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Was die künftigen Lehrkräfte in Hessen lernen sollen

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Von: Peter Hanack

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Die Anforderungen an Schule ist während Corona stark gestiegen. Damit Lehrkräfte da mithalten können, sollen sie in Hessen künftig anders ausgebildet werden.
Die Anforderungen an Schule ist während Corona stark gestiegen. Damit Lehrkräfte da mithalten können, sollen sie in Hessen künftig anders ausgebildet werden. © Julian Stratenschulte/dpa

Fachleute beraten den Landtag zum neuen Lehrerbildungsgesetz, das nicht mehr so heißen soll. Ein Streitpunkt ist die Studiendauer.

Das hessische Lehrerbildungsgesetz soll erneuert werden. Und gleich einen neuen – gendergerechten – Namen bekommen: hessisches Lehrkräftebildungsgesetz. Am Mittwoch gab es dazu im Landtag eine Anhörung. Deutlich wurde: Die Anforderungen an das, was Schule leisten soll, sind immens und recht verschieden.

Corona hat gezeigt: Schule ist noch viel wichtiger, als dies bislang vielen bewusst war. Die Krise hat aber auch deutlich gemacht, dass sich vieles ändern muss, damit Schulbildung auch künftig junge Menschen gut auf Leben und Beruf vorbereiten kann.

Vielfalt und Nachhaltigkeit

Im Entwurf der schwarz-grünen Landesregierung zur Novelle des Lehrerbildungsgesetzes werden zuvorderst ausdrücklich Vielfalt, Demokratiebildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung genannt. Zudem sollen verstärkt Querschnittsthemen in der Ausbildung künftiger Lehrkräfte eine größere Rolle spielen. Ausdrücklich geht es dabei um Integration von Schüler:innen nichtdeutscher Muttersprache, Inklusion, Medienbildung, Digitalisierung, sozialpädagogische Förderung, berufliche Orientierung und Ganztagsschule. Ein besonderes Gewicht liegt auf der Bildungssprache Deutsch, die auch Kultusminister Alexander Lorz (CDU) sehr am Herzen liegt.

Das Gesetz

Das Lehrkräftebildungsgesetz muss noch vom Landtag beraten und verabschiedet werden. Es soll im Laufe des Jahres in Kraft treten.

Unterlagen zur Anhörung unter: hessischer-landtag.de/termine pgh

Auf 230 Seiten haben die Fachleute aus 80 verschiedenen Institutionen dazu ihre Stellungnahmen abgegeben. Vonseiten der Wirtschaft kommt vor allem Lob für die Aufwertung der Berufsorientierung in der Lehrkräfteausbildung. Die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) betont zudem die Bedeutung von Medienbildung, Digitalisierung und den Ganztagsausbau. Leider aber bleibe es bei Absichtserklärungen. Es fehle die verbindliche Verankerung.

„Zu wenig Konkretes“

Ähnlich sieht es mit anderen Querschnittsthemen aus. Auch dort ist vielen Fachleuten zu wenig Konkretes im Gesetzentwurf genannt. So moniert die „Initiative Sichere Bildung“ Regelungen, die sich mit der Digitalisierung des Unterrichts und der Vermittlung digitaler Inhalte befassen.

Und das entwicklungspolitische Netzwerk Hessen vermisst ein Fach Globales Lernen. Darin sollten Schüler:innen erfahren können, wie vernetzt das Geschehen in der heutigen Welt ist, und auf diese Weise für eine nachhaltige Entwicklung sensibilisiert werden.

In vielen der zahlreichen Stellungnahmen wurde zudem die Forderung laut, die Studiendauer der verschiedenen Lehrämter (für Grundschulen, Haupt- und Realschulen, Fördersschulen, Gymnasien) anzugleichen und insgesamt zu verlängern. Besonders für die künftigen Grundschullehrkräfte sei dies nötig. Nur so könne die Ausbildung den gestiegenenen Anforderungen genügen.

Sorge vor Leistungsdruck

Die Studierenden, die in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) organisiert sind, gehen von einer Studiendauer von mindestens zehn Semestern aus. Das Grundschullehramt heute umfasst lediglich sieben inklusive Prüfungssemester. Sie fürchten, das neue Lehrkräftebildungsgesetz könne den Leistungsdruck und die Ungleichheit unter den Lehramtsstudierenden verstärken.

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