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Mit Glücksspielen werden Milliardenumsätze gemacht.
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Mit Glücksspielen werden Milliardenumsätze gemacht.

Suchtkrankheiten

Glücksspiel-Werbung als „Horror“

  • Pitt von Bebenburg
    VonPitt von Bebenburg
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In einer Anhörung des hessischen Landtags verlangen Suchtfachleute ein Webeverbot für Glücksspiele. Die Landesregierung setzt auf eine Abstandsregel für Wettbüros.

Fachleute für Suchtkrankheiten haben die hessische Landespolitik gemahnt, den Betrieb und die Werbung für Glücksspiele drastisch einzuschränken. Mit der geplanten Marktöffnung für legal betriebene Onlinecasinos und anderen Schritten sei „eine deutliche Zunahme des Spielanreizes zu erwarten“, warnte Daniela Senger-Hoffmann von der Hessischen Landesstelle für Suchtfragen jetzt bei einer Anhörung im hessischen Landtag.

Schon jetzt seien schätzungsweise 31 000 Menschen in Hessen von einer Glücksspielsuchtproblematik betroffen. Deren Probleme zögen auch Familienangehörige und andere Menschen aus ihrem Umfeld in Mitleidenschaft.

Welche schrecklichen Auswirkungen Glücksspielsucht bei Menschen entfalten kann, schilderten Ina Buttler vom Suchthilfezentrum Wiesbaden und Ralf Hölzel von der Evangelischen Suchtberatung anhand von dramatischen Schicksalen. So berichtete Buttler vom 29-jährigen Jonas, der seit zwei Jahren erwerbsunfähig sei, unter Angststörungen und Depressionen leide und durch Sportwetten Schulden von 40 000 Euro aufgehäuft habe. Er frage in der Beratung: „Wie kann unser Staat das zulassen?“, berichtete Buttler.

Die Fachleute machten sich dafür stark, die Werbung für Glücksspiel etwa im Fernsehen zu verbieten. „Der Reiz ist so stark, das ist für die Leute wirklich der Horror“, erzählte Hölzel. Senger-Hoffmann fügte hinzu: „Bei Zigaretten hat es funktioniert. Das wünschen wir uns auch im Glücksspielbereich.“

Limit von 1000 Euro

Die Expert:innen für Suchtbekämpfung sprachen bei einer Anhörung zum hessischen Glücksspielgesetz, das am 1. Juli in Kraft treten soll. Es ergänzt den neuen Glücksspielstaatsvertrag, der im März von den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten beschlossen worden war. Darin ist etwa die Einführung einer „Limitdatei“ vorgesehen. Sie soll verhindern, dass Spielerinnen und Spieler im Internet mehr als 1000 Euro im Monat verlieren – und zwar in allen Spielformen, also sowohl in Onlinecasinos als auch bei Sport- und Pferdewetten, in Spielcasinos oder beim Lotto. Diese Grenze von 1000 Euro, die von den Betroffenen selbst niedriger gesetzt werden kann, ist aus Sicht der Suchtfachleute viel zu hoch.

Die privaten Anbieter von Sportwetten forderten die Streichung einer Regelung, mit der ein Mindestabstand von Wettbüros zu Schulen und Suchtberatungsstellen geschaffen werden soll. Die Regierung plant, diesen Abstand auf 250 Meter „fußläufig“ festzulegen. Im Einzelfall seien Ausnahmen davon möglich.

Der Deutsche Sportwettenverband, der die kommerziellen Anbieter vertritt, hält das für überflüssig. „Gefährdete und pathologische Spieler“ seien bereits durch das Spielersperrsystem geschützt, argumentierten der Präsident des Verbands, Mathias Dahms, und Hauptgeschäftsführer Luka Andric. Nach Ansicht des Verbands würde es ausreichen, etwa die Öffnungszeiten einzuschränken, so dass Wettbüros in der Nähe von Schulen zum Beispiel erst nach Schulschluss öffnen dürften.

Außerdem fühlen sich die privaten Anbieter gegenüber dem staatlichen Lotto benachteiligt, weil für dessen Annahmestellen kein Mindestabstand vorgesehen ist. Immerhin betreibe Lotto Hessen mit „Oddset“ auch eine Sportwettenvermittlung.

Neu ist, dass die Landesregierung den Lotto-Annahmestellen erlauben will, Wettterminals aufzustellen. Das begrüßte Lotto-Geschäftsführer Heinz-Georg Sundermann. Den privaten Anbietern soll das untersagt bleiben, wogegen sie sich wenden.

Sundermann sagte, dass die Lotto-Annahmestellen gerade im ländlichen Raum eine wichtige soziale Funktion erfüllten. Oft trügen die Lotto-Einnahmen dazu bei, dass sich Läden in kleinen Orten halten könnten und damit zum Beispiel eine Postannahmestelle unterhalten könnten. „Ich weiß nicht, ob es überall im ländlichen Bereich noch eine Post gäbe ohne Lotto-Annahmestelle“, so Sundermann.

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