REG-Virtual-Reality-dpa_170
+
fMehr Virtual Reality für Landesmuseen - wie hier im Senckenbergmuseum

Staatliche Förderung

Mit der App durchs Museum

  • Pitt v. Bebenburg
    vonPitt v. Bebenburg
    schließen

Hessen fördert die Digitalisierung der staatlichen Kultureinrichtungen mit Geld und Stellen

Das Museum Wiesbaden hatte seine Ausstellung über das Malerpaar Alexej von Jawlensky und Marianne von Werefkin gerade eröffnet, als Corona zum Lockdown zwang. Zum Glück für die Interessierten gab es immerhin eine App, die durch die Ausstellung führte – und großes Interesse daran.

Das Museum habe einen „unglaublichen Anstieg der Downloads“ beobachtet, berichtet Rebecca Krämer, die gemeinsam mit Hannes Lerp die digitale Strategie des Hauses entwickelt. Beide teilen sich seit einigen Monaten eine neue Stelle.

Es ist eine von zehn zusätzlichen Stellen, die Hessen den Kultureinrichtungen im Landesbesitz für die Digitalisierung eingerichtet hat. Hinzu kommen drei Millionen Euro in diesem Jahr, davon 1,2 Millionen Euro aus dem Milliardenprogramm, das zur Bewältigung der Corona-Krise beschlossen wurde. Darüber informierten Kulturministerin Angela Dorn (Grüne) und Digitalministerin Kristina Sinemus (CDU) am Mittwoch bei einer Pressekonferenz im Museum Wiesbaden.

Hessens Kultureinrichtungen

Rund 400 Museen und Sammlungen gibt es in Hessen. In Landesbesitz befinden sich die Landesmuseen in Darmstadt und Wiesbaden sowie die Museumslandschaft Kassel. Auch die Keltenwelt am Glauberg und das Römerkastell Saalburg gehören dazu. Die Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen verwalten rund 50 Burgen, Schlösser, ehemalige Klöster und Gartenanlagen. pit

Digitalisierung von Museen werde häufig missverstanden, erklärte Ministerin Dorn. Sie solle nicht den Besuch im Museum ersetzen – wie das bei der Jawlensky/Werefkin-Ausstellung notgedrungen der Fall war. Normalerweise gehe es darum, „den Weg ins Museum zu erleichtern“ – und um Zusatzinformationen in der Ausstellung.

Durch das Museum Wiesbaden kann man sich etwa mit einer „Schlender-Führung“ bewegen. Die App sucht zufällig nahegelegene Objekte aus, über die Informationen verfügbar sind, und macht die Besucherin oder den Besucher durch eine Vibration darauf aufmerksam. So öffne jeder Museumsbesuch den Blick neu für die Objekte, erklärte Hannes Lerp.

In der Keltenwelt am Glauberg kann man einen bemerkenswerten Halsschmuck sehen – und in der digitalen Erläuterung wird ganz bildlich die häufig gestellte Frage beantwortet, wie der Verschluss geöffnet wurde. Auch die Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen bieten eine neue App. Sie heißt „Romantik Rhein-Main“ und führt an Orte wie den Osteinschen Niederwald bei Rüdesheim oder das Brentanohaus in Oestrich-Winkel, aber auch – auf den Spuren Goethes – zur Gerbermühle am Frankfurter Mainufer.

Von der Brille, die zerstörte Gebäude in virtueller Realität zeigt, bis zum Erklärfilm über eine „Planetenuhr“ aus dem 16. Jahrhundert aus Kassel reichen die Digitalangebote der staatlichen hessischen Kultureinrichtungen. Vieles, was jetzt digital aufgearbeitet wird, spielt sich jedoch eher im Hintergrund ab.

Forscherinnen und Forschern in aller Welt dient zum Beispiel auch die Digitalisierung von Sammlungen. Allein das Landesamt für Denkmalpflege plane die digitale Erfassung von 10 000 bis 15 000 archäologischen Kulturdenkmälern, berichtete Kulturministerin Dorn.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare