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Pflege in Hessen: Mehr Beratung für Betroffene

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Von: Jutta Rippegather

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Verdi-Protestaktion an der Uniklinik Frankfurt. Peter Jülich
Verdi-Protestaktion an der Uniklinik Frankfurt. © Peter Jülich

Der Landtag diskutiert über die Situation der Pflege. Auch Organisationen sehen Handlungsbedarf.

Eine Initiative zur Rückgewinnung von Pflegekräften fordert die Linke im hessischen Landtag. Mit besseren Arbeitsbedingungen könnten Tausende Kräfte dazu motiviert werden, in ihren alten Beruf zurückzukehren, sagte Christiane Böhm, gesundheitspolitische Sprecherin der Fraktion am Donnerstag in der Plenarsitzung in Wiesbaden. Pflegende Angehörige bräuchten mehr Entlastung. Darauf wies auch Daniela Sommer hin, die Gesundheitsexpertin der SPD. Hessen brauche mehr Kurzzeitpflegeplätze. Und Personalmindeststandards, damit der Pflegeberuf attraktiver werde.

Undurchsichtige Heimverträge

Die Verbraucherzentrale Hessen nahm die Plenarsitzung zum Anlass, mehr Unterstützung für die rund 310 000 Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen anzumahnen. „In unseren Beratungen erleben wir immer wieder Rat- und Hilflosigkeit angesichts komplizierter Gesetze“, sagte Vorstand Philipp Wendt in Frankfurt. Häufig würden Leistungen auch erst nach einem Widerspruch gewährt. Schwer verständliche und undurchsichtige Heimverträge belasteten Pflegebedürftige und ihre Angehörigen. Schon vor einiger Zeit hätten die Verbraucherschützer:innen dem Land vorgeschlagen, ihre Erfahrung und die Kompetenz für rechtliche Beratungen im Zusammenhang mit der Pflege zu nutzen.

Mehr Engagement

Die Liga Hessen wies anlässlich des Internationalen Tags der Pflege auf die Situation der Pflegekräfte hin. Trotz Pandemie sei die Zahl der Menschen in Pflegeberufen im Jahr 2021 im Vergleich zum Vorjahr zwar gestiegen, doch fehle es weiterhin an qualifizierten Fachkräften. Die Tariftreueregelung führe zu steigenden Gehältern, doch das reiche nicht aus. Bei der Aus- und Weiterbildung von Fachkräften müsse mehr Engagement gezeigt werden, forderte Michael Schmidt, Vorsitzender des zuständigen Liga-Arbeitskreises. Beschäftigten aus dem Ausland sei die Anerkennung ihrer Berufsabschlüsse zu erleichtern.

Die FDP forderte in der Landtagsdebatte einen Digitalisierungsschub für die Pflegeeinrichtungen. Die Fachkräfte verschwendeten zu viel Zeit mit Bürokratie, sagte Moritz Promny, Vorsitzender des Sozialausschusses. Silvia Brünnel, Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion, begrüßte die Entscheidung der Bundesregierung, die Mindestlöhne in der Altenpflege deutlich anzuheben. Hessen schaffe mit mehreren Initiativen erfolgreich Anreize für junge Menschen, um eine Ausbildung in der Pflege aufzunehmen. „Im Vergleich zum Vorjahr haben sich bereits 5,6 Prozent Personen mehr entschieden“, sagte sie. Angesichts der demografischen Entwicklung bedürfe es einer gemeinsamen Kraftanstrengung von Bund, Ländern und Kommunen.

Pflege, sagt die Staatssekretärin im Sozialministerium, Anne Janzen (Grüne), sei eines der zentralen Themen. Die Landesregierung werde die Tagespflege und Kurzzeitpflege stärken. In Arbeit sei eine Studie über den Bedarf der Regionen im Land.

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