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Sich im Unterricht zu melden, sich zu trauen zu sprechen – das ist nicht selbstverständlich, aber fürs Lernen wichtig.
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Sich im Unterricht zu melden, sich zu trauen zu sprechen – das ist nicht selbstverständlich, aber fürs Lernen wichtig.

Schule

Lerncamps in Hessen: Deutsch sprechen in den Sommerferien

  • Peter Hanack
    VonPeter Hanack
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In Kelkheim bekommen Schüler und Schülerinnen die Chance, ihre Sprachdefizite abzubauen. Das soll beim Start ins nächste Schuljahr helfen. Das Land lobt das Projekt, knausert aber beim Geld.

Die coronabedingten Schulschließungen und Unterrichtsausfälle haben besonders jene Kinder und Jugendliche getroffen, die ohnehin kaum oder nur sehr schlecht Deutsch sprechen. In Kelkheim versucht man, während der Sommerferien mit einem Sprachcamp diesen zumeist geflüchteten oder zugewanderten Schülern und Schülerinnen den Start ins nächste Schuljahr etwas zu erleichtern.

„Sechs Wochen Sommerferien sind zu lang, um kein Deutsch zu sprechen“, ist Ina Schindler überzeugt. Schindler (37) ist Lehrerin an der Eichendorffschule in Kelkheim (Main-Taunus-Kreis) und hat dort gemeinsam mit Schulleiter Stefan Haid ein zweiwöchiges Programm auf die Beine gestellt. 21 Jungen und Mädchen von elf bis 16 Jahren nehmen, aufgeteilt in zwei Lerngruppen, daran teil. In der einen Woche wird gemeinsam in „Momo“ von Michael Ende gelesen, in der anderen zusammen eine Wand am Schulgebäude bemalt. Es gibt ein gemeinsames Frühstück und Mittagessen.

„Ziel ist es, dass die Kinder und Jugendlichen sich wieder trauen, frei zu sprechen“, erklärte Schindler. „Deshalb reden wir auch ganz viel miteinander.“ Denn genau das ist es, woran es den Teilnehmer:innen fehlt. Nicht am Reden an sich, aber doch am Deutsch sprechen, gerade in den Ferien, denn in den Familien werde fast ausschließlich in den jeweiligen Herkunftssprachen gesprochen.

Das Camp in den letzten beiden Ferienwochen (am Montag beginnt in Hessen wieder die Schule) gibt es seit fünf Jahren. Doch Corona hat dessen Notwendigkeit noch deutlicher gemacht. Im vergangenen Schuljahr musste auch die Eichendorffschule den Präsenzunterricht teilweise einstellen, „viele Schülerinnen und Schüler waren 141 Tage nicht bei uns“, sagte Schulleiter Haid.

Den Kindern und Jugendlichen fehlte der sprachliche Austausch mit anderen, zumal auch alle anderen Kontakte etwa bei AGs oder im Fußballverein eingeschränkt waren. „Und wenn beim Distanzunterricht die Verbindung ruckelig war und Bild und Ton auseinanderfielen, hat auch dort die Verständigung schlecht funktioniert, weil viele darauf angewiesen sind, die Lippenbewegungen sehen zu können“, erklärte Schindler.

Kultusstaatssekretär Manuel Lösel (CDU) hat am Dienstag das Kelkheimer Camp besucht. „Es ist wahnsinnig wichtig, dass solche Sprachcamps aufgelegt werden“, sagte er. Das Land habe deshalb das Camp finanziell gefördert. Doch ohne Sponsor:innen hätte Haid das Programm nicht auf die Beine stellen können. So kamen vom Gesamtbudget in Höhe von 10 000 Euro alleine 1500 Euro vom örtlichen Rotary-Club. Ohne die Hilfe auch anderer Geldgeber:innen hätte man nur zwei statt drei Lehrkräfte engagieren können, sagte Haid – entsprechend weniger Schüler:innen hätten teilnehmen können.

Denn anders als bei den gut 300 Sommercamps, die in Hessen angeboten werden, trägt das Land bei einem der seltenen Sprachcamps wie in Kelkheim nicht automatisch die vollen Personalkosten. Lösel wollte aber nicht ausschließen, dass dies in Zukunft geschehen könne. Es handele sich dabei schließlich auch um eine „coronabedingte Kompensationsmaßnahme“.

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