Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Handtücher und Zahnputzbecher hängen und stehen in einer Kindertagesstätte im Waschraum.
+
Zu viele Kinder pro Kita-Fachkraft

Hessen

Stress bei der Kinderbetreuung in Hessen

Umfrage bei Kita-Beschäftigten in Hessen zeigt Unterbesetzung. Etliche Fachkräfte denken an Berufswechsel

Unterbesetzung und Mehrarbeit sind Dauerzustand in deutschen Kitas, auch in Hessen. Das haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Hochschule Fulda bei einer Befragung von mehr als 3200 Fachkräften im Auftrag der Gewerkschaft Verdi festgestellt.

Die Gewerkschaft zieht daraus Konsequenzen. Gewerkschaftssekretärin Kristin Ideler kündigte an, dass Verdi in der nächsten Tarifrunde von Januar 2022 an nicht nur für eine Erhöhung der Löhne, sondern auch für bessere Arbeitsbedingungen in den Sozial- und Erziehungsberufen kämpfen werde. Statt Werbekampagnen sei ein verbindlicher Stufenplan notwendig.

Kita-Personalcheck

Das Fuldaer Forschungsteam hatte bundesweit rund 19 000 Beschäftigte von Krippen, Kindergärten und Horten für den „Verdi Kita-Personalcheck“ befragt. „Die Zahlen sind alarmierend und zeigen deutlich, wo die Probleme in den Kindertageseinrichtungen liegen“, stellte die Gewerkschaft fest.

In Hessen fehlen der Studie zufolge im Durchschnitt drei Vollzeitkräfte pro Kitateam, um gut arbeiten zu können. 90 Prozent des Personals leistet nach eigenen Angaben regelmäßig unbezahlte Mehrarbeit.

Keine Zeit zur Vorbereitung

Mehr als ein Drittel der hessischen Kitabeschäftigten, nämlich 38 Prozent, gab an, dass im Dienstplan keine Zeiten für Planung, Vorbereitung, Entwicklungsdokumentation und Elterngespräche vorgesehen seien. „Da diese Tätigkeiten jedoch zu einer guten pädagogischen Arbeit gehören, geht es zulasten der Interaktion mit den Kindern“, urteilt Verdi. Gewerkschaftssekretärin Inga Dey kommentierte: „Die Kolleg:innen versuchen, sich die Zeit irgendwie abzuknapsen. Zum Teil erledigen sie solche Tätigkeiten dann unbezahlt zu Hause.“

Nach Auffassung der Gewerkschaft sind die Fachkräfte für zu viele Kinder zuständig. Eine Mehrheit von ihnen betreute nach eigenen Angaben fünf bis zwölf Kinder unter drei Jahren gleichzeitig. Im Alltag mit über dreijährigen Kindern seien die Beschäftigten meist für 13 bis 24 Kinder zuständig gewesen.

Gedanken an Ausstieg aus dem Beruf

Entsprechend hoch ist die Fluktuation. Bundesweit denken fast 40 Prozent der befragten Beschäftigten über einen Stellenwechsel nach und rund 25 Prozent darüber, aus dem Beruf auszusteigen. In Hessen mussten 80 Prozent der Einrichtungen damit zurechtkommen, dass Kolleg:innen innerhalb der vergangenen zwölf Monate ausgeschieden waren. In zehn Prozent der Kitas gingen gleich mehr als vier Beschäftigte. In immerhin acht Prozent der Fälle gaben Fachkräfte an, dass ihre ehemaligen Kolleg:innen dem Beruf komplett den Rücken gekehrt hätten.

Noch häufiger wurde als Grund für den Weggang der Wechsel zu einem Träger mit besseren Arbeitsbedingungen genannt. So antwortete etwa ein Drittel der Wechselnden. Die Gewerkschaft Verdi geht davon aus, dass sich dieses Problem verschärfen wird, wenn die Betreuung von Grundschulkindern ausgebaut wird.

Hessischen Kitagipfel verlangt

Bund und Länder hatten einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschüler:innen ausgehandelt, der 2026 beginnt. Damit gebe es „eine weitere Konkurrenz“ um die knappen Fachkräfte, stellte Inga Dey fest. „Es droht eine ähnliche Katastrophe wie in der Pflege“, warnt Dey. Deshalb bekräftigte Verdi seine Forderung nach einem hessischen Kitagipfel.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare