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Corona-Krise

Quarantäne in Teilen Hessens extrem ausgeweitet

  • Peter Hanack
    vonPeter Hanack
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  • Timur Tinç
    Timur Tinç
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Verschärfte Regeln in mehreren hessischen Landkreisen gefährden den Schulbetrieb. Aus Sorge vor Mutanten sollen auch alle Familienangehörigen in die Zwangspause gehen.

Die Corona-Mutanten bereiten Sorge. Mehrere hessische Landkreise haben ihre Quarantäneregeln drastisch verschärft. Das soll maximale Sicherheit bringen, hat aber gravierende Auswirkungen auf Angehörige – und könnte nahezu den gesamten, gerade erst ausgeweiteten Präsenzbetrieb an den Schulen wieder zum Erliegen bringen.

Das Offenbacher Gesundheitsamt hat am Donnerstag eine ganze Schulklasse, die sich in einer vorläufigen Quarantäne befand, in eine vollständige 14-tägige Zwangspause geschickt. Am Montag war ein Schüler positiv auf das Coronavirus getestet worden, am Donnerstag fand das Labor einen Hinweis auf die britische Mutationsvariante, die als besonders ansteckend gilt.

Seit einer Woche gilt in Offenbach: Wenn in Gemeinschaftsunterkünften wie Schulen, Kitas oder Altenheimen eine Person positiv getestet wird, muss die ganze Gruppe in eine vorläufige Quarantäne. Gibt es keinen Hinweis auf eine der besorgniserregenden Mutanten, werden alle aus der Quarantäne entlassen – bis auf die positiv getestete Person und deren engste Kontaktpersonen (KP 1). Handelt es sich um eine Mutante, muss die gesamte Gruppe in Quarantäne bleiben.

Eigentlich aber ist die Quarantäneregel, wie sie in der offiziellen Pressemitteilung der Stadt formuliert ist, noch viel umfassender. Demnach müssten nicht nur die gesamte Klasse in Quarantäne gehen, sondern auch alle Personen, die mit einer/-m der Schülerinnen oder Schüler in einem gemeinsamen Haushalt leben. Und zwar unabhängig davon, ob der Schüler oder die Schülerin als Kontaktperson 1 oder 2 gilt. Auch ein negativer Corona-Test ändert daran nichts.

Ganze Haushalte betroffen

Das weitet den Kreis der potenziell Betroffenen extrem aus. Während bisher bei einem positiven Covid-19-Fall die oder der Infizierte sowie seine nächsten Kontaktpersonen (KP 1) in Quarantäne mussten, sind es nun alle Schüler:innen einer Klasse plus deren Familien. Auch eingehaltene Hygieneregeln wie Abstand, Masketragen und regelmäßiges Lüften schützen davor nicht. Hat etwa ein Infizierter an zwei Schultagen vier oder fünf Kurse der Oberstufe besucht, kommen schnell 60 Schülerinnen – plus 60 komplette Haushalte – zusammen.

Im Hessischen Kultusministerium sieht man die Verschärfung kritisch. „Wenn nun häufiger Mutanten auftreten und die Regel konsequent angewendet wird, dann ist der Präsenzbetrieb an den Schulen nicht mehr sicherzustellen“, erklärte ein Ministeriumssprecher auf Anfrage.

Die verschärfte Quarantäneregel ist anscheinend eine Offenbacher Schöpfung. Weder in der Hessischen Landesverordnung noch in den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) finden sich entsprechende Anweisungen. Auch das Hessische Sozialministerium konnte auf Nachfrage keine Quelle für die Offenbacher Strategie nennen.

Aus dem Ministerium heißt es, die Gesundheitsämter könnten „in einem konkreten Einzelfall“ auch über die Empfehlungen hinausgehen. Generell gelte festzuhalten, dass die Gesundheitsämter auf der Grundlage des Infektionsschutzgesetzes und der Empfehlungen des RKI ihren Handlungs- und Ermessensspielraum sorgsam wahrnähmen.

Derweil haben sich der Kreis Offenbach und auch der Main-Kinzig-Kreis der Regelung der Stadt Offenbach angeschlossen. In Offenbach selbst scheint man sich mit der neuen Regel nicht leichtzutun. Schließlich wurden ja zunächst, entgegen der offiziellen Ankündigung der Stadt, nicht alle Haushaltsangehörigen mit in Quarantäne geschickt, sondern (nur) die ganze Klasse. „Das haben wir schon immer so gehandhabt“, sagte dazu Gesundheitsdezernentin Sabine Groß (Grüne). „Sonst würden wir ja die Stadt innerhalb kürzester Zeit lahmlegen.“

Ringen um gute Lösung

Es sei schwierig, eine gute Lösung zu finden, erklärte der Leiter des Offenbacher Gesundheitsamts, Bernhard Bornhofen. Wenn die Vorgaben des Infektionsschutzgesetzes und des Robert-Koch-Instituts vage seien, müsse jedes Gesundheitsamt versuchen, „auf die Situation angemessen zu antworten“.

Seine Behörde wäge jetzt ab, wie sie mit der neuen Lage umgehe, um Menschen nicht zu lange in Quarantäne zu schicken, die es nicht müssten. Gleichzeitig sei die Gefahr hoch, dass bei einem positiven Hinweis auf die britische Variante die Menschen sich gegenseitig schneller ansteckten und sich das Virus wieder ausbreite.

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