Müssen in der Corona-Krise besonders flexibel sein: Schulkinder.
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Müssen in der Corona-Krise besonders flexibel sein: Schulkinder. (Symbolbild)

Bildung

Schulöffnung als Balanceakt

  • Peter Hanack
    vonPeter Hanack
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Corona soll das Lernen an Hessens Schulen möglichst wenig einschränken. Infektionen aber werden nicht zu verhindern sein. Und die digitale Ausstattung für das Lernen zuhause ist noch mangelhaft.

Kultusminister Alexander Lorz (CDU) hat am Freitag in Wiesbaden vorgestellt, wie das nächste Schuljahr aussehen soll. Die Pressekonferenz war in weiten Teilen von den Auswirkungen der Corona-Pandemie bestimmt, es gab aber auch noch andere Nachrichten.

Für 760 000 Schülerinnen und Schüler sowie 60 000 Lehrkräfte beginnt am Montag das neue Schuljahr. Unterrichtet werden sollen alle Klassen und Kurse an fünf Tagen in der Woche. Was sonst keiner Erwähnung wert wäre, ist unter den Bedingungen von Corona alles andere als selbstverständlich.

Elterntelefon

Zum Schulstart sind in den 15 Staatlichen Schulämtern in Hessen Elterntelefone eingerichtet. „In den ersten Tagen nach den Sommerferien ergeben sich immer die meisten Fragen“, erläuterte Kultusminister Alexander Lorz (CDU). Mit der Corona-Pandemie komme nun ein Thema hinzu, das bei zahlreichen Eltern für Verunsicherung gesorgt habe. Die Elterntelefone sollten helfen, Unsicherheiten abzubauen.

Von 17. bis 28. August stehen deshalb montags bis freitags von 9 bis 16 Uhr sowohl Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Staatlichen Schulämter als auch des Ministeriums bei Fragen rund um die Schule zur Verfügung.

Für den Schulbezirk Frankfurt lautet die Nummer 069 / 38 98 91 28. Alle Rufnummern sind zu finden unter kultusministerium.hessen.de. (pgh)

„Dieser Präsenzunterricht ist für das Lernen unverzichtbar, selbst die perfekte digitale Ausstattung könnte die unmittelbare Begegnung, den sozialen Kontakt nicht ersetzen“, betonte Lorz. Er sei sich bewusst, dass die Schulöffnung ein Balanceakt sei zwischen Gesundheitsschutz, der Eindämmung der Pandemie und der Notwendigkeit, Bildung zu vermitteln. „Wir können aber keinen dieser Werte absolut setzen“, so Lorz. So müsse Schule jeweils auf die Entwicklung des Infektionsgeschehen reagieren, beispielsweise durch neuerliche Einschränkungen beim Unterricht. Wolle man allerdings hundertprozentige Sicherheit, könne man Schulen gar nicht öffnen.

Geplant ist ein Regelbetrieb mit möglichst wenig Einschränkungen. Es gelten die allgemeinen Hygieneregeln. Im Unterricht allerdings fällt das Abstandsgebot, weil sonst kein Unterricht gemäß Stundentafel möglich wäre. Außerhalb der Klassenräume müssen Masken getragen werden. Das Ministerium stellt den Schulen Schutzausrüstung zur Verfügung. Sport- und Musikunterricht können nur eingeschränkt stattfinden, Blasinstrumente etwa dürfen nur im Freien gespielt werden. Lehrkräfte können sich alle 14 Tage kostenlos auf das Corona-Virus testen lassen.

Oberstes Ziel sei es, flächendeckende Schulschließungen zu verhindern. Allerdings rechnet Lorz damit, dass Lerngruppen zeitweise isoliert und zu Hause beschult werden müssten. Noch nicht überall seien dafür die nötigen Voraussetzungen geschaffen, räumte der Minister ein. Inzwischen verfüge jede Lehrkraft aber über eine dienstliche Mail-Adresse. Auch stünden Lern- und Arbeitsplattformen vielerorts zur Verfügung. Wo dies nicht der Fall sei, könnten die Schulen auf kommerzielle Angebote zurückgreifen. Dafür stehe Geld zur Verfügung ebenso wie für Vertretungskräfte, die für Lehrer einspringen sollen, die wegen der Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe nicht für Präsenzunterricht eingesetzt werden könnten.

Für das neue Schuljahr gebe es 770 zusätzliche Lehrerstellen, 340 davon an Grundschulen. Auch seien 165 weitere Studienplätze für künftige Grund- und Förderschullehrer geschaffen worden. Ganztagsangebote gebe es künftig an neun von zehn weiterführenden Schulen und an zwei Drittel der Grundschulen. Kritik kam von Eltern, Lehrerverbänden und der Opposition. Der Ausbau der digitalen Infrastruktur gehe zu langsam, vor allem fehle es an einem Plan, wie bei zunehmenden Infektionszahlen an den Schulen vorzugehen sei.

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