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Tausende demonstrieren beim CSD für ihre Rechte als homosexuelle Menschen.

Homosexualität

Landtag will „Umpolung“ von Homosexuellen stoppen

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Hessens Parlament warnt vor den Gefahren von Konversionstherapien für Homosexuelle.

Der Hessische Landtag hat sich ohne Gegenstimmen für ein Verbot der vorgeblichen Therapien selbsternannter „Homoheiler“ ausgesprochen. Sie seien „gesundheitsgefährdend“, warnte Sozialminister Kai Klose (Grüne) und bezog sich auf die Einschätzung psychologischer Fachverbände und der Bundesärztekammer.

Mehrere Abgeordnete berichteten, dass die sogenannte Umpolungs- oder Konversionstherapie mit Gesprächstherapie und teilweise mit Elektroschocks arbeite. In jedem Fall würden junge Menschen, die sich auf der Suche nach ihrer sexuellen Identität befänden, psychisch massiv beeinträchtigt. Dabei werde Feindlichkeit gegen Homo- und Transsexuelle „nicht selten religiös verbrämt“, sagte Minister Klose.

Die Konversionstherapie sei „brandgefährlich“, mahnte der Grünen-Abgeordnete Felix Martin. Wer solche Behandlungen zulasse, nehme „sogar Suizidversuche billigend in Kauf“.

Minister Klose hatte eine Bundesrats-Initiative der Landesregierung zum Verbot der Konversionstherapie vorgestellt. Der Landtag zeigte sich weitgehend einig darin, ihn zu unterstützen. „In den Vorjahren sah das in Teilen der CDU noch anders aus“, erinnerte die SPD-Gesundheitspolitikerin Daniela Sommer. Es sei „gut, wenn das nun endgültig der Vergangenheit angehört“.

Die FDP-Abgeordnete Wiebke Knell sprach von einer „Verletzung der Menschenrechte“ durch die Therapie. Sie prangerte an, dass Umpolungstherapien in mehreren Hundert Fällen sogar von den Krankenkassen bezahlt worden seien.

CDU-Fraktionsvize Ralf-Norbert Bartelt betonte, eine Honorierung müsse rechtlich ausgeschlossen werden. Der Linken-Politiker Ulrich Wilken wies darauf hin, dass nicht alle derartigen Therapien öffentlich bekannt würden. Manche Hausärzte und Therapeuten wollten Patienten „eine homosexuelle Lebensweise ausreden“. Die einschlägigen Therapien erinnerten ihn „an die Zeiten, da Hexen verbrannt und Teufel ausgetrieben werden sollten“, sagte Wilken.

Auch die AfD bezog mehrheitlich Position gegen die Konversionstherapie. Ihr Sozialpolitiker Volker Richter äußerte die Hoffnung, „dass sie in Deutschland endlich der Vergangenheit angehört“. Solche Therapien seien gefährlich für die Persönlichkeitsentwicklung. Die sexuelle Orientierung sei „selbstverständlich Teil des Persönlichkeitsrechts, das unter besonderem Schutz des Staates steht“, sagte der AfD-Abgeordnete.

Am Ende der Debatte wurde über einen Antrag von CDU und Grünen abgestimmt. Dem Satz, „dass Homosexualität keine Krankheit und deshalb auch nicht behandlungsbedürftig ist“, stimmten alle Abgeordneten zu mit Ausnahme von zwei AfD-Vertretern, die sich enthielten. Bei der Passage, die ein Verbot der Konversionstherapie fordert, gab es ein Ja von CDU, Grünen, SPD, FDP und Linken. Die AfD-Fraktion enthielt sich hier.

Bund und Land 

Im Bundesrat startet die Hessische Landesregierung eine Initiative zum Verbot von Konversionstherapien. Am 12. April bringt sie ihren Antrag ein. Berlin, Bremen, das Saarland und Schleswig-Holstein schließen sich an. Weitere Bundesländer haben Zustimmung signalisiert.

Bundesgesundheitsminister

Jens Spahn (CDU) hat eine ähnliche Initiative angekündigt.

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