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Schule in Hessen: Unterrichten ohne Staatsexamen

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Von: Peter Hanack

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Die Anforderungen an Schule ist während Corona stark gestiegen. Damit Lehrkräfte da mithalten können, sollen sie in Hessen künftig anders ausgebildet werden.
An Hessens Schulen arbeiten zahlreiche Lehrkräfte, die nicht für ihren Einsatzbereich ausgebildet worden sind. © Julian Stratenschulte/dpa

Jeder sechsten Lehrkraft an Hessens Schulen fehlt die formelle Qualifikation. Den höchsten Anteil gibt es an den Grundschulen. Dort sind die Seiteneinsteiger unverzichtbar.

An Hessens Schulen arbeiten zahlreiche Lehrkräfte, die nicht für ihren Einsatzbereich ausgebildet worden sind. An Grundschulen liegt deren Anteil – nicht ganz überraschend – besonders hoch, wie Kultusminister Alexander Lorz (CDU) mitgeteilt hat.

Lehrkräfte sind knapp. Deshalb setzen die Schulen gezwungenermaßen immer häufiger Menschen im Unterricht ein, die nicht über das dafür eigentlich erforderliche Lehramt verfügen. Das heißt, sie sind nicht für die Tätigkeit an derjenigen Schulform ausgebildet worden, an der sie tatsächlich arbeiten, haben dafür nicht das Zweite Staatsexamen abgelegt.

Hoher Anteil am Unterricht

Insgesamt handelt es sich laut Kultusminister Lorz um 10 450 Personen, also jede sechste Lehrkraft in Hessen. Das hat der Minister in der jüngsten Sitzung des Schulausschusses auf einen Antrag der FDP-Landtagsfraktion hin berichtet. Der Anteil der sogenannten Seiteneinsteiger:innen am Unterricht ist etwas geringer, da viele von ihnen ein vergleichsweise kleines Stundenkontingent haben. So wird in Hessen im Schnitt jede neunte Unterrichtsstunde von einer Lehrkraft ohne entsprechende formelle Qualifikation gehalten.

An den Grundschulen liegt deren Anteil bei 24 Prozent und damit am höchsten. Fast jede vierte Lehrkraft unterrichtet dort ohne entsprechendes Lehramt. Es handele sich um annähernd 4200 Personen. Insgesamt sind an Hessens Grundschulen laut Lorz knapp 17 500 Lehrkräfte beschäftigt.

Lehrkraft werden

Fünf Lehrämter gibt es in Hessen:

Grundschulen, Hauptschulen und Realschulen, Gymnasien, berufliche Schulen, Förderpädagogik.

Voll ausgebildete Lehrkraft wird man mit einem Studium und einem Referendariat, das mit dem Zweiten Staatsexamen abgeschlossen wird.

Zudem gibt es die Möglichkeit eines Quereinstiegs oder der Anstellung als Vertretungs- oder Fachlehrkraft. pgh

Mehr Informationen gibt es unter kultus.hessen.de

Fast ebenso hoch ist der Anteil an Förderschulen, dort liegt er bei etwas mehr als 22 Prozent. Am geringsten ist er gemäß der Zahlen des hessischen Kultusministeriums an Gymnasien mit knapp acht Prozent.

Lorz verteidigte den Einsatz der Seiteneinsteiger:innen. Sie seien häufig eine „Bereicherung“ für die Schulen und den Unterricht. Viele von ihnen verfügten über ein Lehramt, würden aber beispielsweise statt an einem Gymnasium an einer Grundschule eingesetzt, weil dort besonders viel Personal gebraucht werde. Bei annähernd tausend Lehrkräften ohne Lehramt handele es sich um evangelische oder katholische Religionslehrer:innen. Andere seien Zahnärzte, Juristen, Diplom-Ingenieure oder Handwerksmeister, so Lorz.

Seiteneinsteiger unverzichtbar

An den Schulen seien die Seiteneinsteiger:innen in der aktuellen Mangellage unverzichtbar, räumte auch FDP-Bildungsexperte Moritz Promny ein. Mit SPD-Bildungsfachmann Christoph Degen war er sich aber auch in der Forderung einig, dass diese Lehrkräfte besser und systematischer qualifiziert werden müssten, als dies heute häufig der Fall sei. Wenn es für sie eine dauerhafte Beschäftigungsperspektive gebe, sollten die Verträge zudem entfristet werden.

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