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Wisag-Mitarbeiter demonstrieren am Frankfurter Flughafen gegen die Kündigung von mehr als 200 Mitarbeitern.
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Wisag-Mitarbeiter demonstrieren am Frankfurter Flughafen gegen die Kündigung von mehr als 200 Mitarbeitern.

Hessen

Protest gegen Kündigungen bei Wisag am Frankfurter Flughafen

  • Pitt v. Bebenburg
    vonPitt v. Bebenburg
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Wisag-Beschäftigte demonstrieren am Frankfurter Flughafen. Busfahrer bekommen kein Geld mehr. Das Unternehmen rechtfertigt sich.

Sie beladen Jets und leisten andere „Bodenverkehrsdienste“ am Frankfurter Flughafen: rund 850 Beschäftigte der Firmengruppe Wisag. Mehr als 200 von ihnen sollen jetzt gehen.

Das bestätigte eine Unternehmenssprecherin auf Anfrage der FR. Die Kündigungen würden noch im Dezember ausgesprochen – mit einer Kündigungsfrist bis maximal Ende März. „Weitere zirka 60 Beschäftigte sollen zwar nicht ihren Arbeitsplatz verlieren, sie können aber nur noch zu veränderten Bedingungen am Standort Frankfurt weiterbeschäftigt werden“, fügte sie hinzu.

Die Kündigungen kurz vor Weihnachten sorgen für Ärger. Mit einer Demonstration am Flughafen machten Betroffene am Donnerstag auf ihre Situation aufmerksam. „Es geht in erster Linie darum, dass jeder seine Arbeit behält“, sagt Lademeister Habip Bektas, der seit 2004 für die Bodendienste am Flughafen arbeitet, die 2018 von Wisag übernommen wurden.

Bektas und andere Betroffene lassen ihre Interessen von der kleinen Industriegewerkschaft Luftverkehr (IGL) vertreten. Andere bekommen Rechtsschutz von der großen Dienstleistungsgewerkschaft Verdi.

Die Gewerkschafter wissen, dass die Aufträge am Flughafen während der Corona-Pandemie deutlich zurückgegangen sind. Aber sie können trotzdem nicht nachvollziehen, warum die Beschäftigten gekündigt werden sollen. Wisag solle die Kurzarbeit bis Ende 2021 nutzen, um die erfahrenen Bediensteten zu halten, fordert der stellvertretende IGL-Vorsitzende Daniel Wollenberg.

Diese Auffassung vertritt auch Verdi-Landesfachbereichsleiter Mathias Venema. Er weist darauf hin, dass andere Betriebe am Flughafen, etwa Cateringfirmen, sich für eine Fortsetzung der Kurzarbeit entschieden hätten. „Wisag sollte einen ähnlichen Weg gehen“, sagt er. Beide Gewerkschaften befürchten, dass es der Firma in Wahrheit darum gehe, Beschäftigte mit Altverträgen loszuwerden, um sie durch billigere Kräfte zu ersetzen, wenn der Bedarf wieder steigt.

„Härte für Betroffene“

Wisag zeigt sich überzeugt, dass der Flugverkehr nach der Corona-Krise nicht wieder auf Vorkrisenniveau zunehmen werde. Kurzarbeit sei aber nur dafür da, einen „vorübergehenden Arbeitsausfall“ zu überbrücken. „Wir wissen um die Härte dieser Maßnahme für die betroffenen Mitarbeiter“, betonte die Sprecherin. Man wolle aber ehrlich kommunizieren und handeln.

Die Unternehmensleitung und der Betriebsrat hatten sich nicht auf einen Sozialplan für die Betroffenen einigen können. Daher wurde eine Einigungsstelle angerufen. Sie legte nach Angaben der Gewerkschaften fest, dass Wisag rund 800 000 Euro an Abfindungen zahlen muss. Also im Schnitt weniger als 4000 Euro für jeden. Das sei für langjährige Beschäftigte unzumutbar. Von einer „Vollkatastrophe“ spricht Verdi-Mann Venema. IGL-Vize Wollenberg sagt, der Betrag sei „ein Witz“.

Der Protest richtet sich auch an die Bundesregierung und Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Er habe ein Schutzschild für Beschäftigte aufspannen wollen, doch die Realität zeige ein anderes Bild, beklagte Wollenberg.

Hart hat es etwa 30 Vorfeld-Busfahrer getroffen. Wisag hat sich von diesem Betriebsteil ganz getrennt und ihn zum 1. Oktober in eine andere Firma überführt, die Sky City Bus GmbH. Dem widersprach ein Großteil der Betroffenen. Nun erhielten sie seit drei Monaten keinen Lohn mehr, berichtet Bektas. „Einigen geht es richtig schlecht, die können ihre Miete nicht mehr bezahlen.“

Wisag entgegnet, die Busfahrer hätten sich „geweigert, wenigstens noch vorübergehend ihre alte Tätigkeit fortzuführen“. Damit hätten sie „ihren Vergütungsanspruch verloren“.

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