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Terror in Hanau: Das Mahnmal soll dahin, „wo es passiert ist“

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Von: Peter Hanack

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Traditionsreicher Ort im Zentrum der Stadt: Neustädter Markt in Hanau mit Grimm-Denkmal.
Traditionsreicher Ort im Zentrum der Stadt: Neustädter Markt in Hanau mit Grimm-Denkmal. © Renate Hoyer

Wir fragen Menschen auf dem Hanauer Marktplatz nach ihrer Meinung zum Gedenken an den 19. Februar. Dabei gibt es eine eindeutige Mehrheit.

Es ist einer jener trüben, regnerischen Tage, an denen nur wenige Menschen zum Einkauf auf den Hanauer Wochenmarkt kommen. Auch zwischen den Ständen klaffen Lücken. Vor der frisch renovierten Rathausfassade trotzen Jacob und Wilhelm Grimm auf ihrem Podest überlebensgroß der Witterung, mittlerweile seit mehr als 125 Jahren.

Hier, auf dem Neustädter Marktplatz, soll nach dem Willen der Angehörigen das Mahnmal zum 19. Februar stehen. Wir waren am Mittwoch unterwegs und haben gefragt, was die Marktbesucher:innen davon hielten und ob ihnen denn der 19. Februar ein Begriff sei.

Das Paar im frühen Rentenalter, zwei Tüten mit Einkäufen in Händen, braucht einen Augenblick. „Ein Jahrestag? Am Samstag?“, fragt er zurück. „Die Bombardierung war im März“, überlegt er weiter. „Aber doch, ja, der 19. Februar, das Attentat“, fällt es ihm ein. Ein Mahnmal, das wäre schon o.k., sagen beide. Aber nicht hier auf dem Marktplatz. „Hanau ist doch die Märchenstadt“, meint er. Und auch seine Partnerin hält diesen zentralsten aller Standorte für keine gute Idee. „Man sollte das am Heumarkt machen, da, wo die ersten Menschen erschossen wurden“, schlägt sie vor. „Da sag’ ich sofort Ja.“ Ihr Begleiter nickt.

Ähnlich sehen das zwei Damen, die mit ihren Handtaschen unterm Arm eilig den Markt überqueren. Anhalten für ein paar Fragen lassen sie sich aber schon. Dass sich der Tag des Anschlags am Samstag zum zweiten Mal jährt, ist der 62-jährigen Hanauerin sehr bewusst. Auch ihre ein Jahr ältere Freundin aus Offenbach kennt das Datum. Beide sagen, das Mahnmal gehöre „dahin, wo es passiert ist“. Der unmittelbare Bezug sei wichtig.

Der Heumarkt liegt zwei Blöcke vom Neustädter Markt entfernt. Als Platz ist er kaum zu erkennen. Straße, Gehweg und Abstellplätze für Autos bestimmen das Bild. „Wenn da was gemacht wird, kann das den ganzen Platz aufwerten“, sagte die Hanauerin.

Längst nicht alle, die angesprochen werden, wollen sich zum 19. Februar äußern oder zur Frage, wo der Opfer gedacht werden solle. Jene, die antworten, bitten durchweg darum, ihre Namen nicht zu nennen. Immerhin die Vornamen dürfen es bei den drei Jungs sein, die in der Nähe eines Kiosks zusammenstehen.

„Wir sind auch Türken“, sagt Abbas. Der 17-Jährige ist in Hanau geboren, macht hier eine Ausbildung. Das Erinnern an die Opfer müsse weitergehen, am besten direkt neben dem Grimm-Denkmal, sagt er. Dort standen nach dem Anschlag monatelang Kerzen, Fotos der Getöteten, lagen Blumengebinde. Seine beiden Freunde stimmen zu. „Das müssen alle sehen“, findet Adnan, auch 17. Faruk will nichts sagen, nickt aber bestätigend.

Nicht weit von der Gruppe versucht ein Mann, seine Zigarette anzuzünden, was bei dem Nieselregen nicht einfach ist. „Hört doch auf mit dem Gedöns“, sagt er lediglich, will nichts dazu erklären und geht lieber weiter.

Vor dem Drogeriemarkt packt eine junge Mutter ihr Kind in den Buggy und verstaut die Einkäufe. Beim „19. Februar“ muss sie auch erst einmal überlegen, dann ist sie im Bilde. „Zwei Jahre ist das schon her?“, sagt sie. In Hanau werde doch schon ziemlich viel daran erinnert, findet sie.

Gegen ein Mahnmal habe sie nichts. Wichtig sei, dass an alle Opfer von Terroranschlägen erinnert werde, nicht allein an eine bestimmte Gruppe wie die Getöteten von Hanau. Was den Standort angeht, ist ihr das nicht so wichtig. Den Marktplatz, wo die Brüder Grimm im Mittelpunkt stehen, kann sie sich aber nicht vorstellen.

Zum Schluss treffen wir noch zwei junge Männer. Ingo macht eine Ausbildung und wohnt in Hanau, sein Kollege kommt aus Limburg. „Die Angehörigen sollen sagen, wo das Denkmal hinkommt“, findet Ingo. Der Limburger stimmt zu. „Für die ist es doch besonders wichtig“, meint er. Und ja, warum nicht auch auf dem Marktplatz? Zumindest an diesem Vormittag sind sie in Hanau mit dieser Ansicht in der Minderheit.

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