1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Landespolitik

Luca-App vor dem Aus in Hessen

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Pitt von Bebenburg

Kommentare

Bei Apfelwein Solzer in Frankfurt können die Gäste alternativ auch mit der Corona-Warn-App einchecken.
Bei Apfelwein Solzer in Frankfurt können die Gäste alternativ auch mit der Corona-Warn-App einchecken. © Arne Dedert/dpa

In Hessen hat die Luca-App wohl bald ausgedient. Deren Erfolge bei der Nachverfolgung von Corona-Infektionsketten sind nach FR-Informationen überschaubar.

Die Luca-App ist in Hessen offenbar ein Auslaufmodell. Der Vertrag läuft Ende März aus, eine Verlängerung ist derzeit unwahrscheinlich. Die Applikation für Smartphones, mit der sich Nutzerinnen und Nutzer in Restaurants und Veranstaltungsorten elektronisch einchecken können, soll der Nachverfolgung von Corona-Infektionsketten dienen. Sie war im Frühjahr von der Landesregierung angeschafft worden, für 2,1 Millionen Euro.

Die Erfolge sind offenbar überschaubar. Wie das hessische Digitalministerium von Kristina Sinemus (CDU) auf FR-Anfrage berichtet, wurden von den 24 hessischen Gesundheitsämtern innerhalb der vergangenen vier Wochen rund 2150 Kontaktdaten angefragt. Ausgespielt wurden in dieser Zeit gut 1100 Warnweise „mögliches Infektionsrisiko“ sowie rund 70 Warnhinweise „erhöhtes Infektionsrisiko“. Sie betrafen damit nur einen Bruchteil der mehr als 60 000 Neuinfektionen im gleichen Zeitraum.

Die Landesregierung will sich noch nicht endgültig festlegen, ob die Luca-App trotzdem weiterhin sinnvoll wäre, doch sie macht klar: „Eine Vertragsverlängerung durch das Land wäre aus heutiger Sicht nur dann sinnvoll, wenn aufgrund einer geänderten Lage die Kontaktdatenerfassung wieder weitgehend flächendeckend im Einzelhandel, der Gastronomie und weiteren Einrichtungen erforderlich würde.“ Aktuell seien jedoch viele Bereiche von der Verpflichtung zur Kontaktdatenerfassung ausgenommen.

Aus Sicht der Landtagsopposition sollte Hessen die Finger von der Luca-App lassen. „Schon bei der Beschaffung war klar, dass damit Doppelstrukturen aufgebaut werden“, bemängelt Bijan Kaffenberger, der digitalpolitische Sprecher der SPD.

Für die Corona-Warn-App

Die Corona-Warn-App biete die gleichen Funktionen und arbeite zugleich „wesentlich datensparsamer“ als die Luca-App. Hessen sollte daher von April an vollständig auf die Corona-Warn-App setzen, schlägt der Sozialdemokrat vor. Dafür müsste nach Einschätzung des FDP-Digitalpolitikers Oliver Stirböck allerdings die Corona-Schutzverordnung des Landes geändert werden. Dort sei die Verwendung der Corona-Warn-App zur Nachverfolgung derzeit ausgeschlossen. Der Freidemokrat nennt die Bilanz der Luca-App „nicht berauschend“. Die digitale Registrierung gelinge in der Praxis oft nicht vollständig „und in der Verwendung der Daten durch die Gesundheitsämter zeigt sich mehr und mehr ein enttäuschendes Bild“, sagt Stirböck.

Die Linke sieht die Luca-App als Beleg dafür, dass „der ideologiegetriebene Ansatz ‚privat vor Staat‘ auch in diesem Fall krachend gescheitert“ sei. Während die Corona-Warn-App die Nutzer datensparsam über Gefahren informiere, sei die Luca-App eine „private Datensammelstelle“, deren Kosten um ein vielfaches höher seien und deren Nutzen kaum feststellbar sei, urteilt Torsten Felstehausen, parlamentarischer Geschäftsführer der Fraktion.

Auch interessant

Kommentare