1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Landespolitik

Personalnot: Zu wenig Lehrkräfte an Hessens Schulen

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Peter Hanack

Kommentare

Die kleineren Klassen ermöglichen einen direkten und individuelleren Unterricht.
Kleinere Klassen ermöglichen einen direkten und individuelleren Unterricht. Doch dafür braucht es mehr Lehrkräfte, als es zurzeit gibt © christoph boeckheler*

Kultusminister Lorz kündigt ein „problematisches Jahr“ für die Schulen in Hessen an. Die Opposition im Landtag kritisiert, neue Stellen gebe es „nur auf dem Papier“

Der Mangel an Lehrkräften bleibt in diesem wie im nächsten Jahr das wohl größte Problem an Hessens Schulen. Dennoch zeigt sich der hessische Kultusminister Alexander Lorz (CDU) optimistisch, den Unterricht sicherstellen zu können. Die Opposition im Hessischen Landtag sieht das kritisch.

Lorz rechnet für diesen Winter mit einer höheren Ausfallquote bei den Lehrkräften. Das Immunsystem sei durch Maskentragen und Abstandsregeln aufgrund der Corona-Pandemie „untrainiert“, Erkältungskrankheiten könnten sich deshalb nun stärker ausbreiten. Zudem grassiere bereits jetzt die Grippe und auch Corona-Infektionen seien noch immer häufig, erläuterte Lorz am Montag in Wiesbaden.

Höhere Krankheitsquote

Noch gibt es dazu keine verlässlichen Zahlen, denn die Krankheitsquote wird erst seit 1. November statistisch erfasst. Lorz kündigte aber bereits an, nicht alle Lücken könnten mit ausgebildeten Lehrkräften geschlossen werden. Denn es fehle in Hessen – wie nahezu überall in Deutschland – am Personal. So habe zu Schuljahresbeginn zwar der Unterricht überall sichergestellt werden können, bei Ausfällen stünden aber voraussichtlich nicht immer genug Vertretungskräfte zur Verfügung.

Es stehe ein „problematisches Jahr“ bevor, sagte der Kultusminister, da es kaum Personalressourcen gebe, auf die man einfach zugreifen könne. Die Lehrkräfteknappheit sei eine „zentrale Herausforderung“, für die es keine kurzfristige Lösung gebe.

Höhere Schülerzahlen

Die Ursache sieht Lorz vor allem in der Fehlannahme, die Schülerzahlen würden sinken. Davon sei man noch bis 2015 ausgegangen, entsprechend wenig sei ausgebildet worden und entsprechend wenige Bewerber:innen habe es für den Lehrerberuf gegeben. Tatsächlich aber seien die Schülerzahlen gestiegen, nicht nur, aber auch und vor allem durch eine starke Zuwanderung.

So habe es mit Beginn dieses Schuljahres rund 25 000 Schülerinnen und Schüler mehr als im Vorjahr gegeben. Gut die Hälfte davon seien aus der Ukraine Geflüchtete. Aktuell besuchten 31 500 zugewanderte Kinder und Jugendliche hessische Schulen, sagte Ministeriumssprecher Michael Ashelm. Monatlich kämen neue hinzu.

4000 neue Lehrerstellen

Um den gestiegenen Zahlen gerecht zu werden, seien zahlreiche Stellen geschaffen worden, berichtete Lorz. In den nächsten beiden Jahren sollten 4000 weitere hinzu kommen. Knapp die Hälfte davon für die Beschulung der Seiteneinsteiger:innen, die eine besondere Deutschförderung benötigten. Etwa 1000, um die durch eine höhere Geburtenrate gestiegenen Schülerzahlen zu bewältigen. 700 für den Ausbau von Ganztagsangeboten, 150 für einen Ausbau der sozialpädagogischen Unterstützung.

Um die Stellen auch besetzen zu können, seien die Ausbildungskapazitäten an den Hochschulen ausgeweitet worden. So seien erstmals wieder alle Referendariatsplätze an Grundschulen besetzt. Zudem würden Lehrkräfte für den Einsatz in anderen Schulformen weiterqualifiziert, gebe es Quereinsteigerprogramme, Unterstützung durch Lehrkräfte im Ruhestand, in Teilzeit oder Elternzeit.

Werbekampagne für Lehrkräfte

Zusätzliche Lehrkräfte soll eine Werbekampagne gewinnen, die Ende dieser Woche starten soll. Allerdings, so räumte Lorz ein, könne diese keine kurzfristige Entlastung bringen.

Im nächsten Jahr werde der Bildungsetat 4,9 Milliarden Euro betragen, knapp 100 Millionen mehr als aktuell. 2024 werde er dann mit 5,1 Milliarden erstmals die Grenze von fünf Milliarden überschreiten. Dies zeige, dass die Landesregierung ihre Schwerpunkte bei „gut ausgebildeten jungen Menschen und gut ausgestatteten Schulen“ setze, so Lorz.

„Reine Augenwischerei“

Der bildungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Landtag, Moritz Promny, kritisierte: „Die Landesregierung vermarktet geschaffene Lehrerstellen, beantwortet aber weiterhin nicht die Frage, wie sie die freien Stellen besetzen will.“ Ins gleiche Horn stieß der bildungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Christoph Degen: „Dem Minister scheinen Zahlenspiele zu gefallen.“ Wirklich hilfreich seien die aber erst, wenn daraus tatsächlich mehr Lehrkräfte würden. Und Elisabeth Kula (Linke) monierte: Stellen zu schaffen, die gar nicht besetzt werden könnten, sei reine Augenwischerei.

Auch interessant

Kommentare