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Auschwitz-Überlebender Golik: Unermüdlicher Mahner gegen das Vergessen

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Von: Peter Hanack

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Ignacy Golik (1922 -2022) , Mahner gegen das Vergessen und Streiter für Versöhnung.
Ignacy Golik (1922 -2022) , Mahner gegen das Vergessen und Streiter für Versöhnung. © Peter Jülich

Ignacy Golik, Auschwitz-Überlebender und Versöhner, ist im Alter von 100 Jahren gestorben

Noch mit 97 Jahren trat Ignacy Golik in Schulen auf, um als Zeitzeuge an die schrecklichen Erlebnisse im Nationalsozialismus zu erinnern. Nun ist der Überlebende von drei Konzentrationslagern im Alter von 100 Jahren in seiner Geburtsstadt Warschau gestorben.

1922 geboren, engagierte er sich als junger Mann im polnischen Widerstand gegen die deutschen Besatzer. 1941 wurde er von der Gestapo verhaftet und ins Konzentrationslager Auschwitz gebracht. 1944 kam er ins KZ Sachsenhausen, dann nach Ravensbrück-Barth. Er überlebte den „Todesmarsch“ und wurde in der Nähe von Rostock von den sowjetischen Truppen befreit. Da wog der damals 23-Jährige noch 42 Kilo.

Kein Hass auf die Deutschen

Es begann ein zweites Leben. Golik studierte Journalistik, bis 1998 arbeitete er in dem Beruf. 2016 besuchte er die Redaktionsräume der Frankfurter Rundschau – das hatte er ich zum Geburtstag gewünscht. 1964 hatte er als Zeuge im Frankfurter Auschwitz-Prozess ausgesagt. Regelmäßig sprach er vor Schulklassen über das, was er hatte erleben müssen. „Hassen Sie die Deutschen?“, sei dann meist die erste Frage gewesen. Er könne Menschen hassen, aber keine ganze Nation, antwortete er. Und viele seiner Leidensgenossen im KZ seien selbst Deutsche gewesen. Wichtiger war ihm, für demokratische Werte zu sensibilisieren. „Die jungen Menschen sollen überlegen, wenn sie wählen gehen. Man muss aufpassen, wem man die Macht gibt“, betonte er.

Im April erhielt Ignacy Golik für sein unermüdliches Engagement gegen das Vergessen und für die Versöhnung das Bundesverdienstkreuz. FR

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