Gastbeitrag

Mehr Raum für ältere Menschen

Von Petra Becher, Geschäftsführerin des Bürgerinstituts Frankfurt.

Der Anteil der älteren Bevölkerung in Deutschland nimmt beständig zu. In 20 Jahren wird jeder vierte Mensch über 67 Jahre alt sein. Das stellt das Renten- und Pflegesystem vor große Herausforderungen. Themen wie Altersarmut und Wohnungsnot im Alter werden zunehmend in den Vordergrund rücken. Der Bundesgesundheitsminister erklärte diesen Themenkomplex anlässlich seines Entwurfs einer Pflegereform jüngst sogar zur sozialen Frage der 20er Jahre.

Ist es nicht traurig, dass unsere älteren Mitmenschen zu einem „sozialpolitischen Thema“ werden müssen? Das ist mir zu defizitorientiert. Nach all dem, was sie in ihrem Leben für uns und unsere Gesellschaft geleistet haben? Ich finde, im Umgang der Gesellschaft mit der älteren Generation sind Scheuklappen nicht erlaubt und neue Impulse dringend vonnöten.

Frauen und Männer können heute mit einer höheren Lebenserwartung rechnen und lange selbstständig bleiben, sofern die Gesundheit es ihnen erlaubt. Doch das gesellschaftliche Potenzial der Generation über 65 wird meiner Meinung nach häufig verschenkt. Auf den Renteneintritt folgt viel zu oft das gesellschaftliche Abstellgleis.

Und wenn ältere Menschen eines Tages im Alltag auf die Hilfe von Dritten angewiesen sind, finden sie sich meist zu schnell ins Pflegeheim abgeschoben.

Sieht so soziale Verantwortung aus? Ich meine, nein.

Etwa vier Fünftel aller Pflegebedürftigen können sich nicht vorstellen, ihren Lebensabend in einem Heim zu verbringen. So wie früher, als verschiedene Generationen einer Familie unter einem Dach oder zumindest im selben Ort lebten, wünschen sich auch heute die meisten älteren Menschen, nicht alleine zu sein und in der Nähe ihrer Kinder und/oder Zugehörigen zu leben. Um das zu verwirklichen, sind wir alle aufgefordert, ihnen mehr Raum in Familie und Gesellschaft zu geben.

Alterswohngemeinschaften, technikunterstütztes Wohnen und Mehrgenerationenhäuser sowie spannende Ehrenämter zu schaffen, sind dabei ein Teil der Lösung. Und unser aller aktives nachbarschaftliches und gesellschaftliches Engagement, um die aktive Teilhabe von älteren Menschen an allen Bereichen des privaten und öffentlichen Lebens zu fördern.

Dies ist nicht nur wünschenswert – sondern wir werden es uns schlichtweg anders auch gar nicht leisten können. Und damit gibt es vielleicht doch Hoffnung für eine Verbesserung?

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