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Verbraucherschützer wollen wissen: Wo lag überall Wilke-Wurst auf dem Teller?

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Von: Peter Hanack

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Beliebt und weit verbreitet: Produkte des Wurst-Herstellers Wilke im nordhessischen Twistetal wurden unter vielen Namen verkauft.
Beliebt und weit verbreitet: Produkte des Wurst-Herstellers Wilke im nordhessischen Twistetal wurden unter vielen Namen verkauft. © Uwe Zucchi/dpa

Foodwatch will von Hessenss Verbraucherschutz-Ministerin Priska Hinz auch Informationen zu Klinik-Kantinen und Uni-Mensen. Noch immer tobt der Streit um den Wilke-Skandal vor Gericht

Knapp zweieinhalb Jahre nach Bekanntwerden des Wilke-Wurst-Skandals streiten die Verbraucherschutz-Organisation Foodwatch und das hessische Ministerium für Verbraucherschutz noch immer darüber, welche Informationen zu Lieferwegen und Abnehmern der Wilke-Produkte das Ministerium veröffentlichen muss und welche nicht. Vor Gericht hat Foodwatch einen ersten Erfolg erzielt, das Ende des Rechtsstreits ist damit aber noch nicht in Sicht. Und auch nicht klar ist, wann Verbraucher:innen die volle Wahrheit über den Skandal erfahren.

Die Bilder vergammelter Wurstwaren und schimmelbefallener Produktionsanlagen haben viele noch vor Augen. Im August und September 2019 stellen Behörden gravierende Mängel in der Wilke-Wurstfabrik fest, am 2. Oktober wird der Betrieb in Twistetal im Landkreis Waldeck-Frankenberg dann geschlossen – wie sich zeigt, für immer.

Drei Todesfälle

Schon im Mai 2018 waren Listerien auf Wilke-Produkten gefunden worden, drei Todes- und 37 Krankheitsfälle werden schließlich mit dem Bakterienbefall in Verbindung gebracht.

Wilke-Wurst war lange Zeit recht beliebt, wurde auch unter anderen Markennamen in Umlauf gebracht und von Großhändlern verkauft. Infolge des Skandals wurden Waren zurückgerufen; das hessische Verbraucherschutzministerium hatte zudem eine Produktliste mit mehr als 1100 Einträgen dazu veröffentlicht.

Nicht genannt wurde dabei allerdings, wo Wilke-Wurst als lose Ware angeboten worden war. Dazu gehören beispielsweise Pizzerien, die in Großhandelsmärkten Salami erworben hatten. Außen vor blieben bei der Aufzählung auch Wursttheken und Kantinen und Mensen etwa in Altenheimen, Hochschulen oder Kliniken.

Chronik des Skandals

Seit Mai 2018 werden auf Wilke-Produkten wiederholt Listerien gefunden. Die Bakterien können krank machen.

Am 12. August 2019 wird das hessische Verbraucherschutzministerium gewarnt, Wilke-Produkte könnten Ursache eines Listerien-Ausbruchs sein. Am 20. August informiert das Ministerium den zuständigen Landkreis Waldeck-Frankenberg.

Am 2. Oktober 2019 wird der Betrieb geschlossen. pgh

Foodwatch hat sich damit nicht zufriedengegeben und ist vor das Verwaltungsgericht Wiesbaden (VG) gezogen. Das Gericht hat der Organisation zumindest teilweise recht gegeben. Das Ministerium müsse über den Antrag von Foodwatch vom Oktober 2019, umfassend Auskunft über die Wege der Wurst zu erhalten, neu entscheiden.

Das von Priska Hinz (Grüne) geleitete Ministerium sieht dabei aber die Rechte Dritter verletzt und sträubt sich. Es hat beim VG Wiesbaden Berufung eingelegt. Wird dieser stattgegeben, würde die Berufungsverhandlung vor dem Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Kassel erfolgen.

Sollte auch der VGH Foodwatch recht geben, müsste das Ministerium neu entscheiden und dann wohl auch all jene Stellen nennen, an denen Wilke-Wurst auf den Teller kam.

Ministerin Hinz im Ausschuss

Am heutigen Mittwoch soll Ministerin Hinz dazu im Umweltausschuss des Landtags Rede und Antwort stehen.

Indes sieht sich die Lebensmittelkontrolle in Hessen nicht zuletzt infolge des Skandals gut aufgestellt. 2021 sei erstmals ein neues Kontrollkonzept zur Überwachung von zugelassenen Lebensmittelbetrieben angewendet worden. Die Betriebe sollen nicht mehr nur allein von den kommunalen Behörden, sondern gemeinsam mit den Regierungspräsidien nach dem Zwei-Behörden-Prinzip überprüft werden.

Nach Angaben des Regierungspräsidiums Darmstadt sind vergangenes Jahr 231 solcher Kontrollen erfolgt.

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