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Armin Kurtovic fordert, dass alle Hintergründe des Anschlags aufgeklärt werden. Foto: Michael Schick
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Armin Kurtovic fordert, dass alle Hintergründe des Anschlags aufgeklärt werden.

Rechtsextremismus

Opfer zum Terror von Hanau: „Und dann sollen die das mal erklären“

  • Hanning Voigts
    VonHanning Voigts
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Eineinhalb Jahre nach dem rassistischen Anschlag von Hanau soll ein Untersuchungsausschuss die Hintergründe der Tat beleuchten. Opfer und Angehörige hoffen, dass sie endlich Antworten bekommen.

Armin Kurtovic will nur eins: Aufklärung. Und deshalb ist der Hanauer, dessen Sohn Hamza bei dem rassistischen Anschlag am 19. Februar 2020 ermordet wurde, froh, dass ein Untersuchungsausschuss die Hintergründe der Tat beleuchten wird. „Ich begrüße das sehr, denn es gibt so viele offene Fragen, die auf den Tisch müssen“, sagt Kurtovic. Er hoffe, dass im Gremium des Landtages jetzt endlich „gnadenlos aufgeräumt“ werde.

Die offenen Fragen, die Armin Kurtovic teils seit der Terrornacht von Hanau umtreiben, sind schon lange dieselben. Zuletzt hatte er Ende Juni bei einem Stadtgespräch der Frankfurter Rundschau berichtet, zu welchen Komplexen er Antworten haben will. Wieso konnte der Täter von Hanau legal Waffen besitzen – und wieso reagierte niemand auf seine rassistische Hetzseite im Internet oder die Briefe voller Verschwörungserzählungen, die er an unterschiedliche Behörden schickte?

Mangelnde Transparenz

Warum funktionierte der Notruf in der Tatnacht nicht? Warum war der Notausgang in der Arena Bar, dem zweiten Tatort, verschlossen – und warum wurden die Familien über Stunden nicht informiert, was ihren Liebsten passiert war? „Die haben den Täter besser behandelt als die Opfer“, sagt Kurtovic bitter.

Weil die „Initiative 19. Februar“, in der sich die Opfer und Angehörigen aus Hanau organisiert haben, schon lange eine mangelnde Bereitschaft der Behörden zur Aufklärung kritisiert, hofft Kurtovic, dass nun der Untersuchungsausschuss seine Fragen beantworten kann. Das Gremium könne schließlich handelnde Akteure und Verantwortliche vorladen, sagt er. „Und dann sollen die das mal erklären.“

Die Terrortat

Am späten Abend des 19. Februar 2020 erschoss der 43 Jahre alte Deutsche Tobias R. in Hanau neun Menschen mit ausländischen Wurzeln. Getötet wurden Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtovic, Vili Viorel Paun, Fatih Saraçoglu, Ferhat Unvar und Kaloyan Velkov.

Später tötete Tobias R. auch seine Mutter und sich selbst. Sechs weitere Menschen wurden in der Terrornacht von dem Täter verletzt. Vor seinem Attentat hatte R. rassistische Botschaften und Verschwörungstheorien verbreitet. Der Generalbundesanwalt übernahm die Ermittlungen, weil er die Schüsse als schwere staatsgefährdende Straftat ansieht. pit

Ein Zeichen für die Zukunft

Für Said Etris Hashemi geht es bei der Arbeit des Untersuchungsausschusses nicht nur um die Beantwortung bohrender Fragen. „Wir wollen ja nicht nur die Aufklärung, sondern auch, dass daraus Konsequenzen gezogen werden“, sagt der 24-Jährige, der den Anschlag von Hanau schwer verletzt überlebt hat – anders als sein Bruder Said Nesar, der am 19. Februar ermordet wurde.

Bis heute habe niemand die politische Verantwortung für Behördenfehler vor, während und nach der Tatnacht übernommen, sagt Hashemi. Er hoffe, dass der Ausschuss dazu beitrage, diese Fehler detailliert aufzuarbeiten und sie der Öffentlichkeit bekanntzumachen. Er sei auch selbst bereit, als Zeuge auszusagen.

Interesse an Details

Dabei gehe es überhaupt nicht darum, Behörden oder Politik schlecht darzustellen, sagt Hashemi. Er wolle, „dass sich etwas ändert, damit ein Zeichen für die Zukunft gesetzt wird“. Hessen habe in den vergangenen Jahren sehr viel rechtsextreme Gewalt erlebt, zukünftige Anschläge, auch aus anderen Richtungen, müssten von den Sicherheitsbehörden verhindert werden. „Es geht allgemein um die Gefahr hier in unserem Land.“

Ihn selbst belaste bis heute, dass er nicht in allen Details wisse, was am 19. Februar 2020 geschehen ist, sagt Hashemi. Weil die Opfer sich so oft abgewimmelt gefühlt hätten, hätten sie sich auch für einen Untersuchungsausschuss starkgemacht, sagt er. „Wir haben uns als Aufgabe gesetzt, dass wir das nicht mit uns machen lassen werden.“ (Hanning Voigts)

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