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Boris Rhein soll Hessens Ministerpräsident werden: Mit Pathos und neuem Image

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Von: Pitt von Bebenburg, Georg Leppert

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Wiesbaden 22.02.2022
Landtagspräsident Boris Rhein © Michael Schick

Bouffiers wahrscheinlicher Nachfolger Boris Rhein hat seine Rolle nach einer wechselhaften Karriere gefunden

So präsidial war Boris Rhein nicht immer. Doch der Frankfurter CDU-Politiker, der am heutigen Freitag von seiner Partei zum Nachfolger von Volker Bouffier erkoren werden soll, hat sich seit seinem Amtsantritt als Landtagspräsident angewöhnt, das Große und Ganze über parteipolitischen Streit zu stellen. Das würde gut zu der Rolle passen, die er künftig spielen soll: hessischer Ministerpräsident.

Zugleich muss der konservative Jurist, der dem Wirtschaftsflügel der CDU angehört, seine Partei profilieren. Denn er soll Bouffier auch im Amt des hessischen CDU-Vorsitzenden ablösen.

Klare Stellungnahme zur Ukraine-Krise

In diesen Tagen nutzte Rhein mehrere Gelegenheiten, um mit einem gewissen Pathos und unter dem Beifall aller Landtagsfraktionen Grundsätzliches zu erklären. Der Krieg in der Ukraine stürze Europa „zurück in seine dunkelste Zeit“, erklärte er. Und rief aus: „Heute sind wir alle Ukrainer“.

Schon Anfang der Woche hatte er angesichts des Gedenktags für die Opfer des rechten Terrors von Hanau klargestellt, in der Gesellschaft dürfe „kein Platz sein für Hass, Hetze und Rassismus“. So könnte auch ein Ministerpräsident klingen.

Ernsthaft in der neuen Rolle

Die Ernsthaftigkeit, die aus solchen Worten klingt, passt zu der neuen Rolle, die Boris Rhein anstrebt. Denn bei öffentlichen Auftritten gibt er sich sonst so locker, dass es manchmal wie Albernheit wirkt. Kein Wunder, ist der Christdemokrat doch Anhänger der Johnny-English-Komik.

Die politische Karriere von Boris Rhein begann in Frankfurt, wo schon sein Vater Peter Rhein (erst SPD, dann CDU) als Dezernent amtiert hatte. 2006 wurde Rhein junior Ordnungsdezernent und wählte einen vergleichsweise liberalen Kurs. Einen Aufmarsch von Rechtsextremisten ließ er verbieten – obwohl ihm klar war, dass die Anmelder gegen die Stadt vor Gericht ziehen und siegen würden. Es gehe darum, ein Zeichen zu setzen, sagte er.

Schwerste Schlappe

Zehn Jahre ist es her, dass Rhein die schwerste Schlappe seines politischen Lebens hinnehmen musste. Damals, als Petra Roth (CDU) als Frankfurter Oberbürgermeisterin aufhörte, galt der aufstrebende Politiker aus dem nördlichen Stadtteil Nieder-Eschbach als wahrscheinlicher Nachfolger. In Wiesbaden hatte er die Nachfolge Volker Bouffiers als Innenminister angetreten. Den Wahlkampf führte die Frankfurter CDU im Gefühl des sicheren Sieges nur mit halber Kraft. Doch SPD-Kandidat Peter Feldmann setzte sich durch.

Je näher es auf die Wahl zugegangen war, desto geringer wurde die Zustimmung für Rhein. Schließlich ließ die CDU Plakate aufhängen: Rhein im Vordergrund, Roth dahinter. „Alleine schafft er es nicht“, raunten Parteifreunde. Doch es half alles nichts. Rhein blieb Minister, auch im nächsten Kabinett Bouffier ab 2014, diesmal als Minister für Wissenschaft und Kunst.

Wissenschaftsministerium als Chance

Zwar hatte Rhein sich bisher weder mit Wissenschaft noch mit Kunst intensiver beschäftigt. Doch das Amt bot ihm Gelegenheit, Abschied vom Image des harten Hunds zu nehmen und Termine mit Kunstschaffenden und Professoren wahrzunehmen.

Nach der Landtagswahl 2018 verlor Rhein zwar sein Ministeramt, angelte sich aber den Posten als Nachfolger des langjährigen Landtagspräsidenten Norbert Kartmann (CDU). Dort gelang es ihm, das Verbindende in den Vordergrund zu stellen, für den Parlamentarismus als Grundpfeiler der Demokratie zu werben und parteiübergreifend Anerkennung zu finden.

Peinlicher Moment in Frankfurt

Nicht immer in seiner Karriere trat er so seriös auf. Nach einem feuchtfröhlichen Abend stand er in seiner Zeit als Wissenschaftsminister mitten in der Nacht mit Freunden aus der Jungen Union vor dem Klapperfeld, einem linken alternativen Zentrum in der Innenstadt.

Man wolle sich die Einrichtung mal ansehen, hieß es aus der Gruppe. Daraus wurde nichts. Die Verantwortlichen im Klapperfeld wiesen Rhein, einen Landesminister, und seine Freunde auf ihr Hausrecht hin. Die Tür blieb zu.

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