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Noch können die Aktivist:innen den Dannenröder Forst besetzen, die Polizei lässt sich nicht hetzen.

Hessen

Rodungen im Dannenröder Forst werden vorbereitet

  • Pitt v. Bebenburg
    vonPitt v. Bebenburg
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Mehr als 400 Barrikaden sollen den Autobahn-Bau verhindern. Die Polizei will sich im Dannenröder Forst aber nicht unter Zeitdruck setzen lassen.

Die Polizei will sich im Dannenröder Forst nicht unter Zeitdruck setzen lassen. „Unsere höchste Priorität ist, dass niemand verletzt wird. Deshalb setzen wir uns überhaupt keine zeitlichen Limits“, sagte Sylvia Frech, eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Mittelhessen, am Montag bei einer telefonischen Pressekonferenz.

Seit Anfang Oktober werden Bäume für die Trasse der geplanten Autobahn 49 in Mittelhessen gerodet. Dagegen richtet sich der Widerstand von Umweltschützerinnen und Umweltschützern, die seit vielen Monaten Camps im Dannenröder Forst errichtet haben. Die Rodungsfrist geht Ende Februar zu Ende, doch die Polizei will sich davon nicht hetzen lassen.

In den ersten Wochen wurden Bäume im Herrenloswald gefällt. Nun erreichen die Arbeiten den benachbarten Dannenröder Forst, den Kernbereich des Protests. Nach Angaben von Polizeisprecherin Frech sind dort etwa hundert Behausungen – „Zelte, Plattformen und ganze Häuser“ – entstanden. Sämtliche Zufahrtswege seien verbarrikadiert. Insgesamt gebe es etwa 400 solcher Barrikaden.

angezeigt

Mehr als 150 Strafanzeigen hat die Polizei bisher gegen Aktivist:innen gegen den Ausbau der Autobahn 49 zwischen Gießen und Kassel gestellt. Hinzu kämen mehr als 300 Ordnungswidrigkeiten, sagte Jochen Wegmann von der Polizei Mittelhessen am Montag. In 600 Fällen hätten Beamt: innen die Identität von beteiligten Personen festgestellt.

Die Polizei wollte nicht sagen, wann sie dort die Trasse für Rodungen freimachen will. Sicherheit gehe vor Geschwindigkeit, betonte Polizeisprecher Jochen Wegmann. Man werde „in den nächsten Tagen“ mit der Baufirma „entsprechende logistische Vorbereitungsarbeiten beginnen“, ergänzte Frech. Die Aktivistinn:en hatten schon vor einer Woche mitgeteilt, sie rechneten jeden Tag mit der Räumung.

Die Corona-Pandemie ist für die Polizei kein Anlass, den Einsatz zurückzufahren, an dem zeitweise bis zu 2000 Polizistinnen und Polizisten pro Tag beteiligt sind. Man halte sich an ein Hygienekonzept und habe bisher keine Covid-Fälle zu beklagen, teilte die Polizei mit.

In der vergangenen Landtagssitzung hatte die Linke verlangt, die Rodungsarbeiten mit Blick auf die steigenden Corona-Fallzahlen ruhen zu lassen. Alle anderen Fraktionen lehnten diese Forderung ab.

Bei ihrer Pressekonferenz rief die Polizei die Protestierenden dazu auf, friedlich zu agieren. „Protest ja, Gewalt nein“, formulierte Sylvia Frech. Neben Demonstrantinnen und Demonstranten, die „sehr friedlich ihre Meinung deutlich machen“, gibt es aber nach Einschätzung der Polizei auch gewaltbereite Personen. „Wir müssen damit rechnen, aktiv angegriffen zu werden“, sagte Frech. So seien bereits Beamtinnen und Beamte mit Zwillen beschossen worden, beklagte Wegmann.

Als „inakzeptabel“ bezeichnete er auch die bisher vier Abseilaktionen über Straßen, derentwegen die Autofahrerinnen und -fahrer teilweise stundenlang hätten ausharren müssen. Am Montag musste die Bundesstraße 62 zeitweise gesperrt werden, weil sich ein Autobahngegner auf dem gespannten Stahlseil aufhielt, das darüber gespannt worden war.

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