“ Als Motivation für sein politisches Engagement nennt der 44 Jahre alte Unternehmensberater seine kleine Tochter.

„Ich sehe große Veränderungen auf uns zurollen“, sagt er. „Die Kinder, die jetzt eingeschult werden, werden einmal Berufe lernen, die wir noch gar nicht kennen.“ An den Freien Wählern schätzt er „Lösungen ohne Dogmen“. Das treffe die Erwartungen der Bürger.

Arno Groß (AfD) ist „kein Politprofi“, wie er selbst sagt. Die neu gegründete Partei ist die erste, in der er Mitglied wurde. Ein halbes Jahr ist das nun her. Auf der Landesliste steht er nicht. „Die alten Parteien haben vollkommen den Überblick verloren“, sagt der 63 Jahre alte Neu-Isenburger, der im Vorruhestand ist. Aufgerüttelt haben ihn „Euro-Krise, Rettungspakete und leere Versprechungen“. Er fordert weniger Macht für Brüssel, mehr direkte Demokratie durch Volksabstimmungen nach Schweizer Vorbild und ein Integrationsprogramm nach kanadischem Vorbild. „Wir sollten schon schauen, wer zu uns kommt“, sagt er. Viel Zuspruch habe er an seinen Wahlständen erhalten, sagt er. „Die Medien versuchen leider, wenig über uns zu berichten. Wir werden totgeschwiegen.“

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