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Wenn wir schreiten Seit‘ an Seit’...: Sozialdemokratisches Liedgut haben Nancy Faeser und Mathias Wagner nicht gesungen.
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Nancy Faeser und Mathias Wagner am Beginn ihrer Wanderung in Kronberg.

Hessen

Rot-grüner Beziehungsstatus in Hessen: Es bleibt kompliziert

Die hessischen Fraktionschefs von SPD und Grünen, Nancy Faeser und Mathias Wagner, wandern und erinnern sich ihrer Gemeinsamkeiten. Doch ihre Wege haben sich schon vor Jahren getrennt.

Am Mittwoch sind Nancy Faeser und Mathias Wagner gemeinsam vom Weg abgekommen und haben zusammen wieder auf den richtigen Pfad gefunden. Mit ein klein bisschen Verspätung trafen die SPD-Fraktionsvorsitzende und ihr Amtskollege von den hessischen Grünen nach anderthalbstündiger Wanderung in Faesers Heimatstadt Schwalbach ein.

Graue Wolken

„Sehr unterhaltsam“ sei es gewesen, berichtet der Grüne Wagner, mit Wanderhose, grünem Die-Grünen-Shirt und Rucksack unterwegs. „Ich habe es sehr genossen“, formuliert Sozialdemokratin Faeser, in Jeans, weißem Oberteil und ebenfalls mit Rucksack voll Regenzeug. Doch trotz des manchmal heftigen Winds und der grauen Wolken ist es trocken geblieben. Ein gutes Omen für Rot-Grün oder Grün-Rot?

Es war klar, dass jedes Detail politisch interpretiert wird bei diesem Spaziergang, der am Opel-Zoo in Kronberg begonnen hat – einschließlich eines Besuchs bei den madegassischen Lemuren, die im Matriarchat organisiert sind, wie Faeser mit Begeisterung registriert hat. Wie also ist der Beziehungsstatus von SPD und Grünen in Hessen? „Es bleibt kompliziert“, antwortet Wagner spontan, und Faeser stimmt zu. Der „gute Austausch“ allerdings bleibt beiden wichtig.

Vor fast 40 Jahren erstmals Rot-Grün

Die Beziehung war schon mal enger. Hessen war vor fast 40 Jahren das erste Bundesland, in dem eine rot-grüne Koalition zusammenfand. Die Kooperation setzte sich in den 90er Jahren mit zwei rot-grünen Landesregierungen ebenso fort wie anschließend in 15 Jahren gemeinsamer Opposition. Bis sich 2014 die Wege trennten, als die Grünen ein Bündnis mit der CDU eingingen. Kurz vorher hatten SPD und Grüne noch zusammen Pressekonferenzen veranstaltet und Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) den Rücktritt nahegelegt.

Doch diese Zeiten sind Vergangenheit. Viele jüngere Abgeordnete haben sie, anders als Faeser und Wagner, nicht selbst im Landtag miterlebt. Seit 2014 haben sich die einstigen rot-grünen Wunschpartner voneinander entfremdet, insbesondere seit die Grünen bei der Landtagswahl 2018 um einen Wimpernschlag vor der SPD landeten.

Gegenseitige Vorwürfe

„Arroganz der Macht“, wirft insbesondere der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD, Günter Rudolph, den Grünen regelmäßig vor. Umgekehrt beklagen die Grünen, die SPD meckere nur und mache keine konstruktiven Vorschläge. Daran ändert auch eine vergnügliche „Polit-Safari“ nichts. So haben die Pressestellen die Wanderung genannt, weil sie auf einem Teilstück der „Safari-Route“ entlangführt, die den Weg vom Opel-Zoo zum Frankfurter Zoo weist. Hinterher verraten weder der Grüne noch die Sozialdemokratin, über welche Themen sie gesprochen haben. Es darf spekuliert werden.

Faeser betont: „Es gibt immer noch viele Gemeinsamkeiten.“ Trotz aller Freundlichkeit für die SPD-Kollegin lässt Mathias Wagner keinen Zweifel: „Wir fühlen uns nach wie vor wohl in der Koalition, in der wir sind.“ In der schwarz-grünen Koalition im Landtag also.

Der passionierte Wanderer Wagner war es, der den Ausflug ins Spiel gebracht hatte. Anfang 2020 wurde er in einem Interview gefragt, mit wem er gerne eine Tour unternehmen wolle. Er entschied sich für Faeser. Zwar kennen sich beide schon lange, doch seinerzeit war die Schwalbacherin neu in ihre Ämtern als Partei- und Fraktionschefin der hessischen SPD gewählt. Die Corona-Pandemie sorgte dafür, dass der Ausflug ins Grüne erst jetzt nachgeholt werden konnte.

Gemeinsamkeiten beim Gesellschaftbild

Bei Kaffee und Kuchen sinniert das rot-grüne Politduo anschließend, wie sich die Rollen verändert haben. Mit ihrem „Gesellschaftsbild der offenen, toleranten Gesellschaft“ seien sich beide Parteien in Hessen „schon sehr nah“, formuliert Faeser, ohne dass Wagner widerspricht. Doch rot-grüne Pressekonferenzen wie noch 2013 sind nicht in Sicht. „Im Moment ist es wahrscheinlicher, dass wir Pressekonferenzen mit der FDP machen“, stellt Faeser fest.

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