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Bildung

Privatschulen in Hessen beklagen Finanznot

  • Peter Hanack
    VonPeter Hanack
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Eine Initiative will die Finanzierung durch das Land verbessern. Sie hat dafür 13 000 Unterschriften für eine Petition gesammelt.

Eine bessere Finanzierung der rund 200 Privatschulen in Hessen durch das Land hat sich ein Aktionsbündnis zum Ziel gesetzt. Dessen Mitglieder wollen am heutigen Mittwoch mit der Übergabe von 13 000 Unterschriften eine Petition im hessischen Landtag auf den Weg bringen.

„Rettet die freien Schulen!“, lautet der Appell des Bündnisses „Freie Schulen fair finanzieren“. Darin sind Eltern, Lehrkräfte und Vertreter:innen katholischer Schulen zusammengeschlossen. Sie sehen die Privatschulen in Hessen in einer prekären Lage. Das Land hinke mit deren Finanzierung hinterher, beklagen sie.

Im Ersatzschulfinanzierungsgesetz aus dem Jahr 2013 ist festgeschrieben, dass das Land 85 Prozent der Personalkosten zu tragen hat. Grundlage der Berechnung war das Jahr 2011. Tatsächlich aber decke die Finanzierung heute nur knapp 60 Prozent der anfallenden Kosten.

„Die Arbeit der freien Schulen in Hessen ist bedroht, weil das Land seinen Verpflichtungen nur unzureichend nachkommt“, sagt Michael Bünger, Prokurist des Engelsburg-Gymnasiums. Die Schule in Kassel ist ein Gymnasium in katholischer Ordensträgerschaft.

Deutlich höhere Kosten

Die Kosten seien seit 2011 deutlich gewachsen, berichtet Engelsburg-Schulleiter Thorsten Prinz. So seien Personal- und Energieausgaben deutlich gestiegen. Am Engelsburg-Gymnasium gebe es eine Finanzierungslücke von 1,3 Millionen Euro.

Betroffen seien viele der staatlich anerkannten Schulen wie jene in katholischer oder evangelischer Trägerschaft, Montessorischulen, Waldorfschulen, freie Alternativschulen, Förderschulen und Landschulheime.

„Wir möchten weiterhin die Schülerinnen und Schüler gut betreuen können, unabhängig vom Einkommen der Eltern“, sagt Pia Radeck, die die Elisabethenschule in Hofheim (Main-Taunus-Kreis) leitet. Dafür brauche es neben einer guten Ausstattung motivierte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die angemessen bezahlt werden könnten. Viele Schulträger seien am Rand ihrer Leistungsfähigkeit, so Prokurist Bünger. Einige überlegten, ihre Schulen abzugeben, wie dies das Bistum Mainz tue.

Veronika Loch, Elternvertreterin an der Bischof-Neumann-Schule in Königstein, sagt, die Schulen in privater Trägerschaft ergänzten das staatliche Angebot. „Sie fördern nicht nur die Diversität in unserer Gesellschaft, sondern sind auch ein fester Bestandteil der Schulkultur, die von dieser Vielfalt lebt.“

Die Vertreter:innen des Aktionsbündnisses wenden sich gegen die Vorstellung, bei Privatschulen handele es sich grundsätzlich um teure Eliteschulen. So besuchten rund 1000 Schüler:innen, unabhängig vom Einkommen ihrer Eltern, das Engelsburg-Gymnasium. Familien, die sich den Monatsbeitrag nicht leisten könnten, würden durch einen Sozialfonds unterstützt.

Verhandlungen laufen

Das Land spare durch die Schulen in privater Trägerschaft viel Geld, argumentiert Schulleiter Prinz. Schließlich steuerten Träger und Eltern mindestens einen 15-Prozent-Anteil zum Schulbetrieb bei, zumeist deutlich mehr. „Würde das Land unsere Schule übernehmen, müsste es nicht nur die Finanzierungslücke schließen, sondern auch alle anderen laufenden Kosten übernehmen“, sagt er.

Falk Raschke, Geschäftsführer des Verbands der Privatschulen Hessen, kann die Forderungen des Aktionsbündnisses nachvollziehen. „Teilweise decken die Finanzhilfen des Landes nicht einmal die Hälfte der Kosten“, berichtet er. Zurzeit werde mit dem Land über die künftige Finanzierung verhandelt. Die Laufzeit des aktuellen Gesetzes geht bis Ende 2023. Ob das Land danach tatsächlich deutlich mehr zahlen wird, bezweifelt Raschke angesichts der aktuellen, durch die Corona-Pandemie besonders angespannten Haushaltslage.

Schulleiter Prinz schlägt vor, in einer künftigen Regelung einen „dynamischen Bezugsrahmen“ aufzunehmen. Danach würden immer die Kosten des jeweils letzten Jahres analysiert und davon 85 Prozent im nächsten Jahr erstattet. Ein „faires Finanzierungsmodell“ würde außerdem den Erhalt und die bedarfsgerechte Entwicklung der Schulgebäude einkalkulieren.

Informationen zur Petition unter

www.freie-schulen-fair-finanzieren.de

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