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Demnächst vielleicht Wirtschaftsminister? Tarek Al-Wazir, Spitzenkandidat der Grünen.

Landtagswahl Offenbach-Stadt

Al-Wazir (Grüne): Offenbach muss hip werden

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Der Offenbacher Tarek Al-Wazir ist der Spitzenkandidat der Grünen und möchte Wirtschaftsminister werden. Er glaubt an seine Heimatstadt und ihre Entwicklung zum Besseren.

Offenbach und Tarek Al-Wazir, das gehört zusammen. Nicht nur, weil der Grünen-Spitzenkandidat mit den Ambitionen zum hessischen Wirtschaftsminister in Offenbach geboren ist und noch immer dort mit Frau und zwei Kindern wohnt. Seine politischen Überzeugungen hätten viel mit der Stadt zu tun, erzählt der Politologe, der noch nie etwas anderes arbeitete als Berufspolitiker.

Was der industrielle Strukturwandel bedeute, ließe sich an keiner Stadt so gut erklären wie an Offenbach. Ebenso, wieso sozialer Zusammenhalt so wichtig sei und Integration, und was es heiße, mit Fluglärm zu leben. Kurzum, wie Probleme entstehen und Lösungen gelingen, dafür stehe Offenbach. „Ich mache zwar Politik fürs ganze Land“, sagt der Grünen-Politiker Al-Wazir, „aber viele meiner Forderungen würden dort überproportional helfen.“

Etwa der Mindestlohn, für den er sich bereits 2005 eingesetzt habe, als die Gewerkschaft das Thema noch nicht auf dem Schirm hatte. In der Stadt ließe sich beobachten, dass trotz gesunkener Arbeitslosigkeit die Zahl der Hilfeempfänger kaum abnimmt, weil etliche Menschen zu wenig verdienten. „Das ist nicht abstrakt, ich sehe das hier“, sagt er.

Mehr Kreative in der Stadt

Der 42-Jährige glaubt an seine Stadt und ihre Entwicklung zum Besseren, insbesondere zur Kreativstadt. Was sich alleine im Nordend getan hat, fasziniert ihn besonders: Am Goetheplatz das afip (Akademie für interdisziplinäre Prozesse), wo Künstler gesellschaftliche Utopien umzusetzen versuchen, einige Ateliers sich niederließen und der Hafen 2 im Nordring, der funktioniere auch besser als am alten Standort.

Für Al-Wazir steht daher fest, dass Offenbach weiterhin auf die Kreativwirtschaft setzen soll. Die Kreativen zahlten vielleicht nicht viel Steuern, aber sie schafften eine gute Stimmung. „Die Leute sollen sagen: Da schau her. Offenbach muss hip werden“, sagt er. Und in gewisser Weise ist es das bereits. Die in Offenbach entwickelte Planstation, eine Anlaufstelle für die Kreativwirtschaft, etwa solle in ganz Hessen übernommen werden, teilt Al-Wazir, der seit 1995 im Landtag ist, mit. 75 Unternehmen wurden dort in drei Jahren unterstützt mit 50 000 Euro.

Deshalb kritisiert Al-Wazir vehement die jetzige schwarz-gelbe Regierung, die 271 Millionen Euro in den Kassel-Caldener Flughafen steckte, wo keiner fliegt. „Was hätte man mit dem Geld alles anschieben können“, sagt Tarek Al-Wazir. Menschen mit Ideen bräuchten einen stärkeren Zugang zu Gründungskapital. „Die Umstrukturierung der Förderpolitik wird zu einem Schub für Offenbach führen“, sagt er. Zudem hätte Al-Wazir gerne eine Außenstelle einer Fachhochschule in der Stadt. Er wäre kein Grüner, wenn er sich nicht für regenerative Energien einsetzte. Die Offenbach Energieversorgung EVO sollte außer den Windrädern in Rheinland-Pfalz auch Windräder in Offenbachs Nähe haben, etwa in der Wetterau oder im Taunus.

„Es ist kein Zufall, dass auf dem leergeräumten Allessa-Gelände schon Holzpellets produziert werden“, sagt er, auf dem Schneckenberg eine große Solaranlage stehe und die Solaranlage auf dem Kickersstadion die siebtgrößte in der Bundesrepublik sei. Der grüne Kurs der EVO macht ihn irgendwie stolz. Er hat ihn mit auf den Weg gebracht.

„Politik kann sehr wohl etwas verändern“, sagt er als Antwort auf die Leute, die meinten, die da oben könnten doch nichts bewegen. Al-Wazir ist ein leidenschaftlicher Politiker. „Mit Willen und Mehrheiten schaffen wir es auch, Leute zu begeistern.“ Al-Wazir denkt nur an Sieg.

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