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Hessen

„Neue Straßen nur mit Radweg“

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Bei der Verkehrwende geraten die Sanierungen nicht aus dem Fokus, sagt der neue hessische Behördenchef Durth.

Noch fährt Heiko Durth mit einem Auto mit Verbrennungsmotor von Bad Vilbel nach Wiesbaden. Doch in wenigen Wochen wird der neue Präsident von Hessen Mobil mit einem Stromer ins Büro pendeln. In der Freizeit fährt er gerne Rad.

Herr Durth, Sie sollen die Verkehrswende durchsetzen. Wo fangen Sie an?

Wir haben schon angefangen, indem wir die Neuausrichtung von Hessen Mobil mit neuen Aufgabenschwerpunkten zum Jahreswechsel umgesetzt haben. Es gibt jetzt beispielsweise eine eigene Abteilung Mobilität und Radverkehr. Die neue Abteilung wird derzeit intensiv aufgebaut und bündelt im Haus die Kompetenzen, um die Themen der Verkehrswende zu unterstützen und den ganzheitlichen Ansatz zu beleben.

Was ist mit „ganzheitlichem Ansatz“ gemeint?

Es geht darum, die bessere Vernetzung aller Verkehrsträger in Angriff zu nehmen. Wir möchten den Bürgerinnen und Bürgern in Hessen zukünftig sagen können, mit welchem Verkehrsmittel oder welcher Verkehrsmittelkombination sie am schnellsten und attraktivsten von A nach B kommen. Dazu wollen wir mit den unterschiedlichen Partnern noch stärker als bisher kooperieren.

Welche Partner brauchen sie dazu?

Wir sind für die Infrastruktur der Bundes-, Landes- und Kreisstraßen zuständig. Unsere Partner sind in erster Linie die Politik, die Kommunen und der öffentliche Nahverkehr. Wir benötigen aber natürlich auch valide Daten, etwa zur Auslastung der Reisewege oder Belegung der Parkhäuser. Wir müssen schauen, wie wir eine Verschneidung hinbekommen, um das große gemeinsame Ziel, die Umsetzung der Verkehrswende, zu erreichen.

Öffentlicher Nahverkehr und Hessen Mobil, das man ja eher mit Straße und Autoverkehr in Verbindung bringt – wie passt das zusammen?

So neu ist das gar nicht. Wir haben viele Schnittstellen mit dem ÖPNV. So verwalten wir in erheblichem Umfang Landeszuwendungen für den ÖPNV. Wir sind beispielsweise involviert, wenn ein Verkehrsträger Geräte oder Fahrzeuge anschaffen will oder vorhat, das Schienennetz auszubauen. Aber auch beim Ausbau von Ortsdurchfahrten und Haltestellen haben wir Berührungspunkte an unseren Straßen. Vor diesem Hintergrund unterstützen und beraten wir intensiv bei wichtigen Themen, wie der Vernetzung der Fahrangebote oder dem Bereitstellen von Fahrradstellplätzen und Autoparkplätzen.

Zur Person

Heiko Durth ist seit 1. April Präsident der Landesbehörde Hessen Mobil. Der 52-Jährige war vorher Stellvertreter von Gerd Riegelhuth, der in den Ruhestand gegangen ist.

Nach dem Studium an der Technischen Hochschule Darmstadt, Fachrichtung Bauingenieurwesen, machte der Diplom-Ingenieur ein Referendariat beim Hessischen Straßenbauamt Hanau.

Seit 1994 ist Durth für die Hessische Straßen- und Verkehrsverwaltung
tätig. Verantwortlich tätig war er
unter anderem bei den Großprojekten Schiersteiner Brücke und Salzbachtalbrücke in Wiesbaden sowie dem
Riederwaldtunnel in Frankfurt. jur

Ein Schlagwort, das in dem Zusammenhang immer wieder fällt, ist, den Straßenraum neu aufzuteilen. Muss ich als Autofahrerin befürchten, weniger Platz zu bekommen, so wie derzeit schon in den Städten?

Wir wollen dem Radverkehr insgesamt mehr Gewicht geben. Das ist ja schon erkennbar durch die Aktivitäten der letzten Jahre, was die Schaffung neuer attraktiver Verbindungen angeht. Ich sehe aktuell aber nicht die Gefahr, dass wir Bundes- und Landstraßen verschmälern. Vielmehr ist es unser Ziel, neben den für den Kfz-Verkehr wichtigen Straßen einen selbstständigen Radweg zu führen. Letztlich ist das auch die beste Option für die Verkehrssicherheit. Deshalb ist die Trennung des Radverkehrs vom motorisierten Verkehr außerhalb der Ortschaften immer unsere erste Wahl.

Was ist mit den Umgehungsstraßen, die nach 30 Jahren Planung endlich realisiert werden? Werden Radwege nachgeplant?

Aktuell ist bei allen Straßenneubauprojekten ein Radwegeneubau mit einzuplanen. Bei alten Planungen versuchen wir das nachzuholen, um auch da die Anliegen des Radverkehrs bestmöglich zu berücksichtigen.

Es gibt ja nicht nur Neubauten. Was ist mit dem Sanierungsstau, den Schlaglöchern, maroden Brücken? Haben Sie dafür noch Geld, wenn Sie so viele Radwege bauen?

Die Förderquoten des Bundes und des Landes für den Radverkehr haben sich stark erhöht. Es gibt inzwischen eigene Förderprogramme, die nicht mit den Mitteln des Straßenbaus konkurrieren. Über 90 Prozent der 132 Millionen Euro, die wir dieses Jahr verbauen dürfen, werden wir in die Sanierung und Erhaltung des Landesstraßennetzes stecken können. Das ist – da gebe ich Ihnen gerne Recht – dringend erforderlich. Hier braucht man allerdings einen langen Atem, das ist oft nicht in ein oder zwei Legislaturperioden abzuarbeiten. Unser großes Ziel ist es, weiterhin sichere und komfortable Straßen in Hessen zu haben.

Corona hat die Mobilität verändert. Was ist Ihre Vision für die Zeit nach der Pandemie?

Corona hat nicht nur die Mobilität geändert, sondern generell unser menschliches Verhalten. Die Sicht auf viele Dinge, wie zum Beispiel die Zusammenarbeit in der Arbeitswelt und die Kommunikation auf Distanz. Es fehlen bei all dem aber die sozialen Aspekte des Miteinanders. Wir als moderne Verwaltung werden uns auch ein Stück weit neu auszurichten haben und gemeinsam mit unseren Beschäftigten entsprechend neue Angebote etablieren. Ob die Pandemie letztlich zu einem grundsätzlichen und spürbaren Rückgang des Verkehrs führen wird, ist im Augenblick sehr schwer einschätzbar. Der Rückgang der Verkehrsmengen in Hessen dürfte, bezogen auf das letzte Jahr, bei etwa 15 Prozent liegen.

Was würde das an den Anforderungen an Ihre Behörde ändern?

Was die Mobilität angeht, sicher nicht viel. Auf die Sicherheit und die Umwelt hätte ein Rückgang der Verkehrsmengen insgesamt natürlich positive Effekte. Die Erhaltung unserer Straßen und Brücken wird aber auch weiterhin langfristiges Thema bei der Straßeninfrastruktur sein. Denn was die Straßen im Wesentlichen beansprucht, ist der Lkw-Verkehr. Den können Homeoffice oder Videokonferenzen nicht ersetzen.

Interview: Jutta Rippegather

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