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Hessen: Alle Fahrgäste sollen vom 9-Euro-Ticket profitieren

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Von: Jutta Rippegather

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Soll zuverlässiger fahren: die S-Bahn Rhein-Main. dpa
Soll zuverlässiger fahren: die S-Bahn Rhein-Main. dpa © dpa

Der Bahnvorstand plädiert für ein bundesweites 9-Euro-Ticket. Und bemüht sich um mehr Qualiät auf der Schiene.

Vor Juni ist das 9-Euro-Monatsticket kaum umsetzbar. Und im Idealfall gelten die von der Ampelkoalition beschlossenen Sonderkonditionen deutschlandweit. Alles andere würde die Umsetzung des Beschlusses noch mehr verkomplizieren, sagt Jörg Sandvoß, Vorsitzender des Vorstands von DB Regio. Außerdem, so betont er, dürften Stammkunden nicht das Nachsehen haben. „Bestandskunden kriegen den gleichen Rabatt wie Neukunden. Das können wir uns nicht anders vorstellen.“

Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) hebt hervor, dass das 9-Euro-Monatsticket zeitlich parallel zum von der FDP durchgesetzten Tankrabatt kommen müsse. Es werde spannend, wie viele Menschen tatsächlich das Auto stehen lassen würden. „Das ist das größte Experiment, das der öffentliche Nahverkehr je erlebt“, sagt Al-Wazir. Der Minister und andere Länderkolleg:innen hatten angeregt, statt mit einem 9-Euro-Ticket für drei Monate die Menschen in dieser Zeit gleich gratis fahren zu lassen. Das würde den bürokratischen Aufwand erheblich verringern. Doch in Berlin fanden sie mit diesem Alternativvorschlag kein Gehör. Jetzt, sagt Al-Wazir, dürfe dieser finanzielle Kraftakt für den öffentlichen Nahverkehr keine Eintagsfliege bleiben. „Wir brauchen nicht nur Ideen für die nächsten drei Monate, sondern für die nächsten drei Jahre.“ Die Regionalmittel müssten dringend erhöht werden, der öffentliche Nahverkehr sei strukturell unterfinanziert. „Dazu habe ich bislang nichts aus dem Bundesverkehrsministerium gehört.“

Die Schiene braucht dringend mehr Geld aus Berlin, um die ihr zugeschriebene Aufgabe zu erfüllen, so die Botschaft des Ministers, der Vertreter der DB und des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV) am Montag in Frankfurt. Corona und der Krieg gegen die Ukraine hätten den Klimawandel nicht gestoppt. Um das Klimaziel zu erreichen, müsse der RMV in acht Jahren 30 Prozent mehr Fahrgäste transportieren als vor der Corona-Pandemie.

DB, Land und RMV setzen deshalb auch ihr vor drei Jahren gestartetes sogenanntes Intensivprogramm fort, das mit einer besseren Qualität die Menschen überzeugen will. Dazu gehören die Ende vergangenen Jahres angekündigte Modernisierung von 119 Stationen bis zum Jahr 2030 und der Einsatz von künstlicher Intelligenz, um bei Verspätungen oder anderen Unregelmäßigkeiten die Fahrgäste besser zu informieren. Dazu gehört auch die Erneuerung des Fahrzeugparks – Ende des Jahres nimmt der RMV die weltweit größte Wasserstoffflotte in Betrieb. Dazu zählt auch eine bessere Verknüpfung mit anderen Verkehrsmitteln und der Ausbau des lange vernachlässigten Schienennetzes in Rhein-Main.

„Wir befinden uns im Jahrzehnt des Bauens“, sagt RMV-Geschäftsführer Knut Ringat. „Und das ist nicht immer schön.“ Etwa für Nutzer der S-Bahn-Linie 6 zwischen Frankfurt-West und Bad Vilbel. Acht Wochen ist die Strecke im Sommer gesperrt. Los geht es am Samstag, 9. Juli. Es wird nicht die letzte Unannehmlichkeit sein, bevor Ende 2023 das eigene Gleis für die S-Bahn in Betrieb gehen kann.

Für Mai steht der Spatenstich für die Regionaltangente West an. Ein Vorhaben, über das Jahrzehnte diskutiert wurde, sagt Al-Wazir. In Rüsselsheim und Flörsheim will die Deutsche Bahn weitere Stellwerke digitalisieren, so dass das System stabiler und damit zuverlässiger wird.

Sowohl das Schienenunternehmen als auch der RMV sind zuversichtlich, dass sich der öffentliche Nahverkehr schon bald wieder von der Corona-Krise erholt hat. Bei den derzeitigen Fahrgastzahlen liege das Niveau bereits bei rund 70 Prozent der Zahlen vor der Pandemie. Am Wochenende, sagt DB-Vorstand Sandvoß, seien es mancherorts schon 100 Prozent. „Nach dem Einbruch kommen wir mit Macht wieder raus.“

Der verkehrspolitische Sprecher der FDP, Stefan Naas, forderte, bei dem Ausbau der Schieneninfrastruktur mehr Gas zu geben. Die Landesregierung stelle zu Recht fest, dass am Ausbau der Schiene kein Weg vorbeiführe. Doch nun komme es darauf an, Projekte flott aufs Gleis zu setzen.

Die S-Bahnen sollen pünktlicher fahren. dpa
Die S-Bahnen sollen pünktlicher fahren. dpa © dpa

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