Ein Schüler, der in die 8. Klasse eines Gymnasiums geht, bedient an einem Notebook die Lernplattform Moodle. Foto: Marijan Murat/dpa
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Ein Schüler lernt mit einem Notebook.

Corona an Schulen

Mehr als 50 Schulklassen in Hessen in Quarantäne: Streit über Schließungen

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Hessens Kultusminister Lorz zeigt sich froh über geringe Zahl geschlossener Schulen – doch die SPD widerspricht. Sie fordert Offenheit für die Kombination von Präsenz- und Fernunterricht.

Wiesbaden – Kultusminister Alexander Lorz (CDU) hat sich erfreut darüber gezeigt, dass trotz der Corona-Pandemie nur wenige Schulen schließen müssten. Am Dienstag (01.09.2020) sei eine einzige hessische Schule geschlossen gewesen, berichtete er bei einer Regierungserklärung im Landtag: „eine kleine Förderschule im Wetteraukreis“.

Corona in Hessen: Viele Schulen schicken die Kinder nach Hause

Eine gute Nachricht? Der SPD-Bildungspolitiker Christoph Degen glaubt nicht daran. Lorz habe jene Schulen unterschlagen, die große Teile ihrer Schülerinnen und Schüler nach Hause geschickt hätten. Als Beispiel nannte der Sozialdemokrat die Otto-Hahn-Schule in Hanau, eine kooperative Gesamtschule. Dort könne nur eine Minderheit der 2000 Schülerinnen und Schüler am Präsenzunterricht teilnehmen. Hessenweit seien im neuen Schuljahr mehr als 50 Klassen in Quarantäne geschickt und sechs Schulen zugemacht worden. Dabei zeigten sich Lorz und Degen einig, dass Schulschließungen vermieden werden müssten. Degen sagte, dies müsse „absolute Priorität“ haben. Nach Ansicht von Lorz und dem CDU-Abgeordneten Armin Schwarz gelingt das weitgehend. Von 40.000 Klassen in Hessen seien 0,33 Prozent von Schließungen betroffen, führten sie auf.

Sozialdemokrat Degen warb dafür, eine Kombination von Präsenz- und Fernunterricht zuzulassen, wenn Schulen entsprechende Konzepte vorlegten. Damit könne das Infektionsrisiko verringert werden. „Den Zwang zum Normalbetrieb halten wir für falsch“, sagte Degen.

Hessens Schulen

760.500 Schülerinnen und Schüler besuchen die hessischen Schulen. Nach Angaben von Kultusminister Alexander Lorz (CDU) gibt es 1795 öffentliche Schulen – allgemeinbildende und berufliche.

770 Stellen wurden an den hessischen Schulen für dieses Schuljahr geschaffen. In seiner Amtszeit seit 2014 betrage der Zuwachs 5000 Stellen, sagte Lorz. (pit)

Die Oppositionsfraktionen von SPD, FDP und Linken monierten, dass Lehrkräfte ebenso wie Schülerinnen und Schüler bei digitalem Fernunterricht weitgehend auf eigene Geräte angewiesen seien. FDP-Politiker Moritz Promny erinnerte daran, dass die schwarz-grüne Koalition Forderungen nach einer Ausstattung auf Landeskosten noch vor einigen Wochen abgelehnt habe. „Die Kehrtwende kam erst, als die Bundeskanzlerin sich einmischte“, stellte er fest.

Wegen Corona: Schulen in Hessen schaffen Geräte an

Minister Lorz sagte, die Kommunen hätten rund 60.000 Geräte für Schülerinnen und Schüler angeschafft. Er räumte ein, dass es Lieferprobleme gebe. Promny stellte fest: „Ausgeliefert wurde bislang nur jedes fünfte Gerät.“ Die Linken-Abgeordnete Elisabeth Kula beklagte: „Trotz der Bund-Länder-Programme sind Kinder aus einkommensschwachen Familien immer noch oft abgehängt.“

Die AfD machte die Maskenpflicht zum Thema. An den hessischen Schulen muss Mund-Nasen-Schutz im Schulgebäude getragen werden, aber in der Regel nicht im Unterricht. Der AfD-Abgeordnete Heiko Scholz vertrat die Auffassung, es grenze an Körperverletzung, Masken über einen langen Zeitraum zu tragen. Die Verpflichtung zum Tragen einer Maske sei daher „im Sinne unserer Kinder an Schulen grundsätzlich auszusetzen“, verlangte er.

Der Grünen-Politiker Daniel May urteilte hingegen: „Lieber Maske auf als Schule zu.“ Wer den Eindruck zu erwecken versuche, die Politik könne alle Einschränkungen aufheben und gleichzeitig einen normalen Schulbetrieb ermöglichen, der agiere unredlich. (Von Pitt von Bebenburg)

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