1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Landespolitik

Umweltschützer in Hessen: Mit Main und Rhein gegen Wassermangel

Erstellt:

Von: Jutta Rippegather

Kommentare

Der BUND fordert, die Flüsse stärker zu nutzen. Sonst sieht er schwarz für Südhessen.

Vor einem Wassermangel in Südhessen warnt der hessischen Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Die Folge des Klimawandels würden weiterhin unterschätzt, sagt BUND-Vorsitzender Jörg Nitsch. „Hessen muss seine Wasserpolitik schnell und umfassend an die durch den Klimawandel veränderten Rahmenbedingungen anpassen.“ Er fordert die Wiedereinführung des Wassercent und mehr staatliche Vorsorge bei der Wasserversorgung. Das Nass aus dem Rhein und dem Main müsse stärker genutzt werden.

Im Februar hatte das hessische Umweltministerium den „Wasserwirtschaftlichen Fachplan“ an die Verbände zur Anhörung geschickt. Nach Auffassung des BUND-Vorsitzenden muss die Landesregierung bei der Trinkwasserversorgung die Möglichkeit zum eigenen Handeln bekommen. „Die alleinige Zuständigkeit der Kommunen wird den nun schnell wachsenden Bedingungen nicht gerecht.“ Außerdem müsse Grundwasser endlich den Preis bekommen, der zum sparsamen Umgang motiviere.

Deutschland gehöre nach den Untersuchungen des Global Institute for Water Security zu den Ländern mit den größten Grundwasserverlusten durch den Klimawandel, mahnt Nitsch. Der Entwurf des Ministeriums beschreibe die einschneidenden Folgen für Hessen, ziehe aber nicht die notwendigen Konsequenzen. „Uns läuft die Zeit davon, wenn wir – wie im Fachplanentwurf vorgesehen – erst lange prüfen.“

Die große Hitze in den Sommermonaten führe zu einer wachsenden Nachfrage in Landwirtschaft, Industrie und Gewerbe sowie Privathaushalten. Dürren verschärften die Situation noch. Deutliche Warnsignale seien die Trockenjahre 2018 bis 2020. Und die würden künftig häufiger auftreten, womöglich alljährlich. „Die längeren Vegetationszeiten und vermehrte Starkregen und absterbende Wälder verringern alle die Grundwasserneubildungsrate.“

Den größten Konflikt sieht der Landesvorsitzende im Hessischen Ried. Aus dem dortigen Grundwasser wird der Ballungsraum Rhein-Main mit Trinkwasser versorgt. Sollte die Bevölkerungszahl weiter wachsen, steige der Bedarf noch. Dabei schädigten die Entnahmen schon jetzt Wälder auf einer Fläche von mehr als 10 000 Hektar. Rettungsversuche seitens der kommunalen Verantwortlichen oder Landespolitik seien nicht erkennbar. Zugleich werde der wertvolle Grundwasserleiter belastet durch Nitrat aus der Landwirtschaft und Schadstoffe aus den Kläranlagen.

Der Umweltverband vertritt die Auffassung, dass Flusswasser aus dem Rhein und dem Main stärker genutzt werden müsse. Er begrüßt den Beschluss der Stadt Frankfurt, vermehrt Mainwasser zu entnehmen, um das Grundwasservolumen unter dem Stadtwald zu erhöhen. Gleiches gelte für den Wasserverband Kinzig, der künftig auch Trinkwasser aus dem Kinzigstausee aufbereiten wolle. Zu langsam sei hingegen das Vorgehens bei der stärkeren Nutzung von Rheinwasser. „Die Probleme liegen auf der Hand, doch letztlich lähmt ein Streit ums Geld die Erweiterung der Rheinwasseraufbereitung“, kritisiert Nitsch. Eine neue gesetzliche Aufgabenverteilung zwischen dem Land und den Kommunen könne eine solche Diskussion schnell beenden.

Auch interessant

Kommentare