Gastbeitrag

Verkehrsdrehscheibe bleiben

Von Stefan Schulte, Vorstandsvorsitzender des Flughafenbetreibers Fraport AG.

75 Jahre Hessen sind eine unvergleichliche Erfolgsgeschichte – und doch fühlt sich das Jahr 2020 ein wenig nach „Stunde null“ an. Die Covid-19-Pandemie ist eine Zäsur, die unser Leben massiv verändert. Die uns herausfordert, wie wir es lange nicht erlebt haben.

Mobilität und weltweiter Austausch waren in den vergangenen Jahrzehnten die wichtigsten Treiber für den wirtschaftlichen Erfolg Hessens. Dass auf einmal Grenzen geschlossen werden und das öffentliche Leben praktisch heruntergefahren wird, hätte ich mir noch Anfang des Jahres nicht vorstellen können.

Doch gerade in Zeiten, in denen das Undenkbare passiert, zeigt sich, ob eine Gesellschaft zusammenhält. Ob unser politisches System funktioniert und belastbar ist. Die Politik hat in kürzester Frist Entscheidungen von einem Ausmaß getroffen, über die man in normalen Zeiten jahre- oder jahrzehntelang debattiert hätte. Und der ganz überwiegende Teil der Bevölkerung hat die Maßnahmen unterstützt, auch wenn sie massive Auswirkungen auf das eigene Leben hatten.

Ich wünsche mir, dass wir möglichst viel von diesem positiven Geist mitnehmen in die Welt „nach Corona“. Dass wir auf unseren Stärken aufbauen und mit Entschlossenheit und Mut in die Zukunft schauen.

Die Digitalisierung verändert die Art und Weise, wie wir leben und arbeiten. Sie macht vieles einfacher und schneller. Aber digitale Tools können nicht immer den direkten persönlichen Kontakt ersetzen. Und sie bewegen auch keine Waren von A nach B.

Mit der Lage im Herzen Europas hat Hessen enorm vom Zusammenwachsen des Kontinents und von der weltweiten Globalisierung profitiert. Unsere Rolle als Verkehrsdrehscheibe müssen wir verteidigen und ausbauen, wenn wir unseren Wohlstand und zukunftsfähige Arbeitsplätze erhalten wollen.

Dafür brauchen wir weiterhin eine hervorragende Verkehrsinfrastruktur – nicht nur in der Luft, sondern auch auf der Straße, der Schiene und über die Wasserwege. In diese Infrastruktur müssen wir investieren. Und wir müssen parallel neue, nachhaltige Mobilitätskonzepte entwickeln. Wenn uns das gelingt, können wir die „Erfolgsgeschichte Hessen“ gemeinsam fortschreiben.

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