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Können Schnelltests für Normalität sorgen?
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Können Schnelltests für Normalität sorgen?

GUT GEBRÜLLT

Union im Heiligen Krieg

  • Pitt von Bebenburg
    VonPitt von Bebenburg
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Modellprojekte sind eine gute Sache, wenn man sie nicht so anlegt wie in Hessen. Hier sollten drei Kommunen ausprobieren, ob man mit Corona-Tests die Geschäfte vorsichtig öffnen könne. Nach zwei Wochen ist davon nur noch eine übriggeblieben: Baunatal. Die zweite Kommune, Dieburg, war ausgewählt worden, obwohl sie sich aus guten Gründen gar nicht erst beworben hatte.

Die dritte Kommune, Alsfeld, musste nach wenigen Tagen wegen zu hoher Corona-Werte aussteigen.

Als es für die Hessische Landesregierung darum ging einzuräumen, dass das „insbesondere für den Einzelhandel eine Enttäuschung“ sei, ließ Ministerpräsident Volker Bouffier seinem Sozialminister Kai Klose von den Grünen gerne den Vortritt. Offenbar möchte der Regierungschef in der Corona-Krise beim entschlossenen Handeln im Fokus stehen und weniger beim Scheitern. Dabei hätte Bouffier durchaus sagen können: „Wir waren doch nicht umnachtet, als wir das einstimmig beschlossen haben. Das muss man auch wirklich respektieren.“

Das hat Bouffier übrigens tatsächlich gesagt. Nur nicht mit Blick auf die Corona-Modellkommunen. Sondern als Kommentar zum Vorstoß der CDU-Gremien, Armin Laschet zum Kanzlerkandidaten zu küren.

Warum also nicht den Konflikt um die Kanzlerkandidatur der Unionsparteien nach dem hessischen Modell lösen? Als Modellkandidaten wählt Bouffier drei Männer aus (bekanntlich kommen in der Union nur Männer für die Merkel-Nachfolge infrage). Einen, dessen Werte nach wenigen Tagen so schlecht ausfallen, dass er nach den Regularien wieder ausscheiden muss: Armin Laschet, sozusagen das Alsfeld der Union; einen, der sich selbst ins Spiel gebracht hat: Markus Söder, das Baunatal der Union; und einen, der sich gar nicht beworben hat, aber nicht Nein sagen will: Bouffier. Wenn er, anders als Dieburg, nicht aussteigt, wird er Kanzlerkandidat.

So könnte Bouffier den Söder-Dschihadisten in den eigenen Reihen ein Schnippchen schlagen. Entschuldigen Sie die Wortwahl, aber so wird in der hessischen CDU über Widersacher aus den eigenen Reihen gesprochen. Zuletzt von Generalsekretär Manfred Pentz, als es um den Vorsitz der Bundespartei ging. Pentz hat sich für seinen Begriff „Merz-Dschihadisten“, bezogen auf Anhänger von Friedrich Merz, nachher entschuldigt. Doch er wird einen Grund gehabt haben, sich so drastisch auszudrücken.

Kommen wir also auf den sogenannten Heiligen Krieg zu sprechen, der in keiner Weise heilig ist, und auf die Dschihadisten, die ihn führen. Der Frankfurter Grünen-Bundestagsabgeordnete Omid Nouripour fand es passend, dem CDU-Generalsekretär nach dessen Äußerung sein Buch „Was tun gegen Dschihadisten?“ zukommen zu lassen. Verbunden mit der Anmerkung, „dass wir uns für ähnliche Themenbereiche zu interessieren scheinen“. Pentz kann jetzt nachlesen, wie der Grüne die Gefühlswelt deutscher Dschihadisten sieht.

„Sie alle teilen sich das Gefühl, zurückgewiesen worden zu sein in dieser Gesellschaft“, analysiert Nouripour. „Sie alle haben jene Anerkennung, jene offenen Ohren und jenes Verständnis, das sie in der Welt außerhalb des Dschihadismus vergeblich suchten, in ebenjenem Extremismus gefunden.“

Ob das wirklich der Grund für Söders Bemühen ist, einen Heiligen Krieg in den Unionsparteien anzufachen? Zu stoppen ist er jedenfalls nur auf hessisch: mit einem Modellversuch.

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