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Luftverkehr in Hessen: Personal dringend gesucht

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Von: Jutta Rippegather

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Während der Corona-Pandemie wurde am Flughafen Frankfurt viel Personal entlassen, nun wird es dringend gebraucht. Renate Hoyer
Während der Corona-Pandemie wurde am Flughafen Frankfurt viel Personal entlassen, nun wird es dringend gebraucht. Renate Hoyer © Renate Hoyer

Luftverkehrsbranche diskutiert mit Landespolitik über die aktuellen Herausforderungen. Fluglärm spielt in den Gesprächen keine Rolle.

Der Personalmangel stellt die Luftverkehrsbranche vor große Probleme. Ob Fachkräfte oder Unqualifizierte – der Markt sei leergefegt. „Das ist ein Riesenthema, insbesondere für uns als Drehkreuz“, sagt Michael Niggemann vom Vorstand der Deutschen Lufthansa. Der Entlassungswelle als Reaktion auf die Pandemie folge jetzt eine Neueinstellungsoffensive. Die zweite Sorge betrifft den EU-Klimaschutzplan „Fit for 55“, hieß es am Montag beim Verkehrsforum der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VHU) zum Luftverkehrsstandort Hessen. Der Plan werde zu Wettbewerbsnachteil führen, befürchten die Wirtschaftvertreter.

Branche soll Ideen liefern

Frank Kaufmann von den Grünen ist der einzige der vier Landtagsabgeordneten, der das anders sieht. Er fordert mehr Selbstbewusstsein. Statt zu klagen solle die Branche der Politik Ideen liefern, wie die Nachhaltigkeitsziele zu erreichen sind. Und die Tatsache, dass zu wenig alternative Kraftstoffe zur Verfügung stehen, sei auch kein Hindernis. Das Land Hessen hat eine Pilotanlage initiiert. Aber die Produktion für die Masse, das sei der Job der Unternehmen.

Es ist das erste VHU-Verkehrsforum in Präsenz seit Pandemiebeginn. Corona hat die zuvor boomende Branche ins Mark getroffen. Jetzt kämpft sie mit den Folgen einer verfehlten Personalpolitik, die im Sommer zu langen Warteschlangen führte, zu Flugausfällen und Bergen von Gepäck, das nicht sein Ziel erreichte. „Wir hatten große Sorgen, dass das System zusammenbricht“, sagt der Lufthansavorstand und räumt selbstkritisch ein: „Die Pünktlichkeit lässt immer noch zu wünschen übrig.“ Ralf Teckentrup, Vorsitzender der Condor-Geschäftsführung, nennt Zahlen: Eine Pünktlichkeit von 62 Prozent, bis zu drei Prozent kurzfristig abgesagte Flüge: „Miese Qualität“ habe man abgeliefert. Er fordert, die Transferleistungen für Erwerbslose zu senken, um Anreize zum Arbeiten zu schaffen. Pierre Dominique Prümm, Mitglied des Fraport-Vorstands, sieht die Lösung in einem Zuwanderungsgesetz. Der hiesige Arbeitsmarkt könne den Bedarf nicht stillen: „Der Teich, aus dem wir fischen, wird immer leerer.“

Fahrgastzahlen steigen wieder

Flughafenbetreiberin Fraport erwartet weiter Erholung. Und dass die Fluggastzahlen bald auch außerhalb der Hochsaison das Niveau vor Corona erreicht haben. Deshalb investiere das Unternehmen in die Infrastruktur: in Terminal 3 als „neue Visitenkarte mit Top-Prozessen“. In einen direkten Zugang vom Fernbahnhof ins Terminal 1, wo das Check-in automatisiert wird. Erwünscht ist mehr Unterstützung der Politik. Die Pandemie habe große Löcher in die bisher gut gefüllten Kassen gerissen.

Die Vertreter:innen der Landespolitik von Grünen, SPD, CDU und FDP betonten die Bedeutung des Flughafens für Hessen. Kaufmann ist dabei der einzige, der mehr Bemühungen um Nachhaltigkeit einfordert. Das wäre eine weitsichtige Unternehmenspolitik: Immer mehr Kund:innen und Investor:innen achteten beim Konsum auf die Folgen fürs Klima.

Fluglärm spielt bei der VHU-Diskussion am Montag so gut wie keine Rolle. Sozialdemokrat Marius Weiß geht davon aus, dass es auch bei der Landtagswahl in einem Jahr so sein wird. „Ich glaube nicht, dass das ein großes Thema wird.“ Vielmehr werde es vor allem darum gehen, wie die Wirtschaft möglichst gut durch die Krise kommt.

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