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Hier entlang geht‘s zum Campingplatz – nur nicht für alle.
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Hier entlang geht‘s zum Campingplatz – nur nicht für alle.

Hessen

Rassismus: Campingplatz verweist Sinti und Roma

  • Pitt von Bebenburg
    VonPitt von Bebenburg
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Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes verurteilt den Umgang mit Sinti und Roma auf einem nordhessischem Platz und empfiehlt rechtliche Schritte. Der Campingplatz-Verband sieht einen „Grenzfall“

Bad Zwesten – Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat sich entsetzt darüber gezeigt, dass ein nordhessischer Campingplatz keine Sinti und Roma aufnimmt. „Das ist ein krasser und beschämender Fall“, sagte Bernhard Franke, der kommissarische Leiter der Antidiskriminierungsstelle, am Dienstag auf Anfrage der Frankfurter Rundschau. „Niemand darf in Deutschland wegen seiner ethnischen Herkunft oder aus rassistischen Gründen benachteiligt werden“, fügte er hinzu. Das gelte nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz am Arbeitsplatz ebenso wie im Hotel oder auf einem Campingplatz.

Der hessische Landesverband Deutscher Sinti und Roma hatte den Fall, der sich in der vorigen Woche auf dem Waldcampingplatz Bad Zwesten ereignet hatte, am Montag öffentlich gemacht und als „rassistischen Vorfall“ angeprangert. Der Platzwart des Campingplatzes bestätigte auf FR-Anfrage, dass er Sinti und Roma abgewiesen hatte und diejenigen, die bereits mit dem Aufbau begonnen hätten, den Platz wieder hätten verlassen m

Beschluss des Trägervereins: Reaktion auf schlechte Erfahrunen mit SInti und Roma

Dies gehe auf einen Beschluss zurück, den der Trägerverein bereits vor rund zwei Jahren gefasst habe. Damit habe man auf schlechte Erfahrungen mit Sinti und Roma reagiert, etwa auf große Müllmengen, nächtlichen Lärm und einen Fall von Zechprellerei, erklärte der Platzwart.

„Wir sind schockiert“, kommentierte Adam Strauß, der Vorsitzende des Landesverbands Deutscher Sinti und Roma. „Hier werden jahrhundertealte Ausgrenzungen vollkommen unverhohlen fortgeführt.“ Er forderte, die „antiziganistische und rassistische Ausgrenzung“ sofort aufzuheben. Der Betreiber des Campingplatzes müsse sich entschuldigen.

Sinti und Roma erwägen rechtliche Schritte - Erhebliche Rechtliche Konsequenzen

Nach Angaben des Sinti- und Roma-Verbandes werden rechtliche Schritte erwogen. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes empfiehlt Betroffenen, sich in solchen Fällen juristisch beraten zu lassen, um Schadenersatz- und Entschädigungsansprüche geltend machen zu können. „Jeder Betreiber eines Campingplatzes sollte wissen, dass er rechtswidrig handelt, wenn er Kundinnen und Kunden wegen ihrer Herkunft ausschließt – und er mit erheblichen rechtlichen Konsequenzen rechnen muss“, sagte Bernhard Franke.

Kommentar

Roma-Diskriminierung in Hessen: Unsäglicher Ausschluss

Auch der hessische Grünen-Politiker Jürgen Frömmrich nannte den Vorfall „nicht akzeptabel“. Frömmrich verwies auf das „tausendfache Leid“, das Sinti und Roma in Deutschland hätten erleiden müssen. Gerade vor diesem Hintergrund „müssen wir als Gesellschaft derartigen Diskriminierungen entschieden entgegentreten“, sagte Frömmrich, der Parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen im Landtag ist.

Verband der Campingunternehmer nimmt Stellung: „Wir haben natürlich Hausrecht“

Der Verband der Campingunternehmer in Hessen (VCH) spricht hingegen von einem „Grenzbereich“. Der Vorsitzende des Verbandes, Ernst-Rudolf Müller, sagte der FR, lärmende Gruppen oder Gäste, die ihre Plätze vermüllten, verprellten die anderen Camperinnen und Camper. Das könne für Jugendgruppen wie für „fahrende Händler“ gelten.

„Wenn man Probleme hatte mit einer ähnlichen Gruppe, dann würde ich sagen: lieber nicht aufnehmen“, erläuterte Müller. „Wir haben natürlich Hausrecht.“ Allerdings müsse eine „Gruppendiffamierung“ unbedingt vermieden werden, betonte der Verbandsvorsitzende. „Da bewegt man sich auf dünnem Eis.“ (Pitt v. Bebenburg)

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