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Ein Foto von Thomas Schäfer steht im hessischen Finanzministerium im Eingangsbereich. Arne Dedert/dpa
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Ein Foto von Thomas Schäfer steht im hessischen Finanzministerium im Eingangsbereich.

LANDESREGIERUNG

Thomas Schäfer fehlt

Vor einem Jahr starb der Finanzminister und Bouffier-Kronprinz

Vier Tage bevor der hessische Finanzminister Thomas Schäfer starb, erledigte er noch eine gewaltige Aufgabe mit Erfolg. Der hessische Landtag beschloss im Eilverfahren und vor allem einstimmig einen gewaltigen Corona-Nachtragshaushalt, der innerhalb eines Wochenendes von einer auf zwei Milliarden Euro angewachsen war. Hinzu kamen 6,5 Milliarden Euro an Bürgschaften und Steuervergünstigungen. Der umgängliche CDU-Politiker Schäfer aber hatte es geschafft, in intensiven Gesprächen nicht nur die Fachfragen in einer nie dagewesenen Lage zu klären, sondern auch die anderen Fraktionen für das 8,5-Milliarden-Euro-Paket auf seine Seite zu bringen.

Diese Erinnerung macht deutlich, wie sehr Schäfer fehlt, jetzt, da die Corona-Politik vieles verstolpert und von parteipolitischer Einigkeit in Hessen schon lange keine Rede mehr sein kann. Vor einem Jahr, am 28. März 2020, beendete der Politiker, der als Kronprinz von Ministerpräsident Volker Bouffier galt, auf einer ICE-Strecke bei Hochheim sein Leben.

Jüngst, an jenem Tag im Februar, an dem Schäfer 55 Jahre alt geworden wäre, hat sein Nachfolger Michael Boddenberg das Grab des Vorgängers besucht.

Bis heute komme ihm die Entwicklung „ein wenig unwirklich“ vor, berichtet Boddenberg. Quasi über Nacht war der damalige CDU-Fraktionsvorsitzende Boddenberg vor einem Jahr neuer hessischer Finanzminister geworden. Bei aller Betroffenheit wollte sich Ministerpräsident Volker Bouffier in dieser Krisensituation keine Vakanz an der Spitze des Finanzressorts leisten. Thomas Schäfer war ein großer, kräftiger Mann, der so wirkte, als könne er allen Stürmen standhalten. In seiner letzten Rede im Landtag gab er jedoch zu erkennen, dass er die Corona-Krise eigentlich für kaum zu bewältigen erachtete. „Es ist mindestens eine Jahrhundertaufgabe, vor der wir stehen und bei der wir keineswegs wissen, mit welcher Dynamik sie weitergeht“, warnte Schäfer damals. Und erinnerte sich an unbeschwerte Zeiten kurz zuvor, die vom ersten Corona-Lockdown eingeholt wurden. An jenem Abend hatte er mit SPD-Fraktionschefin Nancy Faeser zusammengesessen bei einer Diskussion. „Wahrscheinlich wird der gemeinsame Rotwein die Erinnerung an den letzten einigermaßen fröhlichen Abend für eine ganz lange Zeit sein“, sagte Schäfer wehmütig im Landtag.

Selbst enge Weggefährtinnen und Weggefährten ahnten nicht, dass der Politiker von einer solchen Verzweiflung geplagt wurde und dass er sich das Leben nehmen würde. Deshalb machten nach dem Suizid sehr schnell Theorien die Runde, was der eigentliche Grund für den völlig überraschenden Tod gewesen sein könnte. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) trat ihnen umgehend und entschieden entgegen. „Ich muss davon ausgehen, dass ihn diese Sorgen erdrückt haben“, sagte der Regierungschef einen Tag nach der Tragödie. „Er fand offensichtlich keinen Ausweg mehr.“

Spätestens drei Monate danach war es vorbei mit der gemeinsamen Anstrengung gegen das Virus und seine Folgen. Statt neuer Nachtragshaushalte im Konsens entschied sich die schwarz-grüne Koalition, im Landtag einen Zwölf-Milliarden-Euro-Schuldenfonds durchzudrücken, der sich über mehrere Jahre erstreckt – gegen den entschiedenen Widerstand der Opposition, die gegen dieses „Sondervermögen“ klagt. Spätestens das war der Abschied vom Politikstil Thomas Schäfers.

Privat hinterließ Schäfer, der aus dem mittelhessischen Biedenkopf stammte, eine Frau und zwei Kinder. Politisch hinterließ der gelernte Bankkaufmann und studierte Jurist eine riesige Lücke in der hessischen CDU. Niemand zweifelte daran, dass Schäfer als Nachfolger von CDU-Chef und Ministerpräsident Bouffier ausersehen war. Heute ist ungewiss, wie es an der Spitze der CDU weitergeht.

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