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Opfer von Hanau fordern Aufklärung über SEK-Einsatz

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Von: Pitt von Bebenburg, Hanning Voigts

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Bei einer Demonstration im Mai in Frankfurt wird an die Opfer von Hanau erinnert. Foto: Monika Müller
Bei einer Demonstration im Mai in Frankfurt wird an die Opfer von Hanau erinnert. © Monika Müller

Die Angehörigen der Opfer des rassistischen Terroranschlags in Hessen sind entsetzt, weil Beamte der aufgelösten Frankfurter Eliteeinheit SEK in der Tatnacht eingesetzt waren.

Mit Entsetzen hat die „Initiative 19. Februar“ aus Hanau darauf reagiert, dass 13 Polizisten vom Spezialeinsatzkommando Frankfurt (SEK), gegen die wegen rechtsextremer Chatnachrichten ermittelt wird, auch während des rassistischen Terroranschlags in der Stadt eingesetzt waren. „Es ist noch weitaus schlimmer als wir schon befürchtet hatten“, sagte Newroz Duman von der Initiative, in der sich die Familien und Angehörigen der neun Menschen organisieren, die am 19. Februar vergangenen Jahres aus rassistischen Gründen ermordet worden waren. Nach dem Anschlag hatte der aus Hanau stammende Täter seine Mutter und sich selbst getötet. Es müsse geklärt werden, wie sich die Beteiligung der 13 SEK-Beamten auf das Einsatzgeschehen in der Tatnacht ausgewirkt habe, forderte Duman.

Viele weitere Fragen

Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) hatte am Dienstagabend in einer Sondersitzung des Innenausschusses des Hessischen Landtages neben anderen Details mitgeteilt, dass in der Terrornacht 38 Beamte des mittlerweile aufgelösten Frankfurter SEK zum Einsatz gekommen waren. Darunter seien 13 SEK-Polizisten gewesen, die „von der aktuellen Vorwurfslage betroffen“ seien, gegen die also wegen der Teilnahme an der Chatgruppe mit rechtsextremen Inhalten ermittelt wird. Es geht um den Vorwurf der Volksverhetzung und der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.

FR-Diskussion

Der Terror von Hanau ist auch Thema eines FR-Stadtgesprächs am Dienstag, 29. Juni ab 19 Uhr. Bei dem Gespräch, das live auf Youtube gestreamt wird, diskutieren der grüne Bundestagsabgeordnete Omid Nouripour, die hessische SPD-Vorsitzende Nancy Faeser, Newroz Duman und Armin Kurtovic, der Vater des ermordeten Hamza Kurtovic.

Der Inspekteur der hessischen Polizei, Hans Knapp, gab in der Sitzung bekannt, der Einsatzleiter vor Ort sei „sicher nicht“ SEK-Beamter gewesen. Knapp konnte aber nicht sagen, ob der Leiter der SEK-Gruppe bei diesem Einsatz einer der an den rechten Chats beteiligten Beamten war.

Für die Betroffenen aus Hanau, die den Polizeieinsatz in und nach der Tatnacht schon lange als „Kette behördlichen Versagens“ scharf kritisieren, stellen sich nun eine Vielzahl weiterer Fragen. Dabei geht es etwa darum, ob die unter Verdacht stehenden SEK-Beamten an der erst relativ spät erfolgten Erstürmung des Hauses des Täters beteiligt waren. Außerdem geht es um die Behandlung des Vaters eines der Mordopfer, Mercedes Kierpacz, in der Mordnacht. Der Mann gibt an, von Spezialeinheiten der Polizei umstellt und mit Waffen bedroht worden zu sein, obwohl er sich als Angehöriger von Kierpacz zu erkennen gegeben habe.

Außerdem fordert die Initiative den Rücktritt von Innenminister Beuth. Dieser werde „seiner Verantwortung in keinster Weise gerecht“, urteilt Newroz Duman.

Der Terror von Hanau ist auch Thema eines FR-Stadtgesprächs am Dienstag, 29. Juni ab 19 Uhr. Bei dem Gespräch, das live auf Youtube gestreamt wird, diskutieren der grüne Bundestagsabgeordnete Omid Nouripour, die hessische SPD-Vorsitzende Nancy Faeser, Newroz Duman und Armin Kurtovic, der Vater des ermordeten Hamza Kurtovic. (Hanning Voigts und Pitt v. Bebenburg)

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