Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Pendeln per S-Bahn ist besonders attraktiv, wenn sie im Wohnort hält.
+
Pendeln per S-Bahn ist besonders attraktiv, wenn sie im Wohnort hält.

Hessen

Verkehr in Hessen: Die Region will wachsen

  • Jutta Rippegather
    VonJutta Rippegather
    schließen

Design, Angebot und Siedlungsentwicklung sind laut Fachleuten maßgeblich für eine gelungene Verkehrswende. Das Projekt „Großer Frankfurter Bogen“ will das berücksichtigen.

Das Projekt „Großer Frankfurter Bogen“ kommt in Fahrt. 37 Kommunen haben unterzeichnet. Die Idee: die Stadt Frankfurt bei der Suche nach Lösungen für den wachsenden Autoverkehr nicht als Solitär zu begreifen, sondern als Teil des Ballungsraums. Im Fokus stehen all jene Kommunen, die mit S-Bahn oder Regionalbahn in maximal einer halben Stunde vom Hauptbahnhof Frankfurt entfernt liegen. Entlang der Schienenwege soll neuer Wohnraum entstehen statt – wie bislang viel zu oft – auf irgendwelchen Flächen fernab eines akzeptablen Angebots an Öffentlichem Nahverkehr (ÖPNV). Ein Ansatz, von dem auch die Frankfurterinnen und Frankfurter profitieren sollen. Zur Rushhour ist kein Durchkommen in der Stadt.

Ein flotter Weg zur Arbeit oder ins Kino ist aber nicht der alleinige Schlüssel zur Verkehrswende, so der Tenor bei einer Veranstaltung mit internationalen Expertinnen und Experten im House of Logistics and Mobility (HOLM) in Frankfurt. Das Ambiente müsse ansprechend sein, der Fahrgast sei ja kein „Beförderungsfall“. Beim Warten in der „Mobilitätsstation“ sollte er im besten Fall auf dem Weg noch andere Dinge erledigen können. „Er muss sich wertgeschätzt fühlen, sich identifizieren“, sagt Kai Vöckler, Stiftungsprofessor für Kreativität im urbanen Kontext an der Hochschule für Gestaltung (HfG) Offenbach. Pendeln als positives Erlebnis. Vor der HfG-Haustür gibt es dazu ein Projekt: Der S-Bahn-Halt „Offenbach Marktplatz“ - einer von bundesweit 16 sogenannten Zukunftsbahnhöfen.

Nun ist es nicht jeder der 55 Kommunen im Großen Frankfurter Bogen vergönnt, an einem solchen Projekt teilnehmen zu können. Viele von ihnen sind klein, können mit eigenem Personal die neuen Herausforderungen nicht stemmen. Das Land bietet Unterstützung, wenn sie neue Wohnflächen schaffen wollen, sagt Jens Deutschendorf, Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen. 37 Kommunen, sagt er, haben die Vereinbarung zur Zusammenarbeit bislang unterzeichnet.

„Vorbildhaft“ sei dieser Ansatz, meint Axel Priebs, Vizepräsident der Akademie für Raumentwicklung (ARL) in der Leibniz-Gemeinschaft. Siedlungsentwicklung, Verkehr und Gestaltung müssten zusammen gedacht werden. „Ein gutes Referenzprojekt über das Rhein-Main-Gebiet hinaus“, urteilt er, „ein Gesamtkunstwerk.“ Auch andernorts würden neue S-Bahnhöfe geschaffen. Oder tangentielle Verbindungen wie die Regionaltangente West, dem ersten Teil eines Schienenrings um Frankfurt - als Alternative zu dem auf die Metropole zentrierten S-Bahn-Netz. Doch nicht in so großen Dimensionen, sagt Priebs. „Das ist etwas Besonderes.“

Doch im Moment hinkt der Ausbau des Schienenverkehrs dem Siedlungsdruck hinterher. Und neben dem Großen Frankfurter Bogen dürfe nicht vergessen werden, dass das Pendeln auch von anderen Orten aus geschieht, sagt Mario Koschel, parteiloser Bürgermeister von Weilmünster. Als Beispiel führt er die Strecke zwischen Usingen und Saalburg ins Rhein-Main-Gebiet an, wo werktäglich die Blechlawinen rollen. „Die Straße kann man vormittags vergessen“, sagt Koschel, der hofft, dass viele der Autofahrenden nach dem Ausbau der S8 nach Usingen auf die S-Bahn umsteigen. Andreas Weiher, SPD-Bürgermeister von Wächtersbach, schwärmt von dem attraktiven barrierefreien Bahnhof in seiner Stadt, dem „Impulsprojekt alte Stadtmitte“, durch das die Stadt im Main-Kinzig-Kreis zusätzlich an Attraktivität gewinnt.

Die Kehrseite der Medaille: „Es gibt keine Baulücken mehr, und die Preise sind hoch.“ Was noch fehle, seien Angebote, die die vielen Stadtteile an den ÖPNV anbinden. „Wir brauchen einen Mobilitätsplan, eine vernünftige Digitalisierung“, sagt der Rathauschef, der auf Impulse aus der Region hofft. Es könne nicht sein, dass die jenseits der Bogen liegenden Kommunen mit den Folgen des Zuzugs aus den Städten alleingelassen werden. „Sonst verlagern wir das Mobilitätsproblem nur ein Stück.“

Weitere Berichte Seiten F2/F3

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare