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Über die Arbeitsbedingungen an der Uniklinik Gießen-Marburg gibt es Klagen.
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Über die Arbeitsbedingungen an der Uniklinik Gießen-Marburg gibt es Klagen.

Hessen

Uniklinik Gießen-Marburg: Pflegekräfte kündigen im Kollektiv

  • Jutta Rippegather
    VonJutta Rippegather
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Die Klinikleitung räumt Versäumnisse ein, das sei aber ein Einzelfall. Die Opposition im Landtag sieht das Problem im System.

Wieder hat die Arbeitsbelastung an der privatisierten Uniklinik Gießen-Marburg Folgen für die Krankenversorgung: Gleich eine ganze Gruppe von Pflegekräften aus Marburg hat sich zum 31. März einen neuen Arbeitgeber gesucht. Ein Einzelfall, wie Kliniksprecher Frank Steibli der Frankfurter Rundschau versichert. „Maßgeblich für die kollektive Kündigungswelle war eine spezielle Situation, die sich so nicht auf das Universitätsklinikum insgesamt übertragen lässt.“ Die Opposition im Landtag sieht das anders: Sie nehme seit Jahren die Sorgen und Nöte der Beschäftigten nicht ernst, wirft SPD-Landtagsabgeordnete Daniela Sommer der Landesregierung vor. „Kein Wunder, wenn die eine oder der andere irgendwann die Reißleine zieht.“ Jan Schalauske, Fraktionsvorsitzender der Linken fordert angesichts der wachsenden Verschlechterung der Arbeitsbedingungen die Privatisierung zurückzunehmen. Er verweist auf das Rechtsgutachten von Joachim Wieland, wonach eine Rückführung des Klinikums in die öffentliche Hand möglich ist: „Anderes kann die Landesregierung angesichts der jahrelang anhaltenden, katastrophalen Zustände auch nicht mehr verantworten.“

Wie der Hessische Rundfunk berichtete, haben auf einer Station der Gefäßchirurgie in Marburg 15 von 16 Pflegekräften auf einmal gekündigt. Fast die ganze Station wechsele geschlossen an das Evangelische Krankenhaus in Gießen.

Klagen lange ignoriert

Die Privatisierung

Im Jahr 2006 verkauft die Landesregierung die zuvor fusionierte Uniklinik Gießen-Marburg für 100 Millionen Euro an den börsennotierten Krankenhauskonzern Rhön. Sie ist dDeutschland einzige private Uniklinik.

Rhön wollte vertraglich zugesagte Investitionen nicht tätigen – etwa die Inbetriebnahme des Partikelzentrums zur Krebsbehandlung.

Die geheimen Verkaufsverträge enthalten eine so genannte Change-of-Control-Klausel, wonach bei einem Weiterverkauf das Land Vorkaufsrecht hat. Die Klausel lief Ende 2019 aus. Kurz danach übernahm der Krankenhauskonzern Asklepios das Uniklinikum. jur

Der chronischen Personalmangel und seine Folgen auf die Krankenversorgung ist seit der Privatisierung ein landespolitischer Dauerbrenner. „Daher ist es unverantwortlich, dass die Klinikleitung weiterhin die Augen verschließe und massive Probleme leugnet“, sagt Schalauske.

Für Sozialdemokratin Sommer ist die Kündigungswelle eine logische Folge dessen, dass die Landesregierung die „Sorgen und Nöte“ der Beschäftigten nicht ernst nehme. Seit Jahren häuften sich Klagen über Arbeitsverdichtung, Personalmangel, Überstunden und Überlastungs- und Risikoanzeigen. Dass viele Pflegekräfte ihren Job kündigten sei angesichts des Fachkräftemangels höchst bedauerlich. „Ich kann nur hoffen, dass die aktuellen Kündigungen die Regierung an ihren gesetzlichen Auftrag der Sicherstellung notwendiger medizinischer Versorgung erinnert.“ Die Landesregierung dürfe nicht länger die Augen verschließen. Ausreichendes Personal, so Sommer, gehöre zur sicheren Gesundheitsversorgung und gewährleiste Patientensicherheit. „Wir als SPD-Fraktion setzen uns weiter für Personalmindeststandards ein, damit Stationen gut ausgestattet werden und das Arbeiten auf der Station selbst auch wieder attraktiver wird.“

Unterdessen bemüht sich die Klinikleitung darum, den Imageschaden zu begrenzen. Sie gibt sich lernbereit: Die Geschäftsführung haben Kontakt zu den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aufgenommen, um die Beweggründe für die Kündigungen zu erfahren, sagt Sprecher Steibli.

Sie dürfte nicht viel Neues erfahren. Laut Steibli ist die „angespannten Situation“ auf der Station schon länger bekannt. In einem Gespräch im Juli seien auf der Station konkrete Schritte zu Verbesserung besprochen worden. „Eine spürbare Umsetzung ist allerdings leider nicht rechtzeitig erfolgt, was nunmehr in den Kündigungen mündete.“ Die Klinik werde alle Möglichkeiten nutzen, die Stellen bald wieder zu besetzen und sicherzustellen. Auch werde sie sich bemühen, „dass es zu solchen Verzögerungen von Maßnahmenumsetzungen nicht mehr kommt“.

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