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Sprachunterricht in Hessen: Englisch steht für alle auf dem Stundenplan

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Von: Peter Hanack

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In Hessens Schulen werden neun Fremdsprachen angeboten. Vor allem aber wird Englisch und Französisch unterrichtet. Türkisch wird als Fremdsprache nur ein einziges Mal angeboten.

Welche Sprachen sollen Kinder und Jugendliche an Hessens Schulen lernen? Darüber wird schon lange gestritten. Zuletzt war es die Auseinandersetzung um Türkisch als zweite oder dritte Fremdsprache, die die Gemüter erhitzte.

Vom nächsten Schuljahr an werden an den allgemeinbildenden Schulen in Hessen im Regelunterricht insgesamt neun Fremdsprachen angeboten. Es handelt sich dabei um Englisch, Chinesisch, Italienisch, Spanisch, Französisch, Arabisch, Russisch und Portugiesisch, hinzu kommt als „tote“ Sprache Latein. Damit werden nach Angaben des hessischen Kultusministeriums sieben der zehn Sprachen mit der größten Anzahl an Sprechenden weltweit abgedeckt.

Erste Fremdsprachen sind in der Regel Englisch, Französisch oder Latein. Ist Englisch nicht die erste Fremdsprache, muss es als zweite Fremdsprache auf dem Stundenplan stehen. Zweite Fremdsprache ist in der Regel Französisch oder Latein. Italienisch, Spanisch, Russisch, Polnisch und Chinesisch können mit Genehmigung der Schulaufsichtsbehörde als zweite Fremdsprache angeboten werden. Als dritte Fremdsprache kommen infrage: Französisch, Latein, Altgriechisch, Italienisch, Spanisch, Russisch, Polnisch und Chinesisch.

Zudem wird seit dem laufenden Schuljahr an einer hessischen Schule im Rahmen eines Schulversuchs Türkisch als zweite Fremdsprache unterrichtet. Dieses Angebot soll laut Ministerium vom nächsten Schuljahr an auch an weiteren Schulen möglich sein. Das ist laut Ministerium abhängig von der Bereitschaft der jeweiligen Schulen zur Beteiligung und vom Interesse der Schülerinnen und Schüler für das Fach „Türkisch als zweite Fremdsprache“.

Im Juni 2021 hatte die schwarz-grüne Landesregierung beschlossen, Polnisch, Chinesisch, Portugiesisch und Arabisch als zweite oder dritte Fremdsprache anzubieten, wo Schulen das wollen. Die in Deutschland häufig gesprochenen Herkunftssprachen Türkisch und Griechisch wurden in diesen Kanon nicht aufgenommen, was für Unmut vor allem in den jeweiligen Communities sowie bei der im Landtag oppositionellen SPD gesorgt hatte.

Sprachunterricht

Fremdsprachen-Unterricht ist das Lehren und Erlernen eine Sprache, die nicht die Muttersprache ist. Als erste oder zweite Fremdsprache sind die Noten versetzungsrelevant. Der Unterricht ist fester Bestandteil des Stundenplans. In der Regel sind dies Englisch, Französisch und Latein.

Im herkunftssprachlichen Unterricht werden bereits vorhandene Kenntnisse der Muttersprache vertieft. Der Besuch ist freiwillig. pgh

Befürworter hatten argumentiert, es gehe darum, Mehrsprachigkeit zu fördern und Türkisch und Griechisch aufzuwerten – schließlich sei dies die Heimatsprache vieler Zugewanderter. Die Landesregierung hielt dem entgegen, Fremdsprachenunterricht ziele auf das Erlernen einer neuen Sprache ab. Er richte sich deshalb vor allem an Schüler und Schülerinnen, die keine Vorkenntnisse der Sprache in den Unterricht einbringen würden.

Kultusminister Alexander Lorz (CDU) verwies zudem darauf, dass vor einigen Jahren ein Schulversuch mit Türkisch als zweiter Fremdsprache in zwei Frankfurter und einer Offenbacher Schule „mangels ausreichender Nachfrage“ wieder eingestellt worden sei.

Anders verhält es sich mit dem herkunftssprachlichen Unterricht. Besucht werden kann dieser Unterricht von Schülerinnen und Schülern, die in der Sprache wenigstens Grundkenntnisse haben. Angeboten werden Albanisch, Arabisch, Bosnisch, Griechisch, Italienisch, Kroatisch, Mazedonisch, Polnisch, Portugiesisch, Serbisch, Slowenisch, Spanisch und Türkisch.

Unterrichtet wird häufig schulübergreifend an zentralen Standorten, um vielen die Teilnahme zu ermöglichen. Die Angebote sind nach Sprache und Region unterschiedlich. Auch liegt die Verantwortung je nach Sprache nicht immer allein beim Land Hessen, sondern kann auch (wie bei Türkisch) in Verantwortung der Konsulate des Herkunftslands bzw. in einer Kooperation dieses Landes mit Hessen liegen.

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