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Hessenweit fehlen 800 freie Plätze in Frauenhäuser. Fachleute sprechen von einer „skandalösen Unterfinanzierung“.
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Hessenweit fehlen 800 freie Plätze in Frauenhäuser. Fachleute sprechen von einer „skandalösen Unterfinanzierung“.

Hessen

Opposition in Hessen fordert mehr Hilfe für Frauenhäuser

  • Pitt von Bebenburg
    VonPitt von Bebenburg
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Beim Schutz von Frauen und Kindern vor häuslicher und sexueller Gewalt gibt es viele Probleme. Die Parteien im hessischen Landtag reagieren nun auf eine FR-Recherche.

Hilfesuchende Frauen, die sich vor gewalttätigen Partnern in Sicherheit bringen wollen, brauchen dringend mehr Unterstützung. Eine Recherche der FR in Zusammenarbeit mit Buzzfeed Deutschland und „Correctiv.lokal“ hatte ergeben, dass in Hessen und den meisten anderen Bundesländern zu wenige Plätze in Frauenhäusern zur Verfügung stehen. Das führt dazu, dass betroffene Frauen oft lange auf einen Platz warten müssen.

„Zum Teil sind keine Notplätze da“, beklagt die hessische SPD-Abgeordnete Nadine Gersberg. Es müsse aber möglich sein einzugreifen, „wenn Frauen unmittelbar bedroht sind“, betont die Sozialdemokratin. Der Bund habe zwar ein Programm aufgelegt, damit Frauenhäuser zusätzliche Räume schaffen können.

„Die Bundesmittel werden aber nicht so gut abgerufen, wie es sein könnte“, berichtete Gersberg der FR. Oft sorgten sie sich, dass sie auf Kosten für das dann erforderliche Personal und zusätzlichen Betriebskosten sitzenblieben. Hier müsse das Land eine Finanzierung garantieren, verlangt die SPD-Frau.

Die Regierungsparteien CDU und Grüne verweisen darauf, dass das Land seine Ausgaben bereits beträchtlich gesteigert habe. Claudia Ravensburg (CDU) und Silvia Brünnel (Grüne) zählen auf: Jährlich überweise das Land den Kommunen acht Millionen Euro für Schutz und Beratung von betroffenen Frauen und Kindern vor sexualisierter Gewalt. Hinzu kämen 500 000 Euro für Investitionen in Frauenhäuser sowie drei Millionen Euro für Frauenhäuser und Beratungsstellen aus dem Corona-Sondervermögen, da die Corona-Krise die Probleme verschlimmert habe. Weitere 200 000 Euro flössen jährlich, um die Istanbul-Konvention zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen umzusetzen.

Man werde die Lage beobachten und „bewerten, ob und wie im Sinne der Konvention nachgesteuert werden muss“, kündigt die Grüne Brünnel an. Aus Sicht der CDU verfügen die Frauenhäuser über genügend Plätze. „Das große Problem besteht darin, die Frauen in sichere Wohnungen weiterzuvermitteln“, sagt Ravensburg.

Die Opposition sieht hingegen großen Bedarf an Plätzen in den Frauenhäusern. Die Linken-Sozialpolitikerin Christiane Böhm verlangt doppelt so viele Plätze für Frauen und Kinder. Die Kosten für jeden Platz und alle notwendigen Arbeiten seien vom Land zu erstatten.

„Eine Aufstockung der Plätze in Frauenhäusern ist wichtig, aber nur die halbe Miete“, findet die FDP-Abgeordnete Wiebke Knell. Für effektive Hilfe brauche es auch einen Ausbau der präventiven Beratung, eine bessere Vernetzung der Frauenhäuser über die Landesgrenzen hinweg und mehr Personal. „Letzteres betrifft auch Dolmetscher sowie die Kinderbetreuung, denn die meisten Schutzsuchenden kommen nicht alleine in ein Frauenhaus“, erklärt Knell.

„Hessen benötigt dringend mehr Frauenhausplätze“, stellt auch die AfD-Frauenpolitikerin Claudia Papst-Dippel fest. Es fehlten vor allem Familienzimmer, in denen Frauen mit ihren älteren Söhnen zusammenleben könnten, konstatiert sie. Die Kommunen könnten das allein nicht leisten. Sie fordert ein Bundes- und Landesprogramm für den Ausbau der Plätze.

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