Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Mit Maske im Klasssenraum lernt es sich meist besser als ohne Maske zuhause. Die Lücken, die während Corona entstanden sind, müssen nun mühsam wieder geschlossen werden.
+
Mit Maske im Klasssenraum lernt es sich meist besser als ohne Maske zuhause. Die Lücken, die während Corona entstanden sind, müssen nun mühsam wieder geschlossen werden.

Bildung mit Mängeln

Schulen in Hessen starten Corona-Aufholprogramm

  • Peter Hanack
    VonPeter Hanack
    schließen

Das Land Hessen stellt 60 Millionen Euro für das Schließen der Corona-Lernlücken zur Verfügung. Das soll mehr Bildungsgerechtigkeit schaffen und die Homeschooling-Mängel abbauen.

Das nächste Schuljahr soll in Hessen im Zeichen des Aufholens von Lernrückständen stehen – nachdem das gerade laufende durch die Corona-Krise und die damit verbundenen Schulschließungen und Unterrichtsausfälle geprägt war und noch immer ist. Kultusminister Alexander Lorz (CDU) hat am Dienstag vorgestellt, wie die Defizite beseitigt werden sollen.

60 Millionen Euro stellt das Land dafür bis Ende 2021 bereit. Ein Großteil des Geldes geht direkt an die Schulen. Diese sollen selbst entscheiden, welche Maßnahmen sie damit finanzieren wollen. Für die Eltern sollen die Angebote kostenlos sein.

Mehr Lehrkräfte im Unterricht

Das können etwa Förderkurse sein, zusätzliches pädagogisches Personal im Unterricht und Hausaufgabenhilfen. Aber auch kulturelle oder sportliche Angebote sollen, möglichst in Kooperation mit weiteren Partnern, damit finanziert werden können. Das Land selbst baue seine bestehenden Angebote etwa für Ferienkurse aus, kündigte Lorz an.

Zusätzlichen Unterricht für alle, wie das vor geraumer Zeit diskutiert wurde, soll es nicht geben. Auch will das Land den Schulen und Lehrkräften nicht vorschreiben, wie sie die Lernrückstände der Schüler:innen erfassen sollen. Dies solle zwar flächendeckend geschehen, aber ohne zentrale Tests.

Keine zentralen Tests

„Ich setze dabei mein Vertrauen in unsere Lehrkräfte“, sagte Lorz. Diese wüssten am besten, was den Kindern und Jugendlichen fehle und wo am meisten Nachholbedarf bestehe. Die Corona-Krise habe dazu geführt, dass sich die Lerngruppen auseinander entwickelt hätten, sagte der Minister. Ein Teil der Schüler:innen habe sogar besser gelernt als zu regulären Schulzeiten. Rund 20 bis 25 Prozent aber seien besonders stark zurückgefallen und benötigten daher auch besondere Förderung. Deshalb müsse es auch möglichst individuelle Angebote geben.

Die 60 Millionen Euro, die aktuell im Haushalt eingestellt würden, seien lediglich „ein erster Aufschlag“, so Lorz. Im nächsten Jahr werde es weitere Mittel geben. Es gehe nicht um einen „Crashkurs“, sondern man benötige einen langen Atem, um die entstandenen Rückstände aufzuarbeiten.

74 Millionen Euro für Hessen vom Bund

Zu dem Geld des Landes kommen jene Mittel hinzu, die der Bund angekündigt hat. Lorz rechnet mit 74 Millionen Euro, außerdem steuerten die Kooperationspartner des Landes und der Schulen Geld und andere Leistungen bei. Damit lasse sich schon einiges bewegen. Wie genau das Geld verteilt werde, hänge nun auch vom Ergebnis der Beratungen über das Aufholpaket auf Bundesebene ab.

„Bei der Bildungsgerechtigkeit ist die Schere weiter auseinander gegangen“, sagte Beate Heraues, Vorstandsvorsitzende der Heraeus-Bildungsstiftung. Auf die Schule und die ganze Gesellschaft komme damit eine große Aufgabe zu. Die Initiative des Landes starte zur rechten Zeit und erzeuge eine Aufbruchstimmung, die man nun nutzen solle – zur individuellen Förderung, aber auch, um zu hinterfragen, was in Schule eigentlich gelernt werden müsse, um junge Menschen auf das Leben vorzubereiten.

Mehr Bildungsgerechtigkeit nötig

Herkunft und sozialer Status sollten keinen Einfluss auf den Bildungsweg haben, forderte Lizge Yikmis vom Verein „Haydee! Digitale Nachhilfe“. Susanne Hilf von der Landesvereinigung kulturelle Bildung regte an, Kooperationen von Künstler:innen und Kulturträgern und den Schulen auszubauen. Rolf Müller, Präsident des Landessportbunds Hessen, begrüßte, dass das Landesprogramm den Sport als Teil der Lösung statt als Teil des Problems betrachte, wie das in der Vergangenheit häufig geschehen sei.

Für die FDP beklagte deren bildungspolitischer Sprecher Moritz Promny, das Landesprogramm enthalte wenig Konkretes. Vor allem fehle ein Standardtest zur Erhebung der Lernrückstände. Das Programm springe zu kurz, befand Elisabeth Kula von der Linken. Notwendig sei, Schulpsychologie und Schulsozialarbeit flächendeckend auszubauen und mehr Lehrkräfte auszubilden und einzustellen. Lerngruppen müssten kleiner und der Rechtsanspruch auf den Ganztag umgesetzt werden.

„Die Jugend trägt die Lasten von Corona. Sie hat mehr verdient. Mehr Geld, mehr Anerkennung, mehr Chancen“, heißt es im Kommentar „Hessen schickt seine Jugend mit 80 Euro in die Zukunft“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare