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ÖPNV in Hessen: Der RMV fährt auf Sicht

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Von: Jutta Rippegather

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Der Verbund will mehr Menschen zum Umsteigen bewegen. Doch die Finanzierung neuer Projekte und Angebote ist nicht gesichert.

Die Fahrgastzahlen im Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) steigen wieder. Bei den S-Bahnen liegt das Niveau nur noch 30 Prozent unter dem vor der Pandemie. Im Berufsverkehr seien die Frankfurter U-Bahnen schon so voll wie vor Corona, sagt Geschäftsführer Knut Ringat. Doch welche Überraschung hat das Virus noch in petto? Wie entwickeln sich die Preise für Strom und Diesel, von dem der öffentliche Nahverkehr im hohem Maß abhängig ist? Unwägbarkeiten, die die Branche tief beunruhigt und die ehrgeizigen Zukunftsprojekte des RMV-Teams überschattet. Und im schlimmsten Fall einige dieser Pläne durchkreuzen könnten.

Noch bleibt es dabei: Eine Verbesserung der Leistungen soll die Fahrgastzahlen bis 2030 um 30 Prozent steigern, um die Klimaziele zu erreichen. Noch sollen die Fahrpreise jährlich lediglich um durchschnittlich 1,5 Prozent steigen, die für 1. Juli angekündigte außerplanmäßige Fahrpreiserhöhung von 3,9 Prozent die große Ausnahme bleiben. Noch will der RMV Anfang 2023 einen neuen Rabatttarif einführen – eine „Basiskarte“ ähnlich der der Deutschen Bahn. Noch sollen in der zweiten Jahreshälfte die ersten autonom fahrenden Autos mit normalem Tempo auf Bestellung Fahrgäste transportieren. Auch soll die neue App an den Start gehen, die die Kombination von Bus und Bahn mit Leihfahrzeugen vereint.

Pünktlichere Züge

Weit gereift sind diese und auch andere Zukunftsprojekte, die nun eigentlich bald umgesetzt werden könnten. Bedingung: Die Finanzierung der zusätzlichen Kosten und derer für Energie und Personal ist gesichert. In den kommenden fünf Jahren brauche der RMV knapp fünf Milliarden Euro von Bund, Land und Kommunen. 1,6 Milliarden mehr als im gleichen Zeitraum zuvor, sagt Ringat. Unberücksichtigt blieben dabei noch die Folgen des Krieges in der Ukraine.

Die Lage ist unübersichtlich. Planungen über Jahre sind derzeit kaum möglich. „Wir fahren auf Sicht“, sagt Ringat. Verspricht zugleich, das bestehende Angebot aufrechtzuerhalten. Öffentlicher Nahverkehr sei „Daseinvorsorge“. Selbst in der Hochzeit der Pandemie habe der RMV möglichst keine Leistungen gekürzt, so dass etwa das Krankenhauspersonal auch nach der Nachtschicht nach Hause kam. Doch der RMV möchte noch mehr Menschen zum Umsteigen bewegen. Mit besserem Komfort, pünktlicheren Zügen und zusätzlichen Fahrten – etwa auf der Odenwaldbahn oder den X-Buslinien.

Bis Mitte dieses Jahrzehnts soll der fahrerlose On-Demand-Verkehr im gesamten Verbundgebiet verfügbar sein. Bis dahin sitzen noch Menschen hinter den Lenkrädern der Shuttles auf Bestellung, die von diesem Jahr an auch in Hanau, Hofheim, Kelsterbach und dem Landkreis Darmstadt-Dieburg unterwegs sein sollen. Bequemer wird das Buchen eines Tickets über den RMV hinaus. Ab April gibt es eine App, die ermöglicht, eine Fahrkarte auch für den Münchener Nahverkehr zu buchen. Im Sommer kommt der Fernverkehr hinzu.

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